Waiblingen

Italienische Katholiken in Waiblingen: Wie geht es der S. Antonio di Padova-Gemeinde?

Italienische Gemeinde Giuliana
Schwester Giuliana Bosini (li). © Raiser

Der Schock über die vielen Corona-Opfer in Norditalien im Frühjahr 2020 saß bei den italienischen Katholiken im Rems-Murr-Kreis tief. Zunächst, schreibt Pastoralreferent Thomas Raiser unserer Zeitung, blieben etliche Mitglieder der Gemeinde S. Antonio di Padova den Gottesdiensten am Sonntag um 9.45 Uhr fern, um sich und andere nicht in Gefahr zu bringen. „Viele griffen auf die Fernsehgottesdienste und Online-Gebete aus Italien zurück, teilweise konnten sie erstmals online an Gottesdiensten in den Herkunftsregionen teilnehmen.“

Für die Gottesdienste in der Heilig-Geist-Kirche in Waiblingen-Rinnenäcker wurde von Seiten der Sankt-Antonius-Gemeinde das Hygienekonzept festgelegt. Anfangs durften nur 50 Personen in der Kirche teilnehmen, dann wurde die Zahl im Rahmen der Lockerung etwas erhöht durch Familienangehörige, die ja zusammensitzen durften. „Ein großer Verzicht bedeutete das Singverbot, die Gebetbücher wurden aus hygienischen Gründen nicht mehr benutzt“, berichtet Thomas Raiser.

Viele Hochzeiten wurden abgesagt

Der Ehevorbereitungskurs 2020 mit 14 Paaren musste vorzeitig beendet werden, was verhinderte, dass sich wie in anderen Jahren die Paare untereinander besser kennenlernen und Kontakt knüpfen konnten. Auch die meisten Hochzeiten in Italien und Deutschland wurden abgesagt. Erstkommunion und Firmung wurden im Herbst in getrennten Gottesdiensten nachgefeiert.

Eine besondere Herausforderung waren laut Thomas Raiser die Beerdigungen, die in italienischer Tradition mit viel Nähe verbunden sind. „Es ist üblich, dass nach dem Sterben eines Angehörigen viele Verwandte, Bekannte und Leute aus dem Herkunftsort ins Haus kommen.“ Im Wohnzimmer sitzt man dann dicht an dicht, bekommt einen Kaffee und Brezeln. „Es geht nicht ohne Umarmung. Das alles war nun nicht möglich. Die Beerdigungen im Freien waren durchaus eine schöne Alternative.“

Zusätzliche Gottestdienste fürs Totengedenken

Für das übliche Totengedenken nach einem Monat in der Kirche wurden zusätzliche Gottesdienste am Samstagmittag angeboten. Aus dem Kreis der italienischen Gemeinde gab es rund fünf Beerdigungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus, die von den Seelsorgern der Gemeinde gefeiert wurden. Der jährliche Besinnungstag der italienischen katholischen Gemeinden des Dekanats Rems-Murr fand diesmal in der großen Maria-Regina-Kirche in Fellbach statt.

Nonne reiste zur schwer an Corona erkrankten Mutter nach Italien - und landete selbst auf der Intensivstation

Unter dem Leitwort „Auf den Höhen lässt er mich wandern“ sprach Schwester Giuliana Bosini aus Ludwigsburg über ihre Erfahrungen während ihrer schweren Corona-Erkrankung von Februar bis Mai 2020. Ihre halbe Verwandtschaft lag selber in Krankenhäusern mit Corona, keiner konnte sich um die schwerkranke Mutter kümmern. Und so ging sie nach Italien zu ihrer sterbenden Mutter, infizierte sich und verbrachte viele Wochen auf der Intensivstation in Piacenza.

„Ihre Krankengeschichte wurde zu einer Geschichte von Vertrauen, Glauben und Hoffnung“, schreibt Thomas Raiser. Als Zeichen der Hoffnung ließ die Gemeinde eine Gesichtsmaske fertigen, mit der Aufschrift Hoffnung in vielen Sprachen und dem Bild einer brennenden Kerze. Sie wurde an die Gemeindemitglieder in den Gottesdiensten verteilt.

Verdienstausfälle bei Minijobs

Für Weihnachten gelten die bisherigen Anmelderegeln, es sind zusätzliche Gottesdienste vorgesehen. Persönliche Notlagen über das bisherige Maß hinaus lassen sich laut Pastoralreferent Thomas Raiser bisher noch nicht feststellen. Vieles werde in den Verwandtschaften aufgefangen.

„Viele, die in Minijobs arbeiten, werden große Verdienstausfälle haben.“ Welche Auswirkungen die Veränderungen im Schulbereich auf die Familien haben werden, ist für ihn noch nicht abzusehen. Die vielen italienischen Familien, die in der Gastronomie tätig sind, versuchen, die Ausfälle abzufedern, soweit die Angestellten zur Familie gehören, und bieten häufig Lieferdienste an.

Der Schock über die vielen Corona-Opfer in Norditalien im Frühjahr 2020 saß bei den italienischen Katholiken im Rems-Murr-Kreis tief. Zunächst, schreibt Pastoralreferent Thomas Raiser unserer Zeitung, blieben etliche Mitglieder der Gemeinde S. Antonio di Padova den Gottesdiensten am Sonntag um 9.45 Uhr fern, um sich und andere nicht in Gefahr zu bringen. „Viele griffen auf die Fernsehgottesdienste und Online-Gebete aus Italien zurück, teilweise konnten sie erstmals online an Gottesdiensten

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper