Waiblingen

Jahrelanges Warten auf Anschluss: „Abenteuer Glasfaser“ im Waiblinger Eisental

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Ulrich und Wolf-Dietrich Schelling an einem der aufgegrabenen Gehwege vor ihrer Immobilie. © Kölbl A

Schnelles und leistungsstarkes Internet mit Glasfaser – das wird für Gewerbetreibende und für Angestellte im Home-Office immer wichtiger. Das dachten sich auch die Brüder Schelling als Eigentümer einer Immobilie im Eisental. Ihr Mieter ist der bekannte Fahrradhändler Bikes & Boards. Vor fast dreieinhalb Jahren – Ende 2018 - bekamen sie von der Telekom eine Auftragsbestätigung. Seitdem warten sie immer noch auf den Anschluss.

Im Frühjahr 2020 fanden erste Bauarbeiten statt. Ohne Vorankündigung, wie Wolf-Dietrich Schelling berichtet. Von einem Tag auf den anderen sei ein Graben um das Gebäude ausgehoben worden. „Freundlicherweise haben uns die Arbeiter kurzfristig eine behelfsmäßige Zufahrt ermöglicht, so dass wir mit Handwerkern ins Gebäude konnten.“ Denn dort liegen gerade die Umbauarbeiten vom früheren „Raum Aktuell“-Laden für Bikes & Boards.

Monatelanges Warten – und dann muss alles ganz plötzlich sein

Rund ein Jahr später bekamen die Eigentümer einen Anruf von einer Baufirma, die mitteilte, dass die Vorarbeiten im gesamten Gewerbegebiet fehlerhaft ausgeführt worden seien. Um den Stand der Installation am Haus zu dokumentieren, kam ein Mitarbeiter und machte Fotos. Kurze Zeit später wieder ein Anruf: Die Aufnahmen seien verloren gegangen. Die Schellings machten also selbst welche, schickten sie an die Baufirma – und wieder herrschte Funkstille.

"Zeitah" können vier Monate sein

Das „Abenteuer Glasfaser“, wie Wolf-Dietrich und Ulrich Schelling es nennen, nahm weiter seinen Lauf. Ende August erreichte sie die Mitteilung, am nächsten Tag müssten Grabungsarbeiten stattfinden. Unter Hinweis auf den laufenden Geschäftsbetrieb ihres Kunden lehnten die Eigentümer den kurzfristigen Termin ab. Doch nie meldete sich jemand wie vereinbart für einen Ersatztermin.

Ende September dann die Ankündigung, dass am Gebäude „zeitnah“ die Glasfaserkabel in die vorhandenen Röhrchen eingeblasen werden sollten. „Zeitnah“: Fast vier Monate später kam der Anruf mit der Bitte, in 30 Minuten vor Ort zu sein. Wolf-Dietrich Schelling war an jenem Freitagnachmittag unterwegs - man verabredete, in der Folgewoche einen Termin zu vereinbaren. Doch die Nummer des Anrufers war nicht mehr zu erreichen.

Im März 2022 schließlich kamen Leute der Projektfirma, um den Stand der Dinge zu eruieren. „Der Fehler“ sei gefunden, hieß es. Erneut wurde der Gehweg aufgegraben, wie auch an anderen Stellen im Eisental. Stand heute verfügt das Gebäude noch immer über keinen Anschluss.

Viele Beteiligte und unklare Verantwortlichkeiten

Die Telekom bedauert die Situation laut Mitteilung ihrer Pressestelle „außerordentlich“ – und schiebt einen Teil der Verantwortung weiter: Damit die Beeinträchtigungen für Anlieger und Verkehr möglichst gering bleiben, habe die Stadt Waiblingen entschieden, die Tiefbauarbeiten zu bündeln. Mit dieser Maßnahme sollte verhindert werden, dass die Straßen nicht mehrmals nacheinander geöffnet werden müssen – eine eigentlich pragmatische Vorgehensweise. Für einen Teil des Ausbaugebiets war die Telekom federführend im Ausbau, für einen anderen Teil ein Wettbewerber. Dabei handelt es sich um die Deutsche Glasfaser im Auftrag von Vodafone – und just dort befindet sich auch das Haus mit der Adresse von Schelling beziehungsweise Bikes & Boards. Störungen könne die Telekom also nicht selbst beheben, sondern müsse den Wettbewerber als Bauherren damit beauftragen. Mit Hilfe von Testsignalen überprüfe dann die Telekom, ob die Störung behoben ist. Erst dann könne sie den Glasfaseranschluss für den Kunden freischalten. „Wir hoffen, dass dies bis Ende Mai der Fall sein wird“, teilt die Telekom-Pressestelle mit.

Die Deutsche Glasfaser teilt nur mit, dass ihr für den Hausanschluss keine Beauftragung vorliege. „Sobald wir eine Beauftragung über den Anschluss der Adresse mit Glasfaser erhalten, geben wir dem Kunden nach Rücksprache mit einem Baupartner gerne eine zeitliche Perspektive über die Dauer des Nachanschlussprozesses.“ Ansonsten müsse er sich eben an seinen Netzbetreiber wenden. Gelungene Zusammenarbeit der Anbieter im Sinne des Endkunden klingt anders.

Stadtwerke-Kunden alle versorgt

Ob alles problemlos geklappt und Schelling einen funktionierenden Anschluss hätte, wenn der Glasfaser-Ausbau im Eisental aus einer Hand ausgeführt worden wäre? Dagegen steht das sogenannte Diginetz-Gesetz, das ein Mitverlegungsrecht beim Glasfaser-Ausbau vorsieht. Dass von ihr beauftragte Baufirmen Fehler gemacht haben könnten, möchte ein Sprecher der Deutschen Glasfaser zumindest nicht ausschließen. „Das kommt schon mal vor, und dann beenden wir die Zusammenarbeit.“ So werde zum Beispiel erwartet, dass Bauarbeiten zwei Wochen vorher per Infoschreiben im Briefkasten angekündigt werden. Den ganzen Hergang nachzuvollziehen, sei heute allerdings nur noch mit erheblichem Aufwand möglich.

Von den Stadtwerken Waiblingen ist zu hören, dass der Glasfaser-Ausbau im Gewerbegebiet ein schwieriges Kapitel war. Die eigenen Kunden seien inzwischen nach einigen Mühen – „Man muss vor Ort sein und dran bleiben“ – alle mit funktionierenden Anschlüssen versorgt, sagt der Technische Leiter Bernhard Zipp.

Schnelles und leistungsstarkes Internet mit Glasfaser – das wird für Gewerbetreibende und für Angestellte im Home-Office immer wichtiger. Das dachten sich auch die Brüder Schelling als Eigentümer einer Immobilie im Eisental. Ihr Mieter ist der bekannte Fahrradhändler Bikes & Boards. Vor fast dreieinhalb Jahren – Ende 2018 - bekamen sie von der Telekom eine Auftragsbestätigung. Seitdem warten sie immer noch auf den Anschluss.

Im Frühjahr 2020 fanden erste Bauarbeiten statt. Ohne

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