Waiblingen

Jazztrompeter und Klassikpädagoge

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Claus Löhr. © Sarah Utz

Waiblingen. In Schallplatten der Großeltern und einer alten Trompete wurzelt Claus Löhrs Liebe zu Jazz und Klassik. Seit März ist der 28-Jährige nun als Lehrer für Blechbläser an der Musikschule Unteres Remstal angestellt. „Aus Sicht der Schule eine große Zäsur“, erklärt Leiter Heiko von Roth: Löhr soll die Aufbauarbeit seines Vorgängers weiterführen.


Alles begann mit der Schallplattensammlung der Großeltern. Dort entdeckte ein Junge, gerade dem Kleinkindalter entwachsen, im Regal Aufnahmen von New Orleans Jazz der Band „Louis Armstrong and his Hot Five“ und die „Klassischen Trompetenkonzerte“, gespielt von Maurice André. Bald darauf trötete er die ersten Töne auf der alten Trompete seines Vaters, die er auf dem Dachboden entdeckt hatte. Heute, mehr als zwanzig Jahre später, ist der Junge von einst Berufsmusiker. Die Rede ist von Claus Löhr aus Stuttgart-Feuerbach. Seit März 2016 unterrichtet er Trompete, Kornett und Flügelhorn an der Musikschule Unteres Remstal. Zuvor unterrichtete er in Vaihingen-Enz und Schorndorf. Seine Schwerpunkte: Jazz und klassische Musik.

Intermezzo mit dem Fach Physik

Aufgewachsen ist Löhr bei Koblenz und in Würzburg. Mit zehn oder elf Jahren, ganz genau weiß er das nicht mehr, bekam er im Musikverein den ersten Trompetenunterricht. Zu spielen war lange Zeit ein intensiv gepflegtes Hobby. Er wirkte bei Schulproduktionen und Big Bands mit, schließlich auch bei der 2007 gegründeten Jungen Philharmonie Würzburg. Das Spiel im Sinfonieorchester stellte die Weichen für seinen Weg: „Das war das erste Mal, dass ich dachte, dass Berufsmusiker eine Option wäre.“ Nach einem einjährigen Intermezzo im Fachbereich Physik der Universität Konstanz hatte Löhr im Juni 2015 seinen Bachelor-Abschluss von der Musikhochschule Stuttgart im Bereich Jazz/Pop in der Tasche. Nun ist er in Mannheim im selben Bereich als Master-Student eingeschrieben.

Über die Jahre blieben Löhr seine frühen musikalischen Vorbilder, Armstrong und André, erhalten. Hinzu kamen Jazz-Musiker wie Miles Davis oder Ryan Kisor und Klassik-Interpreten wie Sergei Nakariakov oder Timofei Dokschizer.

Dieses zweipolige Profil prägt nicht nur seinen Werdegang, sondern auch seinen Unterricht. Wie er mit klassischer Trompetenerziehung die technischen Grundlagen der Blasmusik erlernt hat, so lernen auch seine Schüler Fingerfertigkeit und Lippenspannung mit Hilfe von Volksweisen, Fanfaren, Solokonzertmelodien und anderen Werken der vergangenen Jahrhunderte. Und zwar alle: „Durch grundlegende Sachen muss jeder durch.“


Musical, Hip Hop, Jazz

Dazu kommen Stücke, die sich nach dem Geschmack seiner Zöglinge richten. Die Kompetenz dafür bringt Löhr aus seinem Studium und aus seinen Erfahrungen aus Philharmonie und Musicalorchester, deutschem Hip Hop und Jazz-Ensembles mit.

Claus Löhr legt Wert darauf, dass die Schüler auch lernen, gemeinsam zu spielen. „Einen gemeinsamen Klang zu finden ist ein enormer künstlerischer Prozess“, erklärt er. Mit einem Schüler-Trio hat er sein erstes Musikschulprojekt in Angriff genommen. Dort üben die Jungbläser derzeit Bossa-Nova-Musik und Fanfaren ein. Ein zweites Sechser-Ensemble spielt seit Oktober New-Orleans-Jazz: die „Brass Attacks“. „Da geht’s darum, dass man im Sommer auch auf die Gass’ geht.“

Heiko von Roth, der Leiter der Musikschule, ist froh über diese Entwicklung. Die Neueinstellung von Claus Löhr ist für ihn „eine große Zäsur“. Dessen Vorgänger, Karl Nemeczek, ist seit März in Rente. „Er hat das ganze Thema Trompetenunterricht bei uns aufgebaut.“ Deswegen hat von Roth einen Nachfolger gesucht, der Nemeczeks Arbeit weiterverfolgt. „Da haben wir mit Claus Löhr jemand Besonderen erwischt.“ Denn die Kombination, sowohl Jazz als auch Klassik zu unterrichten, sei selten.

Neue Musikschulprojekte

Tatsächlich passt Löhr gut an die Stelle eines Projektschaffenden. Ihm ist daran gelegen, Bestehendes weiterzuentwickeln. Denn mit dem Instrument kulturelle Entwicklungen zu schaffen ist das, was ihn bis heute an seinen Vorbildern von Armstrong bis Dokschizer fasziniert: „Das ist in meinen Augen die Aufgabe der Künstler.“ Vielleicht ist der Beginn im Kleinen – Schülern den Spaß an Musik jenseits von Radio- und Spotify-Hitlisten nahezubringen – dafür gar nicht der schlechteste Ausgangspunkt.

Claus Löhr

Geboren am 31.12.1987 in Stuttgart.

Er spielt unter anderm bei der Stuttgarter Wednesday Night Big Band, dem Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg, für den Stuttgarter Hip-Hop-Interpreten Marz oder den Berliner Soul/Jazz-Sänger Jumaa.

Eigene Projekte sind unter anderem das Claus Löhr Quartett oder das sechsköpfige Jazzensemble No. 6. Zudem komponiert er Stücke für verschiedene Besetzungen.