Waiblingen

Jeder Ort wird zu einer Theaterbühne

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Von links: Gisela Pfohl, Monika Plag, Ursula Porten, Anne Fabriz und Renate Gröner. Auf dem Bild fehlt Sigrid Krügel. © Hebebühne

Weinstadt. Der Ort ist vollkommen egal: Ein altes Hallenbad, ein Bus, ein Klettergarten oder mehrere Schlossgärten – die Akteure des Theaters Hebebühne aus Weinstadt erheben jeden beliebigen Ort zur Bühne. Und das seit zehn Jahren. Im Mai beginnen sie mit den Proben des neuen Stücks, das anlässlich der Remstal-Gartenschau entstanden ist.

„Wir wollen keine Theaterbühne. Wir wollen definitiv unterschiedliche Spielstätten“, sagt Anne Fabriz. Die 68-Jährige ist eine der Mitbegründerinnen des Weinstädter Vereins „Theater Hebebühne“. „Wir erheben jeden Ort zur Bühne – deshalb der Name Hebebühne“, sagt Renate Gröner. Sie ist ebenfalls seit mehreren Jahren im Team. Zum harten Kern der Gruppe gehören neben den beiden Frauen noch Sigrid Krügel, Gisela Pfohl, Monika Plag und Ursula Porten. Einmal die Woche treffen sie sich, immer dienstags von 18.30 Uhr an. Erster Punkt auf dem Plan: Salat. Zuerst essen, dann arbeiten, lautet das Motto. „Es ist mittlerweile ein Ritual, darauf wollen wir nicht verzichten“, sagt Anne Fabriz.

„Wir sind schon eine kleine Familie, gell?“

Um proben zu können, muss zunächst eine Vorarbeit geleistet werden. Dazu gehört eine intensive Organisation. Was genau passiert in dieser Zeit? Eine sorgfältige Recherche steht an, das Theaterstück wird inhaltlich bearbeitet, eventuell umgeschrieben, Rollen werden verteilt, der Ablauf wird festgelegt. Wenn hierzu die Vorkehrungen getroffen wurden, setzen sich die Akteurinnen mit passenden Requisiten auseinander und arrangieren Bühnenelemente. Die sechs Frauen treffen sich auch privat. „Das schweißt zusammen. Interne Arbeit, aber auch intime Arbeit, weil wir auch selbst mitspielen“, sagt Anne Fabriz. „Wir sind schon eine kleine Familie, gell?“, fragt sie Renate Gröner, die ihr zustimmt.

Der Grundstein der Hebebühne wurde vor zehn Jahren gelegt. „Es war ein schöner Sommertag. Ich war mit einer Freundin unterwegs und habe ihr gesagt, dass ich Kultur machen möchte“, sagt Anne Fabriz.

Stück zum Armen Konrad

Bei Birgit Nolte-Michel, die in Strümpfelbach lange Zeit das Theater an der Linde betrieben hat, haben die Frauen Schauspielunterricht genommen. Zunächst gab es keinen Verein, sondern eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Und die Frauen haben sich hauptsächlich mit Hexenliteratur beschäftigt.

Als die Stadt Weinstadt 2014 mit vielen Veranstaltungen an den Aufstand des Armen Konrads im Jahr 1514 erinnerte, schrieb die Hebebühne dazu ein passendes Stück – und Schauplatz dafür war der Schlossgarten in Großheppach. „Schwabenaufstand“ hieß das Werk, für das sich die Gruppe Verstärkung holte. Insgesamt 25 Personen machten schließlich mit. „Wie haben riesengroßes Theater gemacht“, sagt Anne Fabriz.

Proben für Gartenschau-Stück beginnen im Mai

Jedes Mal sind bei der Hebebühne Profimusiker wie Hans Fickelscher und Jürgen Gröner dabei. Letzterer übt mit den Schauspielern Gesang, Sprachgesang und die Liedtexte. Daneben wird die Hebebühne bei ihren Auftritten von einem professionellen Technik-Team unterstützt. Der Verein versucht zudem, Bürgern aus Weinstadt und Umgebung die Möglichkeit zu bieten, Theater zu spielen. Anne Fabriz bezeichnet die Hebebühne als ein Bürgertheater. Über jungen Zuwachs und neue Mitglieder freuen sich die Akteurinnen immer wieder. So haben sie bei ihrem zuletzt aufgeführten Stück auch einen Geflüchteten aus Syrien ins Team aufgenommen.

Aktuell arbeitet das Theater Hebebühne an einem besonderen Stück für die Remstal-Gartenschau. Im Mai beginnen ihre Proben. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt mit zwei Veranstaltern, die miteinander kooperieren: die Stadt Weinstadt und die Gemeinde Kernen. Das Theaterstück wird jeweils zweimal in Kernen und in Weinstadt aufgeführt. Anne Fabriz freut sich über den Erfolg. „Wir sind auch stolz darauf, dass wir es so weit gebracht haben und die Kommunen bei uns anfragen.“


Open-Air-Theater

In Weinstadt finden die Aufführungen am Samstag und am Sonntag, 13. und 14. Juli, beim Weingut Klopfer in Großheppach statt.

Bei der Yburg in Stetten wird das neue Stück am Freitag und am Samstag, 26. und 27 Juli, auf die Bühne gebracht.

Die Vorstellungen beginnen jeweils um 21 Uhr.