Waiblingen

Jugendhaus als Treffpunkt auch von Flüchtlingen

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Sozialarbeiter Stephan Seemann (Mitte) und Corinna Staiger kümmern sich im Korber Jugendtreff um die Belange von Jugendlichen und Flüchtlingen. © Sarah Utz

Korb. Vor etwa einem Jahr sind Flüchtlinge in die Containeranlage auf dem Korber Festplatz eingezogen als direkter Nachbar des Jugendtreffs. Die Arbeit der Sozialarbeiter Corinna Staiger und Stephan Seemann hat sich stark verändert, denn mit den neuen Nachbarn kamen auch neue Herausforderungen.

Jeder, der schon einmal auf dem Korber Festplatzgelände gewesen ist, stellt sofort fest: Die Situation ist eine besondere. Auf der einen Seite die Containerunterkunft, wo seit einem Jahr rund 100 Flüchtlinge wohnen, auf der anderen Seite der Jugendtreff; dazwischen ein Beachvolleyballfeld als verbindendes und integratives Mittel.

Bevor die Flüchtlinge auf dem Korber Festplatz eingezogen sind, haben die Jugendtreffmitarbeiter Corinna Staiger und Stephan Seemann zusammen mit einer Fachkraft der Paulinenpflege ein Konzept entwickelt, wie die Arbeit mit den Flüchtlingen aussehen könnte. Doch bald schon mussten sie sich eingestehen, dass die Realität eine ganz andere ist. „Regelmäßig kommen Flüchtlinge zu uns“, sagt Corinna Staiger beim Jahresbericht im Korber Gemeinderat, „Jugendliche, aber auch junge Erwachsene.“ Die Besuche nur auf eine Altersgruppe zu beschränken, sei gar nicht notwendig. Die Begegnungen seien allesamt positiv. Sie hätten darauf geachtet, dass sie offen mit den Flüchtlingen umgehen und gehofft, dass die Korber Jugendlichen das übernehmen. Mit Erfolg.

Im vergangenen Jahr sind dadurch einige gemeinsame Aktionen entstanden wie ein pakistanischer Abend im Jugendtreff mit Flüchtlingen und Korbern gemeinsam, bei dem pakistanisches Essen aufgetischt worden ist. Teils sind die Sozialarbeiter zu Ansprechpartnern der Flüchtlinge geworden, wenn sie auch bei einigen Fragen an ihre Grenzen stoßen, weshalb eine Vernetzung zum Freundeskreis Asyl und den Experten mit seinen Fachkräften wichtig ist.

Ein wichtiges Mitglied im Jugendtreff- Team ist Bufdi Patrick Kaiser. Dennoch stoßen die Sozialarbeiter an ihre Leistungsgrenzen, da ihr Wochenarbeitspensum nur 30 Stunden umfasst. Bei einigen Korber Aktionen sind die Jugendlichen vertreten wie dem Weihnachtsmarkt, wo an einem eigenen Stand Chili con Carne und Glühwein von Jugendlichen verkauft wird. Beim Korber Straßenfest waren sie bisher nur als Streetworker unterwegs, erklärt Seemann. Denn eine größere Aktion verlangt eine Vor- und Nachbereitungszeit.

Außerdem sollen andere Aufgaben nicht zu kurz kommen wie etwa die Einzelfallhilfe. Dazu haben im vergangenen Jahr 47 Jugendliche das Gespräch mit den Betreuern gesucht. Laut Statistik sind es 121 Einzelfallhilfen. Die angesprochenen Themen drehten sich um Liebe und Partnerschaft, die Auswirkungen von Drogen und Alkohol oder die familiäre Situation. Je nach Problemlage werden Jugendliche über einen gewissen Zeitraum begleitet.

Weiterhin gibt es verschiedene Gruppenangebote wie die Jungsgruppe am Mittwochnachmittag. Mit den Jugendlichen gab es eine Halloweenparty, Kochaktionen oder gemeinsames Schlittschuhlaufen. Junge Erwachsene suchen weiterhin die Nähe zum Jugendtreff, wodurch sich nun eine zweite 17-plus-Gruppe etabliert hat. In enger Absprache können sie den Jugendtreff mit ihren Freunden nutzen, lernen so, Verantwortung zu übernehmen. Die Absprache verlief reibungslos, so Seemann. „Ich frage mich, wie sie das psychisch und zeitlich hinkriegen“, sagt Susanne Bloching (CDU/Freie Wähler) und sprach ein dickes Lob an die Mitarbeiter aus. Dem Lob schlossen sich weitere Gemeinderatsmitglieder an wie Gerhard Brenner (Bündnis 90/Grüne) oder Nicola De Vitis (Freie Bürger).

Es kam aber auch die Frage auf, warum Corinna Staiger und Stephan Seemann nur eine 75-Prozent-Anstellung haben, „wenn der Bedarf gerade jetzt mit den Flüchtlingen so enorm hoch ist“, so Susanne Bloching, aber auch Peter Bauer (CDU/Freie Wähler). Für ihren Vorschlag, ein Jahr lang auf ein Korber Prestige-Projekt zugunsten der Jugendarbeit zu verzichten, erntete Susanne Bloching spontanen Applaus aus den Reihen der Zuhörer. Aber auch Widerspruch von Bürgermeister Jochen Müller, der ins Gedächtnis rief, wo man einmal mit der Jugendarbeit gestartet ist und wo man heute steht, und deutlich machte, dass in Sachen Flüchtlingsarbeit finanziell nicht alles eine Kommune auffangen könne.

Was ansteht
Der Weg zum Jugendtreff und das Außengelände sind schlecht beleuchtet, der Weg teils in einem desolaten Zustand. Die Verwaltung will dazu nun ein Konzept erstellen.

Außerdem wünschen sich die Jugendlichen sowie die Volleyballer des SC Korb einen Ballfang rund um das Beachvolleyballfeld. Denn die Anlage ist hauptsächlich mit Schotter versehen, außerdem liegen dort immer wieder Glasscherben. Weil man aber Beachvolleyball barfüßig spielt, ist das ein Gefahrenpotenzial.

Beides soll über den Haushalt 2017 finanziert werden.