Waiblingen

Junge Männer putzen die Stadt - freiwillig

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Die Freunde Vincent Mauricio (vorne) und Danilo Vedda sammeln ehrenamtlich Müll. © Ramona Adolf
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Dieses Stück Fleisch ist von einer Grillparty am Bahnhof übrig geblieben. © Gaby Schneider

Weinstadt. Die Arbeit wird den jungen Männern so bald nicht ausgehen: Vincent Mauricio (30) und Danilo Vedda (28) sammeln Müll. Freiwillig. Ohne Bezahlung. „Die Leute denken sich: Garantiert müssen die Sozialstunden leisten“, sagt Vincent Mauricio und lacht. Dabei wollen die beiden Weinstädter einfach nur Gutes tun. Und andere dazu bewegen, ihrem Beispiel zu folgen.

Vincent Mauricio ist einer, den die Menschen gerne als Paradiesvogel bezeichnen. Der Beutelsbacher, der als Kind mit seiner Familie aus Angola nach Deutschland geflüchtet ist, hat Tattoos an den Armen, am Hals und sogar im Gesicht. Er trägt gerne Piercings und bunte Turnschuhe, auf seiner Nase sitzt eine große Sonnenbrille mit Goldrand und aus der Brusttasche seines Sakkos blitzt ein buntes Einstecktuch. Fast könnte man auf die Idee kommen, dass die Warnweste in neon-orange Teil seiner ausgefallenen Garderobe ist. Doch ihre Uniform streifen sich er und sein Freund Danilo Vedda nur über, wenn sie gemeinsam losziehen, um Müll zu sammeln. Das tun sie in ihrer Freizeit regelmäßig – ohne, dass sie jemand dazu aufgefordert hätte.

Verpackungen, Dosen, Plastik, vergammeltes Fleisch

An diesem Tag sind die beiden am Endersbacher Bahnhof im Einsatz. Rund um die Container am Parkplatz sieht es schlimm aus: Überall liegt Müll herum, vorwiegend Verpackungen, Dosen, Plastikflaschen und sogar die bestialisch stinkenden Überbleibsel einer Grill-Party. „Also am Bahnhof hab ich noch nie gegrillt, das hat doch kein Flair“, sagt Vincent halb belustigt, halb angeekelt, als Danilo ein vergammeltes Steak mit der Greifzange packt und in seinem blauen Müllsack verschwinden lässt.

Die Ausrüstung – Säcke, Zangen, Westen – haben die beiden vom städtischen Bauhof erhalten. Der Leiter Jürgen Müller sei begeistert von ihrem Projekt gewesen, berichtet Vincent Mauricio. Mit ihm haben sie auch ausgemacht, wo sie die gefüllten Säcke entsorgen können. Außerdem hat das Rathaus die Freunde direkt als Müllpaten für die Remstalgartenschau engagiert.

Das Treffen mit Müller haben die beiden Stadtputzer auf Video festgehalten und auf Facebook geteilt. Überhaupt stellen sie immer wieder Clips online, in denen sie bei der Arbeit zu sehen sind. Danilo Vedda erklärt: „Wir wollen ja auffallen, die Leute sollen uns sehen. Und jeder darf uns gerne helfen, egal, wie alt, egal, wie er aussieht – je mehr Leute desto besser.“

Zu Beginn, gibt der Strümpfelbacher zu, sei ihm das öffentliche Müllsammeln etwas unangenehm gewesen. Zwei junge Männer, ein Südländer und ein Dunkelhäutiger, auf Mission mit der Kneifzange – die beiden ernteten für ihre ehrenamtliche Arbeit viele skeptische Blicke. Mittlerweile nehmen sie die Vorurteile ihrer Mitmenschen mit Humor: „Ich schwöre, das sind keine Sozialstunden“, sagt der Beutelsbacher Vincent. Die beiden Männer grinsen.

Tatsächlich hatte Vincent Mauricio, der in einem Fitnessstudio und in einem Modehaus sein Geld verdient, die Idee beim Bahnfahren. Der viele Müll an den Stationen störte den 30-Jährigen. Gleichzeitig erkannte er sein jüngeres Ich im Verhalten der Müllsünder wieder. „Man trifft sich am Bahnhof, trinkt noch ein bisschen was, dann kommt die Bahn und alles bleibt stehen und liegen. Man denkt gar nicht drüber nach!“ Er entschloss sich, dem Müll in seiner Stadt den Kampf anzusagen, sein Kumpel Danilo Vedda zog direkt mit: „„Ich dachte mir, bevor ich zu Hause vor der Playstation sitze, kann ich auch ein bisschen mit ihm abhängen und ein paar coole Videos drehen“, sagt der Strümpfelbacher und lacht.

„Vielleicht öffnen wir ein paar mehr Menschen die Augen“

„Wir möchten der Welt etwas Gutes tun. Nur wir zerstören sie, nur wir können sie retten“, sagt Vincent Mauricio. „Mir ist auch bewusst, dass ein oder zwei Jungs nicht viel verändern werden – aber vielleicht öffnen wir ein paar mehr Menschen die Augen.“ Das Feedback, das er und sein Kumpel bekommen, ist sehr positiv: „Super Idee! Finde ich ein tolles Projekt“, „Bomben-Idee!“, „Danke für Euren Einsatz“ – so lesen sich die Reaktionen der Weinstädter auf Facebook. Danilo Vedda freut’s: „Irgendwie erfüllt mich das auch mit stolz.“


Kontakt

„GeCleant“ – diesen Namen haben Vincent Mauricio und Danilo Vedda ihrem Projekt gegeben. „Clean“ ist das englische Adjektiv für „sauber“. Im Netz bitten die beiden derzeit um Unterstützung: Sie brauchen ein Logo für die Aktion. Erste gute Rückmeldungen gab’s bereits.

Auf Facebook posten die beiden regelmäßig Videos von ihren Putzaktionen. Wer sich beteiligen möchte, schreibt dort einfach eine Nachricht.