Waiblingen

Junger Überflieger aus Waiblingen

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Höhenflüge mit Sprungskiern: Arne (neun Jahre) und Janne Holz (elf Jahre). © Palmizi / ZVW
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Janne mit Markus Eisenbichler.
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Janne kommt geflogen.

Waiblingen. Waiblingen mag eine Hochburg des Handballs sein – aber Skisprung? Doch in Waiblingen lebt ein Talent, das einem großen Vorbild nacheifert und einen Namen trägt, mit dem man zwingend Skispringer werden muss: Janne. Mit der Mannschaft siegte der Elfjährige im Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“.

Das Idol von Janne Holz heißt, wie könnte es anders sein – Janne Ahonen. Der Finne gilt als einer der erfolgreichsten Springer aller Zeiten. Allerdings versichern die Eltern glaubhaft, dass die Schanzen-Karriere nicht schon vor der Geburt beschlossen war. Vielmehr hat die Namensgebung mit der finnischen Verwandtschaft seiner Mutter May-Britt zu tun.

In diesem Sinne könnte er ebenso gut Rennfahrer werden, denn sein Zweitname lautet Mika in Anspielung an Michael Schumachers Formel-eins-Dauerkonkurrenten Häkkinen. Sportlich ist die Familie allemal: Peter Holz, der 47-jährige Vater von Janne (zehn Jahre), Arne (neun) und Daniel (14), war Leichtathlet beim VfL - Spezialdisziplin Stabhochsprung.

Arne tummelt sich ebenfalls in der Leichtathletik und springt Ski, die 48-jährige Mutter hat’s eher mit Handball, und Janne ist auch noch begabter Kunstturner in Schmiden.

Eine Anzeige in der Zeitung war der Auslöser

Seinen ersten Kontakt mit seiner Lieblings-Sportart hatte Janne, als die Familie während eines Urlaubs bei der Verwandtschaft ein Skisprung-Zentrum bei Lahti besuchte. Langlauf gilt dort als Volkssport, während die ganz großen Tage des Skispringens gezählt scheinen. „Es stehen dort auffällig viele Schanzen-Ruinen in der Landschaft“, sagt May-Britt Holz.

Über eine Annonce in unserer Zeitung wurde die Familie später auf ein Schnupperspringen in Degenfeld bei Schwäbisch Gmünd aufmerksam. Janne fuhr mit seinem Opa hin – und wird seitdem den Springer-Virus nicht los.

Der Blick vom Schanzenturm ist nur etwas für Schwindelfreie – Janne ist da ganz unerschrocken. „Angst habe ich nicht, aber Respekt schon.“ Mulmiger war es den Eltern, als sie die ersten Male ihren Spross in die Tiefe segeln sahen. Der Nachwuchs-Ahonen beschreibt das Gefühl beim Springen so: „Erst wird man ganz schnell, alles rast an einem vorbei, dann nach dem Absprung kommt der Druck – das ist einfach ein tolles Gefühl.“

Als „Druck“ bezeichnen die Springer das Luftpolster, das sie wie eine Art Fahrtwind nach unten trägt und ein Gefühl des Fliegens gibt. Sein weitester Satz hob Janne bis auf 51 Meter. Seit nunmehr zweieinhalb Jahren startet er für den Skiclub Degenfeld und qualifizierte sich durch gute Wettkampfleistungen für das Regionalteam Schwaben bei „Jugend trainiert für Olympia“. Zehnter im Einzelwettbewerb, holte er mit seinen Teamkollegen gemeinsam Mannschafts-Gold.

Folgenreiche Stürze hat Janne noch nicht erlebt. Einmal jedoch löste sich im Flug die Bindung, dennoch verlief die Landung glimpflich. Außer mit Weite weiß der junge Sportler mit guten Haltungsnoten zu überzeugen. Für eine Telemark-Landung vom Feinsten erhielt er schon fast makellose 19,5 von 20 Punkten.

Die beim Turnen antrainierte Körperspannung kommt ihm beim Springen gelegen, vermutet der Vater. Gut möglich, dass Janne es bald in den Landeskader des Schwäbischen Skiverbands schafft. Die Eltern bescheinigen dem Schüler des Gustav-Stresemann-Gymnasiums eine tüchtige Portion Ehrgeiz und Zielstrebigkeit.

Die Hausaufgaben werden ohne Trödelei erledigt, damit Zeit für den Sport bleibt. Der Aufwand ist nicht zu verachten: Die Hauptsaison beginnt jetzt im April. Trainiert wird auf Matten, zwei- bis dreimal die Woche. In den Pfingstferien geht’s ins Trainingslager nach Villach (Kärnten).

Klar, dass Janne die wichtigsten Skisprung-Wettbewerbe im Fernsehen verfolgt. Mit seinem Onkel besuchte er die Skiflug-WM in Oberstdorf. „Ich habe wegen der vielen Leute und Plakate nicht so viel gesehen, aber die Stimmung mit der La-Ola-Welle war toll.“ Bei der Einweihung der neuesten Schanze in Degenfeld gab sich die Elite des deutschen Skispringens ein Stelldichein. Dort konnte man Stars wie Markus Eisenbichler, Richard Freitag und Carina Vogt hautnah erleben.


SC Degenfeld

Die von Waiblingen am nächsten gelegene Schanze befindet sich im kleinen Schwäbisch Gmünder Teilort Degenfeld. 1926 baute der SC Degenfeld seine erste Skisprungschanze, 2017 weihte er unter Beteiligung von Weltklasse-Athleten seine neue 75-Meter-Schanze ein.

Der Verein hat mehrere Spitzensportler hervorgebracht. Allen voran Carina Vogt, die Olympiasiegerin von 2014 in Sotschi. Bei den Weltmeisterschaften 2015 und 2017 gewann sie im Einzel und mit der Mannschaft jeweils Gold. Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang landete sie auf dem fünften Rang im Einzelwettbewerb.