Waiblingen

Künstlergruppe stellt im Zeitungshaus aus

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Kunst auf der Höhe der Zeit: Barbara Wittmann und ihr Gewa-Tower. © Gaby Schneider

Waiblingen. In den verschiedensten Formaten, Techniken und Materialien stellen ab Sonntag insgesamt elf Mitglieder der Künstlergruppe Waiblingen auf vier Etagen des Zeitungshauses ihre überwiegend im vergangenen Jahr entstandenen Arbeiten aus. Eine faszinierende Schau, die einmal mehr die besondere Kreativität und Fantasie, den Witz und auch Gesellschaftsbezug der Waiblinger Künstlerinnen und Künstler zeigt.

Ein Hingucker empfängt die Besucher gleich im Foyer. Ist es eine indianische Totemfigur? Der Urweltschädel eines unbekannten Reptils? Oder der abgestreifte Holzmantel eines Trollwesens? Sachlich „Innen und Außen“ nennt Michael Schützenberger sein Objet trouvé, ein skurriles Stück Hainbuche, das der Bildhauer ausgehöhlt, geschliffen und gebrannt hat. So äugt es als Empfangschef jeden Ankömmling schräg – aber auch einladend – an.

An gezeichnete Skulpturen erinnern auch die benachbarten Acryl-auf-Papier-Arbeiten von Albrecht Pfister. Zeichnungen, die zwischen Abstraktion und Architekturskizzen schillern. „Balance“ nennt der Künstler ein Blatt, auf dem zwei zerschnittene Schalen in erotischer Spannung zueinander stehen und sich mit dynamischen Funken nach ihren Hälften zu sehnen scheinen.

Afrika-Szenen von Sibylle Bross ohne zudringlichen Folklore-Blick

Von ihrer schon dritten Kenia-Reise hat Sibylle Bross farbenfliegende Aquarelle mitgebracht, die mit schnellen Tupfern – ohne zudringliche Folklore – Straßenszenen, Alltag, Markt, Arbeit und Waisenkinder eines so exotischen wie nahen Afrikas mit zartem Blick zu bannen suchen. Seltsam flirrende Figuren dagegen, die sich wie im Aufbau befindende Holografien erst noch materialisieren müssen, erscheinen auf den Acrylbildern von Diethard Verleger. „Ausschüttung“ nennt er ein Bild, das an die Geburt eines virtuellen Homunculus denken lässt.

Gern bei sich zu Hause aufhängen möchte man ein Blatt aus Barbara Wittmanns entzückender Serie „Spatz in der Hand“. Kleine Blätter. Monotypien im rhythmischen Gestus wie Notenblätter. Und sicher im gesellschaftskritischen Zentrum dieser Ausstellung steht Wittmanns Arbeit „The Tower“, ein makaber-ironischer Kommentar zur Neubau-Ruine des Fellbacher Gewa-Towers. Neu, schon verwittert und, wenigstens bei der Künstlerin, schlüsselfertig!

Spannung zwischen Abstraktion und Figürlichem

Eine Serie von Porträts in Pastelltönen nennt Monika Walter „residere“. Überkritzelt, von Farbtupfern bedrängt, lassen sie fragen, ob wir in unseren Abbildern wirklich noch zu Hause sind. In Klaus Hallermanns fantastischen Architekturbildern ist ein immer wiederkehrendes Motiv das Tor. In seinem Aquarell „Harmonie der warmen Töne“ steht es als Symbol im Übergangsbereich von Stadt zu Friedhof. Klagt er damit die abzubrechen drohende Verbindung der Lebenden mit ihren Toten ein?

Auch die in der Waiblinger Ausstellung zu sehenden Arbeiten von Birgit Entenmann reizen mit der Spannung zwischen Abstraktion und Figürlichem. „Gedankenwelten“ nennt sie ein Bild, auf dem große Gesichter in abstrahierten Farbfeldern erscheinen. Dazwischen ein Bildriss, in dem wir Figürchen wie Seiltänzer oder in Spinnweben verfangen sehen. Zum Entschlüsseln lädt ihr großformatiges „Hotel California“ ein. Eine Collage, in leuchtendem Orange, mit einem futuristischen Spin in der Bildmitte. Ein Menetekel? Für was? Wir wissen es nicht, bleiben doch lange davor stehen. Mit Schieferstücken arbeitet der Bildhauer Wolfgang Jaehrling. Faszinierend sein „postjurassischer Torso“ aus Solnhofer hellem Schiefer. Auf der einen Seite farbige Fischreliefe wie aus uralten Fossilfunden. Auf der anderen Seite eine geheimnisvolle menschliche Figur mit einer Rakete oder Bombe unterm Arm. Was müssen wir hier naturgeschichtlich denken? Noch einmal sind in der Jahresausstellung der Waiblinger Künstlergruppe von dessen langjährigem Mitglied, dem 2016 verstorbenen Klaus Sachs, zwölf Werke zu sehen, die kurz vor seinem Tod entstanden sind. Dynamische Zeichen- und Farbverdichtungen. Auf einem Bild eine figürliche, dunkle Traumfigur mit, wie es scheint, einem Todesvogel.

Am Ende der Ausstellung, oben im ZVW-Casino, beschließen vier großformatige Acrylarbeiten von Jan F. Welker diese themenreiche Ausstellung. Express-realistische Frauenporträts nach Fotografien, die Momente der Verwundung, Verstörung, Verletzlichkeit und Gewalt festhalten.


Eröffnung

Eröffnung am Sonntag, 10. Dezember, um 11.15 Uhr im Zeitungshaus Waiblingen, Albrecht-Villinger-Straße 10. Einführung: Prof. Dr. Helge Bathelt (Kunsthistoriker).