Waiblingen

Kanalarbeiten für eine saubere Rems

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Kanalarbeiten für eine saubere Rems_0
Die Baugrube ist ausgehoben. Das Becken selbst ist ein Fertigteil und wird kommende Woche eingesetzt. © Palmizi / ZVW
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Regenüberlaufbecken
Verantwortlich für den Bau: Rolf Palmer vom Büro Bolz und Palmer, Sabine Schmidt von der Stadtentwässerung, Bauunternehmer Holger Bauer und Fachbereichsleiter Michael Seeger. © ALEXANDRA PALMIZI

Waiblingen. Eine Mischung aus Oberflächenwasser und Schmutzwasser aus dem WC, die bei Starkregen ungefiltert in die Rems fließen: Ein solch unappetitlicher Mix soll mit dem Bau von Regenüberlaufbecken verhindert werden. Mitten im Bau befindet sich ein solches unterirdisches Becken derzeit im Zwickel zwischen der Henri-Dunant-Straße und der Straße An der Talaue. Es ist der dritte Abschnitt eines 2,1 Millionen schweren Gesamtpakets zwischen der Korber Straße und der Talaue.

Die Baugrube ist ausgehoben. In der kommenden Woche wird das Regenüberlaufbecken in einem gewaltigen Fertigteil in die Baugrube gesetzt und montiert. Sinn des künstlichen Beckens im Untergrund ist es dann, bei Starkregen einen Teil des Wassers vorübergehend zu speichern, damit es nicht ungeklärt in die Rems fließt, sondern verlangsamt in den Entwässerungskanal eingeleitet wird.

Hintergrund: Schmutzwasser und Regenwasser werden im selben Kanal zur Kläranlage geleitet. Bei trockenem Wetter und leichten Niederschlägen ist das kein Problem, wohl aber bei Starkregen. Denn bei großen Regenmengen sind die Kläranlagen überlastet – sie bewältigen nur gut das Doppelte der Wassermenge, die bei trockenem Wetter anfällt. Bei Starkregen sorgt deshalb ein Trennbauwerk im Kanal dafür, dass nur ein Teil des Schmutzwassers zum Klärwerk gelangt, der andere zum Regenüberlaufbecken.

Während das verschmutzte Wasser im Becken zurückgehalten wird, senken sich die Schmutzstoffe ab, so der städtische Fachbereichsleiter Infrastruktur, Michael Seeger. Ist das Regenüberlaufbecken voll, fließt nur der Überschuss in die Rems, der dann aber fast klar sei. Dafür sorgt zusätzlich ein Feinrechenbesen, der Grobstoffe wie Papier und Tampons zurückhält. Nach dem Regen wird der Inhalt des Beckens abgepumpt und zum Klärwerk geleitet.

Autofahrer müssen sich auf Behinderungen einstellen

Im Anschluss an den Bau des Regenüberlaufbeckens gehen die Arbeiten auf der anderen Seite der Kreisstraße weiter. An der Zufahrt zum Hallenbad-Parkplatz wird der Kanalschacht umgebaut. Die Stellplätze sind dadurch nur eingeschränkt anfahrbar. Mitte Oktober wird die Kreisstraße in drei Abschnitten mit einem neuen Kanal aus glasfaserverstärktem Kunststoff zur Henri-Dunant-Straße gequert. Teilweise werden auch die Autofahrer beeinträchtigt werden. Während der drei Bauabschnitte werden einzelne Fahrspuren gesperrt.

Bis Jahresende wird der Kanal über die Henri-Dunant-Straße und weiter parallel zum asphaltierten Feldweg bis zum Trennbauwerk weitergeführt, außerdem werden bestehende Kanäle in der Henri-Dunant-Straße und am Feldweg angepasst. Die Zufahrten zum Roten Kreuz und zum Betriebshof bleiben offen.

Bis Februar 2019 sollen die Baumaßnahmen voraussichtlich dauern – die dafür sorgen sollen, dass die Rems immer klarer wird. „Wir versuchen, das Wasser, das wir einleiten, immer sauberer zu machen“, sagt Michael Seeger. Und das mit Erfolg: Die Fische fühlten sich immer wohler in der Rems. Ein Problem ist nach Angaben von Rolf Palmer vom Ingenieurbüro Bolz und Palmer allerdings der niedrige Wasserpegel des Flusses.

Besonders bei anhaltend trockenem Wetter fließt nur wenig Wasser in der Rems. Je weniger Wasser die Rems führt, desto mehr steigt aber prozentual der Anteil des Wassers aus dem Klärwerk. Weshalb es umso wichtiger ist, dass die Kläranlagen technisch einwandfrei arbeiten.


Ein Plan für Kanäle

Spätestens wenn Keller volllaufen und Straßen überschwemmt werden, wird klar, wie wichtig eine reibungslos arbeitende Kanalisation ist. Weil sich die Anforderungen aufgrund von Neubaugebieten, Versiegelung und Klimawandel aber dauernd ändern, muss der Kanalisationsplan alle 15 Jahre weiterentwickelt werden.

Im Zuge dessen investiert Waiblingen 2,1 Millionen Euro in den Ausbau des Netzes zwischen der Korber Straße und der Straße An der Talaue.