Waiblingen

Kann die Landeskirche vermitteln?

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Die Nikolauskirche, das Wahrzeichen der Gemeinde. Das eigentliche Gemeindeleben findet im Paulus-Gemeindezentrum statt. © ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen-Hegnach. Seit Wochen führen in der evangelischen Kirchengemeinde Hegnach Vertreter des Oberkirchenrats zahlreiche Gespräche mit den Mitgliedern. Anlass für die „außerordentliche Visitation“ ist ein schwelender Konflikt zwischen der evangelikalen Mehrheit und liberal denkenden Christen.

Der Hegnacher Kirchenkonflikt erlangte Ende vergangenen Jahres sogar bundesweit Beachtung, nachdem sich 60 Mitglieder mit kritischen Fragen an den Kirchengemeinderat gewandt hatten. Der Graben zwischen evangelikalen und liberalen Christen hatte sich bis dahin immer weiter vertieft. Im Mittelpunkt stand nicht nur seines Amtes wegen der Pfarrer Bernhard Elser, der wiederholt öffentlich die Leitung der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) kritisierte und sich dem evangelikalen Netzwerk „Bibel und Bekenntnis“ um Ulrich Parzany bekannte, das Pluralismus in der Kirche ausdrücklich ablehnt und sich insbesondere gegen die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare wendet. Wobei es in Hegnach gar nicht allein um diese Frage ging, sondern eher grundsätzlich bibeltreue gegen bibelkritische Positionen sowie den Umgang miteinander.

Kirchenbezirk Waiblingen konnte Konflikt nicht beilegen

Die Reihe von Besuchen und Gesprächen soll in den kommenden Wochen zum Abschluss kommen. Danach wird ein offizieller Ergebnisbericht erwartet. Der Oberkirchenrat hatte im Sommer Prälatin Gabriele Wulz aus Ulm und Kirchenrat Georg Ottmar damit beauftragt, nachdem der Konflikt trotz aller Bemühungen vor Ort und durch den Kirchenbezirk Waiblingen nicht beigelegt werden konnte. Die außerordentliche Visitation wurde im Gottesdienst öffentlich angekündigt und ist seitdem als Gesprächsthema in aller Munde. Außer regelmäßigen Visitationen – also Besuchen – gibt es in der Evangelischen Landeskirche auch Visitationen außerhalb des normalen, achtjährigen Turnus. 

Außerordentliche Visitationen, sagt Pressesprecher Oliver Hoesch, seien ein Instrument, mit dem die Landeskirche gute Erfahrungen gemacht habe, wenn es in einer Gemeinde oder im Pfarramt zu Schwierigkeiten kam und es sinnvoll erschien, dass „von außen jemand sich intensiv mit der Situation vor Ort beschäftigt, Systeme in ihrer Komplexität wahrnimmt und auf dieser Grundlage Möglichkeiten der Konfliktlösung erarbeitet“. Das genaue Vorgehen bleibe dabei der Sachkenntnis der Visitatoren überlassen. In vielen Gesprächen machen sie sich zunächst ein Bild von der Lage. Ihren Erkenntnissen wolle die Landeskirche daher nicht mit einer Einschätzung vorgreifen, weder im Blick auf die Gemeindeentwicklung oder gar ein Ergebnis der Visitation.

Angespannte Stimmung und vielfaches Schweigen

Gesprochen haben die Visitatoren auch mit Dekan Timmo Hertneck, der vielen in Hegnach als parteiisch für die Seite der Liberalen gilt und sich daher mit öffentlichen Äußerungen zurückhält. Er bleibt aber auf Anfrage unserer Redaktion bei seiner Aussage „Wo Landeskirche draufsteht, muss auch Landeskirche drin sein“. Die Kritiker hingegen befürchten, dass die Gemeinde mit ihrem Pfarrer und der hinter ihm stehenden Mehrheit des Kirchengemeinderats sich eher in eine freikirchliche Richtung bewegt. Auf der „Sprachebene“ beobachtet er bei allen Beteiligten den Willen zur Versöhnung, sagt der Dekan noch und lässt damit fein zwischen den Zeilen durchblicken, dass die Praxis zuweilen anders aussieht.

Die Stimmung in Hegnach bleibt angespannt und sensibel. Öffentlich möchte sich kaum jemand äußern. Dabei scheint für Außenstehende auf den ersten Blick alles in bester Ordnung zu sein. Das Gemeindeleben floriert einerseits sogar, wovon die Neugründung des CVJM und zuletzt eine aufwendige und gut besuchte Kinderbibelwoche zeugen. Auf der anderen Seite fühlten sich diejenigen, welche die pluralistische Offenheit der Landeskirche zu schätzen wissen, oft nicht mehr willkommen. Im Zuge des neuen Pfarrplans sind die Gemeinden Hegnach, Neustadt, Hohenacker und Bittenfeld gehalten, enger zusammenzuarbeiten. Hegnach verweigert sich dieser Kooperation bis heute.

Waiblingen-Hegnach. Seit Wochen führen in der evangelischen Kirchengemeinde Hegnach Vertreter des Oberkirchenrats zahlreiche Gespräche mit den Mitgliedern. Anlass für die „außerordentliche Visitation“ ist ein schwelender Konflikt zwischen der evangelikalen Mehrheit und liberal denkenden Christen.

Der Hegnacher Kirchenkonflikt erlangte Ende vergangenen Jahres sogar bundesweit Beachtung, nachdem sich 60 Mitglieder mit kritischen Fragen an den

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