Waiblingen

Kartoffeln von nebenan

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Die Kartoffelernte mit dem Kartoffelvollernter ist dieser Tage eine staubige Angelegenheit. © Schneider/ZVW
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Am Förderband lesen die Eschers von Hand die Kartoffelernte aus. © Gaby Schneider

Waiblingen. Im deutschlandweiten Vergleich sind die Landwirte im Südwesten trotz Hitze und Dürre noch relativ glimpflich davon gekommen. Nur bei Mais-, Gemüse- und Futtermittel-Erträgen kommt es zu schmerzlichen Verlusten. Deshalb begrüßt der Präsident des Landesbauernverbands, Joachim Rukwied, unbürokratische Hilfen für die Landwirte von Land und Bund. Die Ernte-Pressekonferenz des LBV fand auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Volker Escher in Hegnach statt.

Gelber, sandiger Staub legt sich auf die Kleidung und die Haare. Er knirscht zwischen den Zähnen und brennt in den Augen. Obwohl der Acker vorher gewässert wurde, ist die Erde schon wieder völlig trocken. „Wenn man einmal acht Stunden hier oben stand, hat man schon genug“, gibt Günter Escher zu. Der Seniorchef steht hinten auf dem Kartoffelvollernter, den Sohn Volker Escher vorne mit dem Traktor über den Acker zieht, und sortiert von Hand schlechte Kartoffeln und Erdbrocken aus, die zwischen den guten Kartoffeln auf einem Laufband nach oben befördert werden. Sebastian Aupperle (Rewe) hilft tatkräftig mit – es ist schließlich ein Pressetermin.

Die Eschers erwarten dieses Jahr eine durchschnittliche Kartoffelernte und rechnen mit rund 35 Tonnen pro Hektar. Sie bauen auf vier Hektar Kartoffeln an. Beim Mais sind sie da schon pessimistischer. Günter Escher erwartet mindestens 30 Prozent Ernteausfälle. Damit liegt der Hegnacher Betrieb ganz im landesweiten Trend, den zuvor LBV-Präsident Joachim Rukwied bei der Pressekonferenz in einer Scheuer der Eschers erläutert hatte.

Als Landwirt ist man auf natürlichen Niederschlag angewiesen. Bei einem Rundgang über den Hof erläutert Volker Escher, wie er die ehemalige Güllegrube in ein Regenwassertank mit 150 000 Liter Fassungsvermögen umfunktioniert hat. Dieses Wasser wird jedoch nur bei der Kartoffel- und Rübenernte eingesetzt, um die Erde aufzulockern. Wässert man die Felder nicht, beschädigen in die Erntemaschine gelangende Erdbrocken die Feldfrüchte. Außerdem sind nicht befeuchtete Kartoffeln und Rüben insgesamt empfindlicher.

Der Mais vertrocknet

Zur regelmäßigen Bewässerung der Felder reicht das Wasser im Tank allerdings nicht aus. Escher erklärt, dass 30 Liter pro Quadratmeter nötig wären, um ein Feld Mais bei diesen Temperaturen am Leben zu halten. Pro Hektar wäre das ein Aufkommen von 300 000 Litern Wasser – eine unmögliche Aufgabe.

Ein ordentlicher Landregen hingegen versorge den Acker in einer Nacht mit 20 Litern pro Quadratmeter, alles, was er selbst an Wasser ausbringen würde, wäre da „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Dies ist auch der Grund dafür, dass die Maisfelder um den Hof herum vertrocknet wirken, die meisten Pflanzen des Futtermaises sind schon abgestorben.

Drei Hegnacher Landwirte

Volker Escher hat den Betrieb vor einigen Jahren von seinem Vater Günter Escher übernommen. Sie bewirtschaften insgesamt 60 Hektar Land. 60 Prozent der Fläche sind gepachtet. Viele aktive Landwirte gibt es in Hegnach nicht mehr, drei sind es zusammen mit dem Escher-Familienbetrieb. Bis vor 25 Jahren wurde auf dem Hof noch Vieh gehalten, Günter Escher stellte damals auf reinen Ackerbau um, da die Viehhaltung nicht mehr rentabel war. Längst ist der alte Bullenstall zur Kartoffellager- und Verpackungshalle umgebaut worden. Der junge Landwirt hat in ein System zum Auslesen und Verpacken der Kartoffeln investiert, das erleichtert den Arbeitsablauf.

Der Betrieb ist auf Kartoffeln spezialisiert, wenn auch auf größeren Flächen Winter- und Sommergerste, Weizen, Zuckerrüben und Mais angebaut werden. Escher legt großen Wert auf eine gute Fruchtfolge. „Nur alle sechs Jahre werden auf einem Acker Kartoffeln angebaut. Deshalb haben wir kaum Probleme mit Schädlingen.“

Kartoffeln lagern kühl und dunkel

Der Landwirt zeigt den Besuchern verschiedene Lagerstätten für die bereits geernteten Kartoffeln. Alle sind sie gut abgedunkelt und kühl, so halten sich die braunen Knollen am besten. Es riecht herb nach Erde. Besonders stolz ist der Landwirt auf seine große, auf Kühlschranktemperatur heruntergekühlte und bis zum Anschlag mit bereits eingebrachter Ernte gefüllter Großlagerhalle.

„Die Kartoffeln hier drin müssen reichen bis Anfang Juli nächstes Jahr“, erklärt Escher. Seine Abnehmer würden rund ums Jahr gleichbleibende Qualität von ihm erwarten, durch die Großlagerhalle sei eine Lagerung der Kartoffeln über neun Monate möglich.

Keine Hegnacher Exoten

Neun verschiedene Sorten kultiviert Escher, allerdings keine Exoten, wie er betont. Die Süßkartoffeln hätten diesen Sommer ohne Bewässerung nicht überlebt. Verschiedene Größen gehen an verschiedene Abnehmer. Die Gastronomie nehme ihm gerne die großen Exemplare ab, so Escher, davon gebe es aber dieses Jahr weniger. Nur die Frühkartoffeln sind so groß wie immer, ihnen hat die Feuchtigkeit im Boden und die Niederschlagsmenge noch gereicht.

Regionale Vermarktung

Volker Escher legt Wert darauf, seine Erzeugnisse regional zu vermarkten. Ein wichtiger Abnehmer ist dabei Rewe Aupperle. Deshalb stand auch Sebastian Aupperle mit auf dem Kartoffelvollernter bei diesem Pressetermin. Er und sein Zulieferer sind per Du, der Umgangston ist ein freundschaftlicher. Vor ungefähr acht Jahren sei die Vermarktung durch Rewe ins Laufen gekommen, Aupperle betont, dass nicht nur der Lieferant von regionalem Vertrieb profitiere, sondern dass auch die Händler auf solche Betriebe wie Eschers Hof angewiesen seien. „Der Kunde entscheidet“, erklärt er. Regionale Ware sei zwar oft ein bisschen teurer als die durchschnittliche Discounter-Kartoffel, aber das würde die Kunden nicht stören. „Das, was der Kunde in seinen Einkaufswagen legt, entscheidet darüber, welcher Erzeuger überlebt“.

Er erzählt, wie Rewe Aupperle vor 15 Jahren begonnen hatte, Waren der Hegnacher Mühle abzunehmen. Der Betrieb hätte eigentlich zumachen wollen, bestünde aber dank der guten Zusammenarbeit bis heute. „Es ist essenziell, dass man Landwirtschaft vor Ort erhält und an einem Strang zieht“, so Aupperle.

Auch Escher hat in der Hegnacher Mühle einen guten Geschäftspartner, die Mühle nimmt ihm seine Weizenernte ab. Auch Mais, Gerste und Zuckerrüben bleiben in der Region. Aber hier fällt die Ernte dieses Jahr teilweise ja leider unterdurchschnittlich aus.