Waiblingen

Kein Feinstaub, aber zu viel Stickoxide

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Der Feinstaub ist in Waiblingen kein Problem, wohl aber die Stickoxide. An manchen Stellen werden die Grenzwerte erheblich überschritten. © Büttner / ZVW

Waiblingen. In Waiblingen werden die Grenzwerte für Stickoxide an einigen Stellen erheblich überschritten: Das ist das Ergebnis von Lärm- und Feinstaubmessungen, die die Stadt jetzt vorgestellt hat. Vor allem in der Neustädter Straße und in der Neckarstraße, aber auch am Hochhaus in der Neustadter Hauptstraße wurden deutliche Überschreitungen der Grenzwerte ermittelt. Ein Feinstaubproblem hat Waiblingen dagegen nicht: Hier liegen die Zahlen weit unter den Grenzwerten.

 

„Im Jahresdurchschnitt haben wir in Waiblingen eine hohe Konzentration an NO2“, sagte Verkehrsplaner Frank Röpke im Ausschuss für Planung, Technik und Umwelt (PTU). Die Voraussetzungen, um ein Verfahren zur Luftreinhaltung einzuleiten, seien erfüllt. Zuständig für das Verfahren ist das Umweltministerium, das eigene Messungen veranlassen wird. Auf schnelle Ergebnisse sollte indes keiner hoffen: „Es bestehen sehr lange Wartezeiten, bis die Messungen vorliegen“, sagte Frank Röpke.

„Es wird so gut wie nichts geschehen“, prognostizierte CDU-Chef Siegried Kasper düster, der die schlechte Luft in Waiblingen auf die rege Bautätigkeit zurückführte: Innen- vor Außenentwicklung sei im Prinzip ja richtig. „Aber man kann nicht immer neue Wohngebiete ausweisen, ohne diese Dinge zu berücksichtigen. Waiblingen baut und baut und widmet sich diesen Problemen stiefmütterlich.“

Allgemeine Verkehrszunahme

Baubürgermeisterin Birgit Priebe wies dies zurück. Zu jedem Bebauungsplan gehörten auch Lärm- und Verkehrsgutachten, erinnerte sie. Innenentwicklung ziehe weniger Verkehr nach sich als neue Baugebiete am Stadtrand. Allerdings gebe es eine allgemeine Verkehrszunahme, zudem rolle der komplette Verkehr in die Gewerbegebiete durch Neustadt und Hohenacker. „Man muss jetzt abwarten, wie das RP reagiert“, sagte Priebe. „Und wir müssen überlegen, was wir noch ausweisen werden.“

Schon vor dem Bau muss klar sein, welche Emissionen entstehen

Das war Wasser auf die Mühlen von ALi-Chef Alfonso Fazio, der Kaspers Worte mit Interesse zur Kenntnis genommen hatte. Er sei gespannt, wie sich die CDU beim Flächensuchlauf positioniere, wenn es um die Ausweisung neuer Gebiete gehen wird: „Ich hoffe, Sie bleiben dabei, dass man erst die Probleme lösen muss“, sagte er süffisant. Sabine Wörner (SPD) pochte auf die Linie Innen- vor Außenentwicklung: In größeren Städten bräuchten die Menschen in den Innenstädten kein Auto mehr. Er sei auch ein Anhänger der Innenbebauung, gab Kasper zurück. Doch auch dort entstehe Verkehr. „Schauen Sie mal in die Blütenäcker, wie viele SUV dort stehen. Und gehen Sie vor einen Kindergarten, da erleben Sie eine Blechlawine. Auch von Müttern aus kurzer Entfernung. Sie können niemanden zwingen, auf sein Auto zu verzichten.“ Schon vor dem Bau müsse klar sein, welche Emissionen entstehen: „Sonst kommen hinterher die Beschwerden.“ Was die Stadt in Sachen Lärmschutz auferlegen könne, werde gemacht, konterte die Baubürgermeisterin. Sie habe aber null Verständnis für Menschen, die sich an einer vierspurigen Straße einkaufen und sich hinterher über den Lärm wundern. Und für Leute, die sich an der Autobahn oder beim Flughafen eine Villa kaufen und und sich dann über den Lärm beschweren.

Jede Entwicklung bringt mehr Verkehr mit sich

Ein Zielkonflikt ist das Ganze für Michael Stumpp (CDU): Jede Erweiterung bringe Verkehr. „Wohnen, Erweiterungen, Verkehr: diese Themen muss man zusammenbringen.“ Für eine umfassende Betrachtung sprach sich Birgit Priebe auch wegen der Infrastruktur aus. Der Bevölkerungszuwachs bringe der Stadt noch andere Probleme: „Wir wissen nicht, wo wir das Geld hernehmen für die Kinderbetreuung.“


Schadstoffe wurden gemessen und berechnet

Bereits bei den Haushaltberatungen 2017 hatte die CDU Feinstaubmessungen und Lärmmessungen in Neustadt und Hohenacker, entlang der Neustädter Straße sowie an der alten B 14 beantragt. Auf Vorschlag der Stadtverwaltung wurden zudem noch die Bahnhofstraße, die Winnender Straße, die Talstraße, die Ludwigsburger und die Neckarstraße in Hegnach miteinbezogen.

Die Luftschadstoffe wurden am Hochhaus in Neustadt und am Hohenacker Rathaus gemessen. An den anderen Stellen wurden die Schadstoffe berechnet.

Dazu wurde an den Straßenabschnitten eine Woche lang der Verkehr gezählt. Für die Immissionsberechnungen wurden außerdem die Straßenbreite, die Gebäudehöhe, die Lücken zwischen den Häusern, die Topografie, die lokalen Windverhältnisse, die berechneten Emissionen des Verkehrs auf den Straßen sowie die aus den Messdaten abgeleitete Hintergrundbelastung mit einberechnet.