Waiblingen

Kein Luxuswohnen im Öko-Hochhaus

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Korrektur: Bei der Straße, die als B14 gekennzeichnet ist, handelt es sich um die Winnender Straße. Die Straße, die als Sörenbachstraße gekennzeichnet ist, handelt es sich um die K1858. © Habermann / ZVW
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Das Pfleiderer-Hochhaus. © KAB Architekten Fellbach
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Das GWG-Hochhaus. © Steinhoff-Haehnel
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Das Terragon-Hochhaus. © Terragon

Waiblingen. Riesige – und damit unverkäufliche – Luxuswohnungen wie im Fellbacher Gewa-Tower soll es im grünen Hochhaus nicht geben: das haben die Siegerentwürfe gemeinsam. Alle drei setzen in ihren überarbeiteten Entwürfen auf marktgängige Zwei- bis Vierzimmerwohnungen, eine stylishe Architektur und ein ausgefeiltes Grünkonzept. Eine durch eine Bankbürgschaft abgesicherte Fertigstellungsgarantie wollte aus Kostengründen niemand geben.

Die Pleite des Gewa-Towers hatte jeder im Hinterkopf, als am Dienstagabend im Planungsausschuss die drei überarbeiteten Siegerentwürfe des grünen Hochhauses auf der Korber Höhe vorgestellt wurden. Allen drei Siegerentwürfen gemeinsam waren die hochwertige Architektur und die durchdachten Grünkonzepte, die nach den Anregungen in der November-Sitzung teilweise nochmals überarbeitet worden waren. Dementsprechend wenig hatten die Räte an den Planungen auszusetzen, dementsprechend groß war aber das Interesse an der Wirtschaftlichkeit der Projekte.

Ein Gesamtinvestor soll’s billiger machen

Hatten Projektentwickler Terragon und Architekt Eike Becker aus Berlin im November noch auf 77 Zwei- oder Zweieinhalb-Zimmer-Wohnungen gesetzt, sah deren überarbeitete Planung nun eine Mischung kleiner und größerer Wohnungen zwischen 55 und 110 Quadratmetern vor. Die verschiedenen Grundrisse auf den Etagen könnten so gestapelt werden, dass ein auf Waiblingen abgestimmter Mix angeboten werden könne, versicherte der Architekt. „Was unsere Architektur besonders macht, sind die versetzten Balkone“, warb er für sein Konzept. Dadurch werde der Wind verlangsamt und über den Balkonen entstünden zweigeschossige Bereiche, so dass die Pflanzen in die Höhe wachsen können. „Die Architektur ist stimmig“, gab ihm CDU-Chef Siegfried Kasper Recht. Zweifel meldete er angesichts des prognostizierten Durchschnittspreises von 4050 Euro an. Er könne sich nicht vorstellen, wie bei diesem Preis die vorgestellte Qualität erzielt werden könne, sagte Kasper. „Diese Kalkulation ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Möglich wird der Preis nach Angaben von Terragon-Geschäftsführer Michael Held durch einen Gesamtinvestor, der das ganze Hochhaus für etwa 18 Millionen Euro erstellen und dann vermieten soll. Damit spare man sich die Vertriebskosten, der Quadratmeterpreis werde günstiger. Eine Fertigstellungsgarantie mit einer Bankbürgschaft wollte Held nicht abgeben, „eine harte Finanzierungszusage“ müsse ausreichen.

Bei zwei Millionen will ein Remstäler ein frei stehendes Haus

Von Einzelverkauf geht das regionale Bewerberteam, Projektbau Pfleiderer aus Winnenden und die KAB-Architekten, aus. „Die Stadt möchte ein hochwertiges Klientel“, sagte Klaus-Martin Pfleiderer. Von Anfang an habe sein Team die Antwort auf alle Fragen zum Öko-Hochhaus gehabt. Die Kreisbau sei bereit, die Verwaltung zu übernehmen, die Kreissparkasse habe eine Finanzierungszusage gegeben. Auf Nordwohnungen wurde verzichtet, alle Wohnungen wurden von der B14 abgewandt und bekommen zwölf bis 18 Quadratmeter große Südbalkone mit Glasbrüstungen. Der errechnete Durchschnittspreis pro Quadratmeter: 5700 Euro. Deutlich geringer als beim Gewa-Tower sind nach Meinung von Architekt Frank Berner die Risiken auf der Korber Höhe: Die Lage am Ortsrand, angeschlossen an ein Wohngebiet sei besser, die Wohnungsgrößen seien marktgängig: „Bei uns kostet die teuerste Wohnung unter 800 000 Euro. Wenn ein Remstäler zwei Millionen ausgibt, will er keine Wohnung, sondern ein frei stehendes Haus.“

Mit dem Bau beginnen will Projektbau Pfleiderer, wenn 40 Prozent der Wohnungen über alle Etagen verkauft sind: Diese Quote fordere auch die Kreissparkasse. Ab 21 verkauften Wohnungen könne er auch eine Vertragserfüllungsgarantie abgeben, stellte Pfleiderer in Aussicht: „Wenn wir bauen, braucht es aber eine breite Mehrheit im Gemeinderat.“

Ähnliche Verkaufspreise stellte auch Andreas Engelhardt, Vorstandsvorsitzender der GWG, der zusammen mit dem Architekturbüro Steinhoff/Haehnel im Rennen ist, in Aussicht. „Wir sehen Käufer, die mit Anspruch an das Gebäude rangehen.“ Es sei nicht billig, so hoch zu bauen, und Ökologie koste Geld. Eine Vorverkaufsquote von 40 Prozent gebe der Stadt die notwendige Sicherheit. Architektonisch setzt Haehnel auf einen flexiblen Grundriss, der sich dem Markt anpassen lässt. Alle Wohnungen mündeten in Terrassen, die über Eck angelegt sind. Je nach Wohnungsgröße sei ein Umblick von mindestens 180 Grad möglich. Durch Baumodule solle schnell gebaut werden können. Die Metallbrüstungen mit organischer Wellenform sind perforiert, damit Pflanzen hindurchwachsen können.

Grün, grüner, am grünsten: Das Pflanzkonzept

Pflanztröge von 14 Quadratmetern sieht das Grünkonzept für das Hochhaus von GWG und Steinhoff/Haehnel vor. Das Grünkonzept orientiert sich an den Pflanzen in der Umgebung. Hecken sollen die passende Antwort auf die windexponierte Lage sein. Die Anlage und die Pflege sollen aus einer Hand kommen und für zehn Jahre gesichert sein. Zu jeder Wohnung gehört ein kleiner Bereich, den der Bewohner pflegen kann. Bewusst wurde auf ein Zuviel an immergrünen Pflanzen verzichtet. Im Winter soll das Gebäude Hintergrund für die Struktur der Pflanzen sein.

Mit verschieden großen Büschen, Kletterpflanzen und kleineren Blühpflanzen arbeiten Projektbau Pfleiderer aus Winnenden und die kab-Architekten. Im Gegensatz zum im November vorgestellten Entwurf wurde der starke Wind beim Pflanzkonzept mit einbezogen. Die Büsche wurden eingerückt und in einen Verband integriert, um einen besseren Windschutz zu erreichen. Besonders wichtig ist den Planern ein einfaches Pflegekonzept.

820 laufende Meter Pflanztröge sieht das Konzept von Terragon und Architekt Eike Becker vor. Dazu kommen punktuelle Pflanztröge und Pflanztröge auf den Balkonen. Die Pflanzenauswahl orientiert sich an der Himmelsrichtung. Auch im Winter soll eine grüne Bepflanzung für Farbe sorgen. Bei allen Grünkonzepten wird die Pflanzenpflege von Gärtnern übernommen. In der Lobby soll ein Concierge als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Thema im Gemeinderat ist der Öko-Turm wieder am Donnerstag, 2. Februar.