Waiblingen

Kein Urteil im Missbrauchsprozess

Justitia gerichtsverhandlung urteil symbol symbolbild
Symbolbild. © Joachim Mogck

Waiblingen. Die Beweisaufnahme war bereits geschlossen. Doch in seinem Plädoyer sprach sich der Verteidiger nachträglich für ein psychiatrisches Gutachten aus, weshalb der Fall von vorne aufgerollt wird. Ein 40-Jähriger soll ein damals 15-jähriges Mädchen sexuell missbraucht haben.

„Wir heißen es nicht für gut, dass ein 39-Jähriger Kontakt zu einer 15-Jährigen hat“, sagte der Waiblinger Amtsrichter Martin Luippold, als er den Prozess noch einmal zusammenfasst und verkündet, dass es noch nicht zu einem Urteil kommt, weil die Verteidigung einen Hilfsbeweisantrag gestellt hat. Das bedeutet, dass das Verfahren neu aufgenommen wird. Ebenfalls warf das Schöffengericht dem Angeklagten vor, er habe alles daran gesetzt, möglichst schnell sexuellen Kontakt mit dem damals 15 Jahre alten Mädchen aus dem Rems-Murr-Kreis zu haben. Das Mädchen wird als leicht geistig behindert eingestuft. Der damals 39-jährige Mann aus Baden soll die 15-Jährige übers Internet im Chat „Knuddels“ kennengelernt haben (wir haben berichtet).

Daraus wurden 290 Kontakte in Form von Nachrichten und Telefonaten, bis es schließlich zu einem Treffen kam, wobei der Angeklagte das Mädchen zum Oralverkehr aufforderte. Es soll auch zum Geschlechtsverkehr zwischen den beiden gekommen sein. Die Verbindung flog auf, weil die Mutter eindeutige Videos auf dem Smartphone des Mädchens gefunden hat.

Vorbestraft wegen Kinderpornos und sexuellen Missbrauchs

Es ist nicht das erste Mal, dass der heute 40-Jährige vor Gericht steht. Wegen der Verbreitung kinderpornografischer Schriften und sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen, unter anderem eines 13-jährigen Mädchens, wurde er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Er hatte dabei kinderpornografische Bilder und Videos auf einschlägige Plattformen hochgeladen und hatte selbst auch Material auf seinem Computer gespeichert gehabt.

Die Bilder des Mädchens hat er noch immer auf dem Handy gespeichert

Auch das Bildmaterial, das ihm das Mädchen auf seinen Wunsch hin zugeschickt hatte, hat er noch auf seinem Mobiltelefon gespeichert. Eine Tatsache, die ihm sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklägerin, die im Prozess die Interessen des Mädchens vertritt, vorwerfen.

Dem Mädchen fehle die Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung. Ihr sei es durch ihre Behinderung nicht möglich, mehrere aneinanderreihende Sätze zu formulieren. Der Angeklagte habe das zu seinen Gunsten ausgenutzt, so die Staatsanwaltschaft.

Da der Angeklagte vorbestraft ist, noch unter Bewährung steht und demnach bei ihm nicht abzusehen sei, dass er sich ändert und aus dem Prozess gelernt hat, sprach sich der Staatsanwalt für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten aus. „Meines Erachtens wird das wieder passieren.“

Rund eine Dreiviertelstunde dauerte dann das Plädoyer der Verteidigung, die sich für einen Freispruch aussprach. Immerhin leide der Angeklagte ebenfalls seit Kindheitstagen an einer Hirnschädigung. Wenn auch sein geistiger Zustand noch nicht weiter untersucht worden sei.

Die Bilder habe er nur auf Anregung der Verteidigung aufgehoben und nicht von seinem Mobiltelefon gelöscht. Im Übrigen seien der Kontakt und das sexuelle Verlangen nach dem anderen von beiden gleichermaßen ausgegangen. Das Mädchen habe die Verbindung jederzeit abbrechen können, was aber nicht geschehen sei. Für den Fall, dass das Schöffengericht eine Verurteilung in Betracht ziehe, stellte die Verteidigung den Hilfsbeweisantrag.