Waiblingen

Keine Chance für Kreisverkehr an Alter B 14

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Archivbild. © Büttner/ZVW
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Kommentar von Jutta Pöschko-Kopp.

Waiblingen. Größe Enttäuschung bei CDU-Fraktionssprecher Siegfried Kasper: Ein Kreisverkehr an der Kreuzung Alte B 14 / Jesistraße wird nicht gebaut. Nach einem Gutachten des Ingenieurbüros Karajan kommt ein Kreisel angesichts der Verkehrsmengen nicht in Frage. Auch die von der CDU gewünschte Reduzierung auf einen Fahrstreifen zwischen den Kreuzungen wurde im Planungsausschuss abgelehnt. Jeden Tag rollen rund 21 000 Fahrzeuge über die Alte Bundesstraße.

Das Ergebnis des Gutachtens war keine große Überraschung: Bereits beim Haushaltsantrag der CDU-Fraktion hatte die Verwaltung wenig Hoffnung gemacht, dass die vielbefahrene Straße um eine Spur reduziert und ein Kreisverkehr gebaut werden kann. Jetzt liegen die Zahlen auf dem Tisch – inklusive der hochgerechneten Verkehrszunahme auf Grund der geplanten Bebauung am Rötepark. Untersucht wurden eine einspurige und eine zweispurige Variante des Kreisverkehrs, außerdem ein sogenannter Turbokreisel. Bei Letzterem wird von allen Seiten zweispurig in den Kreisverkehr eingefahren, wobei sich der Autofahrer sofort in die richtige Fahrspur einordnen muss, um an der richtigen Ausfahrt ausgeleitet zu werden. Keine einfache Verkehrsführung also für ortsfremde Fahrer. Immerhin könnte der rund 2,5 Millionen teure Turbokreisel, der mit massiven Baumaßnahmen und Eingriffen in die Unterführung verbunden wäre, den Verkehr tagsüber bewältigen. In den Spitzenzeiten käme er dem Gutachter zufolge aber ebenfalls an seine Grenzen und wäre unterm Strich ein Nachteil für den Verkehr.

Schlecht sieht es auch für die von der CDU-Fraktion gewünschte Fahrbahnreduzierung zwischen den Kreuzungen Alte B 14 / Ruhrstraße und Jesistraße aus. Die Fahrstreifenreduzierung wäre höchstens auf 300 Metern möglich, was bei Tempo 50 einer Fahrtzeit von 22 Sekunden entspricht. Das Ergebnis des Gutachtens: Der Verkehr würde schlechter rollen, Unfälle sich häufen. Und die grüne Welle wäre perdu.

„Sie werfen mich voll mit Zahlen und Fakten“

Die Ausschussmitglieder nahmen die Ergebnisse sehr unterschiedlich entgegen. Während sie etwa für die DFB keine große Überraschung war und die SPD ohnehin lieber auf Verkehrsvermeidung setzt, stellte CDU-Fraktionschef und Rötepark-Anwohner Siegfried Kasper das ganze Gutachten in Frage. „Sie werfen mich voll mit Zahlen und Fakten“, bemerkte er kühl. Er selbst habe oft erlebt, dass man je nach Gutachter verschiedene Ergebnisse bekommen könne. Die Situation sei dramatisch, das werde von allen Seiten an ihn herangetragen. Kasper: „Das kann man nicht mit einem Gutachten abhaken. Wir müssen eine Gegenmeinung einholen.“

„Sie wollen allen Ernstes ein Gegengutachten“

Der Ausschuss vernahm’s mit Staunen. „Sie haben allen Ernstes gesagt, Sie möchten ein Gegengutachten“, hakte Sabine Wörner (SPD) ungläubig nach. Das sei im Gemeinderat noch nie der Fall gewesen und auch in diesem Fall nicht nötig. „Bei Gericht ist das üblich“, beharrte der ehemalige Richter. Baubürgermeisterin Birgit Priebe erinnerte den Juristen daran, dass man sich im Gemeinderat keineswegs vor Gericht befinde und die Verwaltung auch kein weiteres Gutachten in Auftrag geben werde. „Wir beauftragen hier Gutachter, die unser Vertrauen genießen“, so die Baubürgermeisterin. Kasper blieb fest: „Die Sicht von Karajan, dass es keine große Lösung gibt, reicht uns nicht.“ Überzeugen konnte er nicht. Am Ende stimmte der Ausschuss mehrheitlich für den Verwaltungsvorschlag und damit gegen Kreisverkehr und Fahrbahnreduzierung. Letztere hätten auch Christina Schwarz und Iris Förster (beide ALi) gern gehabt – sie stimmten deshalb gegen den Beschlussvorschlag. Die CDU enthielt sich. Einstimmig votierte der Ausschuss für eine Untersuchung der Ampelzeiten und des Kreuzungsbereichs. Denn eine kompaktere Kreuzung und veränderte Grünzeiten an der Ampel könnten die Situation für die Fahrer aus den Blütenäckern aus Sicht Karajans verbessern. „Im Moment hat die Hauptrichtung eine starke Präferenz. Das könnte man der Jesistraße zuschlagen.“

Über die Planung beraten wird der Gemeinderat am 3. Mai.

Verheerende Wirkung

Für jedes gewünschte Ergebnis gibt es auch ein passendes Gutachten: Wenn sich diese von Populisten und Politikverdrossenen oft geäußerte Ansicht im Gemeinderat durchsetzt, gräbt sich das Gremium selbst das Wasser ab. Wie sollten künftige Beschlüsse ernsthaft verteidigt werden, wenn Expertisen nach Gutdünken angefordert und abgeschmettert werden? Wer glaubwürdig bleiben will, darf nach einem Gutachten kein Gegengutachten fordern, bis am Ende das rauskommt, was man sich selber wünscht. Davon abgesehen, dass dies unnötig viel Geld verschlingen würde, wäre es verheerend für das Ansehen des Gemeinderats.

Bypässe und neue Ausfahrt untersuchen

Außer den Kreisverkehrsvarianten hat das Ingenieurbüro Karajan auch die Leistungsfähigkeit der bestehenden Ampel an der Kreuzung Alte B 14/Jesistraße untersucht. Ergebnis: Die Ampel kann die für die Zukunft prognostizierte Verkehrsbelastung auch in Spitzenzeiten in einer „ausreichenden Verkehrsqualität“ abwickeln.

Ein Turbokreisel scheidet nach Angaben Karajans nicht nur aus verkehrlicher Sicht aus, sondern weil er als Sonderbauform vom Landratsamt nicht genehmigt werden würde.

Michael Stumpp (CDU) regte an, an der Kreuzung weitere Bypässe zu untersuchen. Sein Fraktionskollege Peter Abele kann sich eine alternative Ausfahrt aus dem Wohngebiet Blütenäcker vorstellen.