Waiblingen

Kernener Cellist Felix Brade: Die Seele schwingt mit

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Felix Brade neulich in der Glockenkelter bei einem Konzert mit seinem Trio Accordial. © Ramona Adolf

Kernen-Stetten. Kammermusik ist für den Cellisten Felix Brade das Schönste. Jedes Konzert, das er mit seinem Violoncello begleitet, erlebt er als körperliches wie seelisches Erlebnis, eine ganz intime Erfahrung. Weil ein Cellist mehr körperliche Berührungspunkte mit seinem geerdeten Instrument hat als ein Geiger, spürt er die Klänge zunächst physisch am Korpus, dem Resonanzkörper. Das Cello bringt den Musiker zum Schwingen. Und die Seele oszilliert mit.

Der 34-jährige Cellist Felix Brade begegnete einem verführerischen, kleinen Violoncello bei einer mit seiner Familie befreundeten Musikerin zum ersten Mal, als er sechs Jahre alt war. Er konnte nicht widerstehen. „Ich habe die Schwingungen gespürt, da war’s um mich geschehen,“ sagt er. Die Begabung war dem Musiker, der in Kernen aufwuchs und heute in Beutelsbach wohnt, in die Wiege gelegt. Der Vater ist leidenschaftlicher Pianist. Im Salonorchester Melange treten beide seit einiger Zeit gemeinsam auf, im Mai erstmals auf der Bühne des Bürgerhauses. Die Schwester fand ihre Berufung als Bratschistin. Ein Bruder mischt als Profi-Schlagzeuger in der New Yorker Jazzszene mit, ein anderer ist Hobby-Pianist. Drei Berufsmusiker in einer Familie, in der der sechsjährige Felix die Nische des Violoncellisten besetzte, später als Bundespreisträger in Jugend musiziert brillierte, im Bundesjugendorchester und bei den Stuttgarter Philharmonikern spielte.

Kammermusik ist berührend und vielseitig

„Kammermusik ist für mich das Schönste“, sagt der heute 34-Jährige. „Sie ist eine ganz intime Erfahrung, berührend und vielseitig.“ In der Stettener Glockenkelter mit ihrer wegen des offenen Dachstuhls nicht optimalen Akustik trat er neulich in der Formation Trio Accordial auf – Cello, Geige, Klavier, eine klassische Besetzung, die Felix Brade viel Freude macht. Jede Epoche biete herausragende Werke. Müsste er eines zum Favoriten krönen, wäre es das Borodin-Streichquartett. Der russische Komponist Alexander Borodin spielte ausgezeichnet Cello, und Felix Brade schwärmt: „Da gibt es unheimlich schöne Stellen, die habe ich immer sehr geliebt.“

Cellist Felix Brade mag die ungewöhnlichen Besetzungen

Warum ausgerechnet Violoncello, dieses in Norditalien im 16. Jahrhundert entstandene, auf einem ausziehbaren Stachel stehende und aus verschiedenen Holzarten gefertigte Streichinstrument? Schon bei der Initialzündung spürte der sechsjährige Felix Brade die magischen Schwingungen. „Man hat mehr Berührungspunkte als mit der Geige, etwa im Brustbereich. Es ist eine sehr körperliche Erfahrung“, erklärt der Musikpädagoge, der an den Musikschulen Unteres Remstal und Winnenden Cello unterrichtet. „Auch als Lehrer ist mir wichtig, dass meine Schüler nicht nur hören, wie einen das Instrument zum Schwingen bringt. Aber es ist eben auch ein psychologisches Schwingen, was daran das Schönste ist.“

Das Improvisieren liegt ihm nicht so sehr

Felix Brade mag die kleinen, ungewöhnlichen kammermusikalischen Besetzungen, nicht nur das ganz klassische Programm des Klaviertrios Accordial. Im Museumskeller trat er mit seinem Duo „Cuatro y Seis“ auf, das mit Cello und Gitarre von barocken Sonaten bis zum argentinischen Komponisten Astor Piazzolla ein breites spanisch-südamerikanisches Repertoire bietet. Sein drittes Ensemble setzt auf die Klangmischung aus Cello und Harfe. Selbst in den Jazz-Bereich stößt der Cellist gelegentlich vor, obwohl sein Instrument im Unterschied zum Kontrabass keines für den Jazz-Keller ist und ihm das Improvisieren nicht so sehr liegt. Keine Scheu hat Brade vor Pop. Vor einigen Jahren spielte er mit John Lord und mischte bei Musicals im Stuttgarter SI-Zentrum mit. „Ich bewege mich gern im Cross-over-Bereich“, sagt er lächelnd.

"Man muss nicht nach Stuttgart gehen, um hochwertige Konzerte zu hören"

Nach dem Abi am Fellbacher Schillergymnasium studierte Felix Brade in Trossingen Instrumentalpädagogik, sattelte in Frankfurt ein künstlerisches Aufbaustudium obendrauf. Mittlerweile tritt der Kernener, der mit den drei kleinen kammermusikalischen Ensembles unterwegs ist, oft in der Region auf. Das ist sein Spielbein. „Das Freischaffende ist „on top“ sagt er und ist damit als Musiker zufrieden. Von der internationalen Karriere träumt der 34-Jährige nicht: „Ich habe das gefunden, was ich möchte: hier verwurzelt zu sein in der Region. Deshalb ist es mein Anliegen, hier auch kulturschaffend tätig zu sein, indem ich Musik als Lehrer weitergebe an Kinder und Erwachsene und indem ich spiele.“

Das schließt die selbstbewusste Botschaft ein: „Man muss nicht nach Stuttgart gehen, um hochwertige Konzerte zu hören.“

Drei Hörproben

Drei anrührende Hörproben des Duos Cuatro y Seis (Felix Brade und Michael Gern) mit Titeln von Enrique Granados, Astor Piazzolla und Radamés Gnattali gibt es auf dessen Homepage: www.celloundgitarre.de