Waiblingen

Kernener wegen 17 Straftaten verurteilt

Justitia Symbol Urteil Justiz Gericht Symbolbild
Symbolbild. © ZVW/Joachim Mogck

Waiblingen/Kernen. Für 17 Straftaten hat das Amtsgericht Waiblingen am Dienstag einen 19-jährigen Kernener bestraft. Zwei Jahre und vier Monate wird er im Jugendstrafvollzug verbringen müssen. Doch nicht nur das: Im August rief er die Polizei zu einer Gang-Auseinandersetzung in Rommelshausen. Mit fünf Streifenwagen rückten die Polizeibeamten an – doch von Kampf keine Spur.

Bereits im Februar hat das Amtsgericht Waiblingen über 14 Taten des Angeklagten verhandelt. Ihm wurden Diebstähle, Sachbeschädigungen, Beleidigungen und Körperverletzungen vorgeworfen. Er gestand. Damals verhängte das Gericht eine Jugendstrafe von zwei Jahren mit einer Bewährungszeit von sechs Monaten. Nun stand er wegen drei weiterer Vorfälle vor Gericht.

"Ich brauchte Aufmerksamkeit"

Erstens wurde dem Angeklagten vorgeworfen, dass er im August einen Notruf an die Polizei abgesetzt hätte, in der er die Polizei auf eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gangs vor dem Rommelshausener Rathaus aufmerksam machte – die allerdings nicht stattgefunden hatte. Der Angeklagte gestand die Tat. „Ich war sehr angetrunken. Ich hab’ mir nichts dabei gedacht“, sagte er. „Ich brauchte Aufmerksamkeit.“

Schutzmontur und scharfe Waffen

Die bekam der Angeklagte dann auch: Fünf Streifenwagen rückten mit Blaulicht an. Da der Angeklagte von einer Auseinandersetzung mit 24 Personen gesprochen und Waffen erwähnt hatte, erschienen zehn Polizeibeamte in Schutzmontur und mit scharfen Waffen. Zwei weitere Polizisten mit Hunden waren schon aus Schorndorf unterwegs, als sie von den zuständigen Fellbacher Beamten Entwarnung bekamen.

Diebstahl in Bar in Rommelshausen

Die zweite Tat ereignete sich im Mai. Der stahl einer 29-Jährigen in einer Bar in Rommelshausen ihre Geldbörse und ihr Handy. Die Geschädigte sah, wie er am Tisch in ihre Handtasche schaute – als sie sich wegdrehte, war es geschehen. Der Geldbeutel und ihr Handy waren weg, und mit ihr der Angeklagte. Doch dieser hatte es nur ins Nebenzimmer geschafft, wo er die erbeuteten zehn bis 15 Euro am Spielautomaten einsetzte. Das Portemonnaie wurde mit Ausweisen auf der Toilette der Bar gefunden. Das Handy blieb verschwunden.

„Ich war da betrunken mit den Jungs drin. Wir haben am Automaten gezockt“, sagte der Angeklagte aus. Ihr Handy habe er weiterverkauft. Als die Jugendgerichtshilfe, die den 19-Jährigen seit 2014 betreute, ihn fragte: „Wie machen Sie den Schaden wieder gut?“, antwortete er, sie würde dasselbe Handy wiederbekommen.

Kiosk-Einbruch unklar

Der dritte Vorfall fand Anfang Juli statt. Der 19-jährige Angeklagte soll abends im Stettener Bädle betrunken mit der Stange eines Sonnenschirms auf die Rollläden des Kiosks eingeschlagen haben, um darin einzubrechen. Drei Zeugen bestätigten sein Vorgehen. Doch ob der 19-Jährige wirklich in den Kiosk einbrechen wollte, blieb unklar.

Taten unter laufender Bewährung begangen

Der Staatsanwalt plädierte nun erneut für eine Jugendstrafe von drei Jahren. Für ihn war klar, dass „schädliche Neigungen“ erkennbar seien. Er argumentierte, dass die Taten unter laufender Bewährung passiert seien und dadurch „strafschärfend“ wirkten. Der Verteidiger hingegen stellte heraus, dass der Angeklagte Therapiebedarf habe und diesem zuerst nachgegangen werden müsse.

Jugendgerichtshilfe: Beim Angeklagten liegt verzögerte Entwicklung vor

Der Richter kombinierte beide Vorschläge in seinem Urteil und stockte die bereits verhängte Strafe von zwei Jahren um vier Monate auf. Sobald sich der Angeklagte in Jugendhaft befindet, kann er sich auf einen Therapieplatz bewerben. „Wenn er das schafft, kann der Rest der Zeit auf Bewährung ausgesetzt werden“, erklärte der Richter. „Das ist unser Anliegen.“

Bereits für die vorhergehenden 14 Taten hatte das Gericht entschieden, den Volljährigen nach Jugendstrafrecht zu verurteilen. „Die Achtung vor fremdem Eigentum und vor der körperlichen Unversehrtheit sind in seinem Wertesystem nicht genug verankert“, heißt es im Urteil von Februar. Die Jugendgerichtshilfe machte deutlich, dass beim Angeklagten eine verzögerte Entwicklung vorliege. Zunächst hatte es laut Richter so ausgehen, als würde es nicht zur Strafe kommen, da der junge Mann die meisten seiner Auflagen erfüllte. Unter anderem reichte er drei negative Drogentests ein und erschien zu Gesprächen mit der Suchtberatung. Doch keine drei Monate vergingen, bis sich die Straftaten wieder häuften.