Waiblingen

Kinder kosten viel Geld – na und? Waiblinger Bernd Gröber sieht "Drama" woanders

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Der Wahl-Waiblinger Bernd Gröber (4. v. li.) inmitten seiner Familie (v. li.:) Sohn Stefan und Schwiegertochter Edwina Gröber, Enkel Mika (13), Ehefrau Marion und Enkel Janis (16). Bernd und Marion Gröber haben noch einen Sohn und eine Tochter sowie zwei weitere Enkelkinder, die nicht in der Region leben. © Gaby Schneider

Steigende Preise, Kita-Gebühren, hohe Mieten – Familien müssen ganz schön viel Geld hinlegen, um den Alltag zu bestreiten. Dass es seit Anfang 2023 mehr Kindergeld gibt, war für einige Medien Anlass, über das Thema zu berichten. „Kinder sind toll, strapazieren aber auch die Finanzen“, hieß es da etwa. Den Wahl-Waiblinger Bernd Gröber, der erst als Opa aus Ostdeutschland nach Schwaben gezogen ist, ärgert das. „Wie ärmlich muss eine Gesellschaft sein, das Beste, was es hat – seine Kinder – auf Kosten zu reduzieren?“, fragt er in einem Leserbrief.

Anlass für ein Gespräch, in dem der gelernte Koch und frühere Gastronomie-Vertreter sagt: Baden-Württemberg sollte in Kitas und Schulen investieren. Betreuungsschluss teils um 16 Uhr und Lehrer-Entlassungen über die Sommerferien seien ein „Drama“.

In den Berichten, was Kinder so kosten, spielte eine Zahl die Hauptrolle: 763 Euro pro Monat, so hoch waren die Konsumausgaben von Paaren mit einem Kind im Durchschnitt – allerdings schon im Jahr 2018. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte sie im Sommer 2021 – also noch vor der kriegsbedingten Inflation.

Die Statistiker aus Wiesbaden hatten ermittelt: „Die Ausgaben für Kinder bestehen unter anderem aus der materiellen Grundversorgung wie Ernährung, Bekleidung und Wohnen. Hierauf entfiel rund die Hälfte der Ausgaben für Kinder. Auf Freizeit, Unterhaltung und Kultur entfielen rund 15 Prozent der Ausgaben. Mit steigender Kinderzahl sinken die Ausgaben pro Kind: Für zwei Kinder gab ein Paarhaushalt im Schnitt 1276 Euro monatlich aus, für drei Kinder 1770 Euro. Zudem zeigt sich: Je älter die Kinder, desto höher die Kosten.“

„Kein Porsche kann so schön kuscheln“

763 Euro im Monat, da kommen hochgerechnet auf 18 Jahre (wobei die Unterhaltspflicht der Eltern erst aufhört, wenn die Kinder ihre Erstausbildung abgeschlossen haben) über 160.000 Euro zusammen. Ohne Inflation. Allerdings erhalten Eltern vom Staat Kindergeld und in vielen Fällen auch andere Unterstützung.

Bernd Gröber aus Waiblingen mahnt aber, die Kosten nicht in den Mittelpunkt zu stellen: „Kein Ding der Welt kann auch nur ansatzweise leuchtende Kinderaugen ersetzen, wenn die wieder was Neues entdecken“, schreibt er an die Redaktion. „Kein Porsche kann so schön kuscheln oder Wärme geben. Kein Preis ist zu hoch, wenn man sehen kann, wie sich die kleinen Biester zu selbstbewussten Menschen entwickeln. Vom ersten Schritt, vom ersten Wort zum ersten Schultag bis hin zur Meisterprüfung oder dem Ingenieur. Das ist jeden Euro wert!“

Viele solcher Schritte konnte der stolze Vater und Opa schon miterleben. Die drei Kinder, die er mit Ehefrau Marion Gröber in Berlin und Brandenburg großgezogen hat, sind längst „gestanden im Beruf“. Vier Enkel sind dazugekommen. Als Sohn Stefan Gröber, Jahrgang 1982, mit Ehefrau Edwina und den Enkeln Janis und Mika aus beruflichen Gründen – er arbeitet bei Daimler – von Berlin in den Südwesten zog, kamen die Großeltern mit. „Wir wollten in der Nähe der Enkel sein“, sagt Bernd Gröber.

So wurde Waiblingen vor eineinhalb Jahren ihr neues Zuhause. „Eine bildschöne Stadt, hier kann man es wirklich aushalten“, sagt der heute 64-Jährige, der in Halle/Saale aufgewachsen ist, in der damaligen DDR. Den neuen Wohnort lobt Bernd Gröber: „Hier ist alles in der Nähe, was wir brauchen.“

Kita nur bis 16 Uhr auf? Das sei "im Osten besser", sagt Bernd Gröber

Was ihm im Ländle aber nicht gefällt: die strukturellen Bedingungen für Familien. Dass Kitas teils um 16 Uhr oder noch früher schließen, mache es Eltern, vor allem Frauen, schwer, in Vollzeit zu arbeiten. Teils liege es aber auch an den Eltern selbst, meint Gröber, nicht nur an mangelnden Finanzen seitens Land oder Gemeinden. Jedenfalls: Nicht nur zu DDR-Zeiten, sondern bis heute seien die Betreuungszeiten „im Osten besser“, findet er. Er sehe „frappierende Unterschiede zwischen Ost und West“.

Weiteres Beispiel: „Dass Lehrer in den Sommerferien entlassen werden, das habe ich aus dem Osten nicht gehört. Dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn bestimmte Fehlentwicklungen entstehen. Das ist doch ein Drama.“ Von den jugendlichen Enkeln bekomme er auch immer wieder mit, dass Unterricht ausfällt. Gröbers Meinung: Da hat der Industrie-Standort Baden-Württemberg noch einiges an Hausaufgaben zu machen.

Auch seine Arbeitszeiten als Vater waren "definitiv nicht familienfreundlich"

Bernd Gröber ist inzwischen in Rente. Früher waren seine eigenen Arbeitszeiten aber „definitiv nicht familienfreundlich“, sagt er. Er hat Koch gelernt, Betriebswirtschaft studiert und sein Berufsleben in der Gastronomie verbracht. Lange Arbeitszeiten, „von 10 bis 10“. Viele Jahre hat er Küchentechnik verkauft, im Außendienst, ist „unglaublich viel Auto gefahren“, gerade in Westdeutschland. In manchen Jahren habe er 120 Nächte in Hotels geschlafen. „Nach zwölf Jahren stellt man fest: Die Kinder sind groß und man hat es nicht mitgekriegt.“

Aber irgendwie hätten sie es geschafft, obwohl auch seine Frau Marion „voll gearbeitet“ habe. „Sie hat Ökonomie studiert. Dass sie wegen der Kinder zu Hause bleibt, war nie Thema.“ Erst habe Marion studiert und er die Kinder betreut, dann andersrum. Die Hausarbeit hätten sie geteilt. „Das war immer ein Geben und Nehmen. Aber wir hatten von Anfang an Kindergartenplätze, eine vernünftige Schule nebenan. Auch nach der Wende hatten wir keine Probleme, unsere Tochter in einem nahen Kindergarten unterzubringen“, so Gröber über die Zeit in Berlin und Brandenburg.

Er wünscht sich, dass der um Kita- und Schulpersonal ringende Südwesten daran anknüpfen kann.

Steigende Preise, Kita-Gebühren, hohe Mieten – Familien müssen ganz schön viel Geld hinlegen, um den Alltag zu bestreiten. Dass es seit Anfang 2023 mehr Kindergeld gibt, war für einige Medien Anlass, über das Thema zu berichten. „Kinder sind toll, strapazieren aber auch die Finanzen“, hieß es da etwa. Den Wahl-Waiblinger Bernd Gröber, der erst als Opa aus Ostdeutschland nach Schwaben gezogen ist, ärgert das. „Wie ärmlich muss eine Gesellschaft sein, das Beste, was es hat – seine Kinder – auf

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