Waiblingen

Kinderbuch-Klassiker Häschenschule wird verfilmt

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Seru-Chef Sebastian Runschke vor einer typischen Häschen-Schulszene. Links im bunten Bild der Stadthase Max mit türkisfarbener Mütze. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Jeweils mehr als eine halbe Million Zuschauer sah die Zeichentrickfilme „Rabe Socke“ in den deutschen Kinos. Produziert wurden diese großenteils bei der Firma Seru. Derzeit arbeiten die Waiblinger an einem Klassiker, der schon Generationen von Kindern erfreut hat: Die „Häschenschule“.

Ostereier bemalen und verstecken will gelernt sein, darum drücken angehende Osterhasen erst einmal die Schulbank – und zwar in der berühmten Häschenschule. Wer hätte gedacht, dass dieser für Kinderaugen so magische Ort im prosaischen Gewerbegebiet Ameisenbühl liegt? Noch gibt’s dort viel zu tun, aber zu Ostern 2017 wird der computeranimierte Film in die Kinos kommen. Das Originalbuch erschien 1924, avancierte zum Bestseller und erlebt seit Ende der neunziger Jahre einen neuen Höhenflug. Ungeachtet oder gerade wegen der nostalgisch-biedermeierlichen Häschenwelt und des altertümlich-kunstvollen Zeichenstils von Fritz Koch-Gotha. Ungeachtet auch der Geschlechter-Stereotypen von braven, schüchternen Hasen-Mädchen und ungestüm tollenden Hasen-Jungs. Und ungeachtet mancher Szene, die mit „Ohren lang ziehen“ eine Pädagogik widerspiegelt, die zum Glück von vorgestern ist.

Keine Frage, die Häschenschule 2017 brauchte einen neuen Look und eine zeitgemäße Geschichte, welche 72 bis 75 Minuten kurzweilig füllt. So wird die Häschenschule 2017 nicht (nur) hübsch und brav sein, „sie wird sogar richtig cool“, verspricht der 41-jährige Seru-Geschäftsführer Sebastian Runschke. Dafür sorgt besonders Stadthase Max, der mit Raps, lässigen Sprüchen und Baggy-Hosen ziemlich neumodisch daher hoppelt. Unversehens verschlägt es ihn in die beschauliche Häschenwelt hinter dem großen Wald. Um wieder zurück in die Stadt zu gelangen, muss er erst einmal die Häschenschule durchlaufen, wie die braven Landeier auch.

Familie Fuchs macht den Hasen Ostern streitig

Bedroht wird die Idylle von der fiesen Familie Fuchs, welche einen Überfall auf die Schule plant mit dem Ziel, das goldene Ei zu stehlen und in Zukunft selbst das Osterfest auszurichten. Osterfuchs statt Osterhase? Geht gar nicht! Zum Glück verfügen die Hasen über den magischen „Verschwindibus“, eine Art Beamer wie bei Raumschiff Enterprise, mit dem sie sich blitzartig verdünnisieren können. Also ein Mix aus Science-Fiction, Action und Hip-Hop – besonders attraktiv für die Zielgruppe Jungs.

Bis zu zwei Jahre Arbeit stecken in Projekten wie der Häschenschule“ oder Rabe Socke. Ohne Förderer wie die MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg wären sie wohl kaum zu realisieren. „Am Anfang muss man eine ganze Welt erschaffen, in der sich die Figuren bewegen.“ Das Buch von Albert Sixtus zeigt nur lose verbundene Bilder, der Film braucht viel mehr Details und neue Schauplätze. Die Figuren, die sich später durch die Hintergründe bewegen, müssen mit unterschiedlichen Gesten und Klamotten entwickelt werden. Erst entsteht der Film in einer Rohfassung aus Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die abgespielt werden können wie ein Daumenkino, das sogenannte Storyboard. Während etwa Art Director und Storyboarder in Hamburg arbeiten, vollzieht sich in Waiblingen die Designphase. Offizieller Produzent ist die Akkordfilm. Bei Seru, wo derzeit übrigens Azubis gesucht werden, laufen jedoch viele Fäden zusammen. Farben etwa werden mit viel Bedacht ausgewählt, um die gewünschten Stimmungen zu erzeugen.

In Würzburg entstehen aus den am Computer gezeichneten Figuren Gittermodelle, die für die 3-D-Animation benötigt werden und die mit Anfasspunkten versehen sind, mit deren Hilfe der Computer flüssige Bewegungen berechnet. Die Macher achten dabei stets darauf, dass die Bewegungen menschlich wirken. Die Technik der Computeranimation ermöglicht regelrechte Kamerafahrten für eine 3-D-Wirkung, für die der Kino-Zuschauer keine Brille braucht. Der 3-D-Effekt wird bei der Häschenschule noch mehr zum Tragen kommen als bei den „Rabe Socke“-Filmen, die sich näher beim konventionellen Zeichentrick bewegen.

Rabe mit der Stimme von Jan Delay

Die Auflage der „Häschenschule“ kletterte bis Kriegsende 1945 auf etwa 388 000 Exemplare. Nach 1945 bis 1951 wurde das Buch noch in Ost und West verlegt, nach dem endgültigen Weggang von Alfred Hahns Verlages aus Leipzig 1953 nur noch in der BRD.

1998 erschien das Buch erstmals in italienischer Sprache „La scuola dei leprotti“ und 2005 auf Lateinisch „Lepusculorum Schola“. 2009 erschien eine weitestgehend originalgetreue Übersetzung mit dem Titel „The Rabbit School“ auch auf Englisch. Mittlerweile ist eine russische, japanische und eine weitere englische Ausgabe erschienen. Außerdem werden derzeit zwölf Mundartübersetzungen angeboten. Quelle: Thienemann-Esslinger

Die Kinderbuch-Reihe „Der kleine Rabe Socke“ wurde von der Autorin Nele Moost erfunden. Illustratorin ist Annet Rudolph. Im Auftrag der Akkordfilm produzierte Seru Waiblingen die beiden Kinofilme, zuletzt 2015 „Das große Rennen“. Seine Stimme bekam der Rabe vom Hamburger Sänger Jan Delay geliehen.