Waiblingen

Kindergarten Wurzelino in Bittenfeld: Die Wunderwelt im Wald

Wurzelino
Der Natur- und Waldkindergarten Wurzelino befindet sich jetzt mit seinem Bauwagen im Wald bei der Gemeindehalle – und nicht mehr auf dem Gelände bei der Bittenfelder Schillerschule. Den Umzug stemmten die Eltern über die Weihnachtsferien. © ZVW/Benjamin Büttner

Der Wegzug vom Provisorium an der Schillerschule hat dem Team des Natur- und Waldkindergartens Wurzelino das Leben erleichtert. Vorbei sind die Zeiten, als die pädagogischen Fachkräfte und Vertretungskräfte wegen des Tempos der Kinder allein 30 Minuten brauchten, um in den Wald zu kommen – schließlich sind sie jetzt mittendrin.

Für die Fantasie der Mädchen und Jungs, weiß Leiterin Martina Vollmer, ist der Wald ein idealer Platz zum Spielen – wo sonst gibt es in Bittenfeld eine Blätterrutsche und Treffpunkte wie den „Stein im Weg“ und die Wurzel "Aus die Maus“?

Kompost-WC mit Sägespänen

Es ist an diesem Vormittag an der Waldstraße 9/1 kurz nach 10 Uhr. Martina Vollmer ist mit zwei Mitarbeiterinnen und neun Kindern draußen auf dem Wurzelino-Gelände. Drinnen im Bauwagen sitzen sie in der Regel im Winter nur fürs gemeinsame Vesper. Eine Heizung, die von einer Camping-Gasflasche versorgt wird, wärmt den Raum, in dem es bewusst nur wenig Spielzeug gibt. Wenn die Kinder aufs Klo müssen, können sie hier aufs Kompost-WC gehen.

Einen Kanalanschluss gibt es nicht, sondern eine Tüte mit Sägespänen, die über den Hausmüll entsorgt wird. Wasser im Kanister bringen jeden Tag Eltern mit, damit die Kinder sich draußen die Hände waschen können. Es wird extra warm geliefert, aber kühlt natürlich im Lauf des Tages aus.

Solaranlage auf dem Wurzelino-Bauwagen

Auf dem Dach des Bauwagens ist seit kurzem eine Solaranlage installiert, die den Natur- und Waldkindergarten mit Strom versorgen soll. Morgens, wenn die Eltern um 7.30 Uhr die Kinder zum Wurzelino bringen, ist es in den Wintermonaten schließlich noch dunkel. „Ansonsten brauchen wir keinen Strom“, sagt Martina Vollmer, die sich die Leitung des Wurzelinos mit einer Kollegin teilt.

Sie selbst ist immer am Montag, Dienstag und Donnerstag da, ihre Tandempartnerin Sandra Schmidt dienstags, mittwochs und freitags. Die meisten Kinder im Wurzelino kommen aus Hohenacker und Bittenfeld – und immerhin eines aus der Waiblinger Kernstadt. Im Mai, sagt Martina Vollmer, wird das nächste Kind aufgenommen – und bis zu den Sommerferien soll der Natur- und Waldkindergarten dann mit 15 Plätzen voll besetzt sein.

Der Sandkasten ist gerade für die ganz kleinen Kinder wichtig

Gerade die Kinder unter drei Jahren spielen gerne in dem sechseckigen Sandkasten aus Holz, der mit Hilfe von Eltern errichtet wurde. Buddeln, sagt Martina Vollmer, sei im Wald ansonsten ja nur begrenzt möglich. Im Sandkasten bauen die Kinder Brücken mit Hilfe von Rindenstücken oder einen Stall. Gerade die Kleineren, weiß die Leiterin, trauten sich oft noch nicht so, eigenständig auf dem Wurzelino-Gelände herumzulaufen. Der Sandkasten ist für sie ein vertrauter Ort, den sie von zu Hause kennen.

Sonst ist im Waldkindergarten vieles anders und neu. Das Gelände des Wurzelinos ist durch eine niedrige Mauer aus losen Zweigen und Ästen begrenzt. Durch die Fantasie der Kinder entsteht eine kleine Welt voller Spielzeuge. Ein Haufen aus Ästen dient als Auto, ein Matschberg wird zur Rutsche. Ein Ast über einer Mulde fungiert gerade als Bus. „Nächstes Mal ist es ein Zug oder eine Schlange“, sagt Martina Vollmer.

Immer einen Rucksack mit Verbandskasten und Müllzange dabei

Um 10.40 Uhr brechen die drei Frauen mit den Kindern auf zu einer Tour durch den Wald. Das machen sie jeden Tag, schließlich sollen die Mädchen und Jungs die Natur entdecken können. Dabei haben die Mitarbeiterinnen immer einen Rucksack, in dem sich unter anderem ein Verbandskasten, ein Handy, Anziehsachen und eine Müllzange befinden. „Wir entdecken ziemlich viel Müll“, sagt Martina Vollmer.

Die Kinder gehen in ihrem eigenen Tempo vorwärts, auf zum ersten Treffpunkt, den sogenannten schrägen Hauswänden ohne Dach. Natürlich sind das keine echten Hauswände, aber wer beim Blick auf das Holz etwas Vorstellungskraft hat, der kann mit den Augen der Kinder sehen. Der kleine Anton bildet gerade die Nachhut und hat einen Stock entdeckt, den er wie einen Laubbläser benutzt. Genau das ist gewollt, dass die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen dürfen.

Matschhosen und wetterfeste Kleidung sind ein Muss 

Es geht weiter, vorbei an der Blätterrutsche, einem Hang hier im Wald bei der Gemeindehalle, der gerade im Herbst große Freude schenkt, weil hier die Mädchen und Jungs auf Blättern hinabrutschen können. Das ist kein Problem, schließlich tragen alle Kinder im Wurzelino Matschhosen und wetterfeste Kleidung. Diese zu waschen ist aus Martina Vollmers Sicht völlig unnötig – schließlich werden sie ja jeden Tag wieder dreckig. Besser, sagt sie, sei es, die Kleidung mit dem Dreck zu trocknen.

Wurzelino-Eisdiele mitten im Wald

Jeder umgeknickte Baum, jedes Stück Totholz ist für die Kinder der Baustein für ein neues Abenteuer. So haben die Wurzelino-Kinder sogar einen Platz, wo es eine Eisdiele gibt – mitten im Winter. Natürlich existiert diese Welt nur in ihrem Kopf. Aber sie kostet, anders als Spielzeug, keinen Cent.

Wenn die Wurzelino-Kinder durch den Wald gehen, balancieren sie gerne auf Baumstämmen. Das, weiß Martina Vollmer, fördert die Motorik. In anderen Kindergärten gibt es auch Möglichkeiten, die Motorik zu verbessern – aber eben nicht vor der Haustür. „Es ist einfach schön hier im Wald, da er so vielfältig ist.“

Der Wegzug vom Provisorium an der Schillerschule hat dem Team des Natur- und Waldkindergartens Wurzelino das Leben erleichtert. Vorbei sind die Zeiten, als die pädagogischen Fachkräfte und Vertretungskräfte wegen des Tempos der Kinder allein 30 Minuten brauchten, um in den Wald zu kommen – schließlich sind sie jetzt mittendrin.

Für die Fantasie der Mädchen und Jungs, weiß Leiterin Martina Vollmer, ist der Wald ein idealer Platz zum Spielen – wo sonst gibt es in Bittenfeld eine

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