Waiblingen

Kinderpornos per Handy verschickt

Schild
Symbolbild. © Jamuna Siehler

Waiblingen. Mehr als 200 Videos und Bilder mit kinder- beziehungsweise jugendpornografischem Inhalt haben Ermittler bei einem 53-Jährigen gefunden. Auch Whatsapp-Chats, in denen der Mann selbst Bilder und Videos verbreitet hatte, sicherte die Polizei. Am Amtsgericht wurde der Fellbacher zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Weil ein Psychiatrie-Patient in Niedersachsen ihm Kinderpornos zugeschickt hatte, sind die Ermittler auf die Spur eines Fellbachers gekommen, der nun am Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt wurde. Zusätzlich muss er 1500 Euro an die Kindernothilfe zahlen. Die Kriminalpolizei in Niedersachsen hatte das Handy des Patienten ausgewertet und die Kollegen in Waiblingen informiert. Bei einer Hausdurchsuchung in Fellbach beschlagnahmten die Beamten unter anderem ein Smartphone, ein Notebook und eine externe Festplatte. Auf diesen Geräten fanden sie belastendes Material: Mehr als 200 Videos und Bilder, die den Missbrauch von Minderjährigen zeigten, darunter extreme Aufnahmen von Mädchen, die gerade einmal im Grundschulalter waren.

Außerdem hat der heute 53-jährige Disponent im Mai und Juni 2014 offenbar in sieben Fällen Clips und Bilder an dritte Chatpartner weiterverbreitet. Auch das stellten die Computerforensiker der Waiblinger Kripo fest. Darin zu sehen: Mädchen zwischen sieben und 16 Jahren, teilweise beim Sex mit Erwachsenen.

Chatgruppen zum Porno-Tausch

Um Ausreden ist der Angeklagte nicht verlegen, auch wenn er über seinen Verteidiger zunächst einräumt, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. Ja, er habe im Mai und Juni 2014 an Whatsapp-Chats teilgenommen, in denen unter anderem Kinderpornos getauscht wurden – allerdings sei er zu diesen Chatgruppen ohne sein Einverständnis hinzugefügt worden und habe die betreffenden Chats alsbald von seinem Smartphone gelöscht. Freilich ohne zu wissen, dass die erhaltenen Dateien weiterhin auf seinem Gerät gespeichert sein würden. Durch die regelmäßige Sicherung der Handy-Dateien auf seiner externen Festplatte und dem Notebook seien die mehr als 200 Bilder dann auf den weiteren Geräten gelandet. Angeschaut habe er sich die Kinderpornos nie, behauptet er.

Und was die Clips und Bilder betrifft, die er selbst versendet haben soll: Nur an ein Video will er sich erinnern – laut Staatsanwaltschaft zeigt es ein blondes, circa 15-jähriges Mädchen beim Oralverkehr mit einer erwachsenen Frau. „Ich möchte betonen, dass es mir zu keinem Zeitpunkt bewusst war, dass es sich um eine minderjährige Person handelt, beziehungsweise, dass das überhaupt Pornografie ist“, sagt der Mann. Die beiden Personen in dem betreffenden Clip seien zwar nackt, hätten sich aber nur unterhalten, Geschlechtsteile seien nicht zu sehen. Auf die restlichen Kinderpornos, die er verschickt haben soll, geht der Mann gar nicht erst ein, gibt den technisch Unbedarften: „Es wird mir nicht mehr passieren, dass ich so sorglos mit Dateien umgehe.“

Die Beweise sprechen eine andere Sprache. „Das sieht für mich nicht aus, als würden die beiden sich unterhalten“, sagt Richterin Bidell beim Blick auf Standbilder aus dem Video mit dem circa 15-jährigen Opfer. Auch, dass das Mädchen klar als minderjährig identifizierbar ist, darin sind sich die Richterin und die Staatsanwältin einig. Davon abgesehen sind in anderen Clips, die vom Handy des Angeklagten ausgingen, um einiges jüngere Mädchen zu sehen.

Die Staatsanwaltschaft fordert schließlich ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung für den Mann, der lediglich wegen eines kleineren Drogendelikts vorbestraft ist. Der Verteidiger des Fellbachers findet hingegen eine Geldstrafe ausreichend. Sein Mandant sei nicht pädophil. Das habe ihm der kinderlose Mann, der getrennt von seiner Ehefrau lebt, in einem Gespräch versichert.

Mit der Freiheitsstrafe von einem Jahr, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird, bleibt die Richterin knapp unter dem Antrag der Staatsanwältin. Die Ausreden des Mannes, er habe nicht gewusst, dass es sich um Kinderpornografie handelte, bezeichnete Richterin Bidell bei der Urteilsverkündung als „nicht glaubhaft“.