Waiblingen

Kirchenbezirk Waiblingen: 9,5 Pfarrstellen fallen weg - Dekan spricht von "Revolution"

Evangelische Michaelskirche
Die Michaelskirche in Waiblingen. © ALEXANDRA PALMIZI

Das Parlament des Kirchenbezirks Waiblingen (Bezirkssynode) hat sich zu seiner Herbstsitzung getroffen. Neben der Vorstellung des neuen Konzepts „Diakonat“ und dem Haushalt, erschien auf der Tagesordnung nach der Pause der Stresspunkt Nummer 1 für alle Bezirkssynodalen: der sogenannte „Pfarrplan“. Und der hat es mit geplanten Stellenkürzungen diesmal wirklich in sich.

Die Diakone aus dem Kirchenbezirk haben die Synode mit einem Gottesdienst begonnen. Thema war die Jahreslosung zum Jahr 2023: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Diakonin Hanna Fischer stellte das neue Konzept vor, wie die Diakone und Diakoninnen im Bezirk sinnvoll eingesetzt werden. Danach wurde der Haushaltsplan vorgestellt. Lange Listen, viele Zahlen. Die Synodalen freuten sich über ein kleines Plus, das die Landeskirche für die Gemeinden ausschüttet. Trotzdem müssen in diesem Jahr 132.862 Euro aus den Rücklagen entnommen werden. Und ob die Finanzen auch in der Zukunft so sicher sind, ist fraglich. Max Müller, Vorsitzender der Synode, hat in die Zukunft gerechnet und da sieht es so aus, als würden die Rücklagen kontinuierlich abschmelzen.

Erfolgsmodell bei den Kindergärten

Bezirkspressepfarrer Markus Eckert berichtet weiter: Ein Erfolgsmodell ist der Kindergartenträger des Bezirks. Er arbeite inzwischen so effektiv und gut, dass er in Aussicht stelle, beizeiten die Anschubfinanzierung des Bezirks wieder zurückzahlen zu können. Und inzwischen biete er den Kirchengemeinden an, dass er sich auch um die Baulast der ausschließlich als Kindergärten genutzten Gebäude kümmert. Dafür müssten allerdings alle Gemeinden eine Abgabe bezahlen. Die Synode hat dem zugestimmt.

Das von Martin Walz vorgestellte Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt wurde von der Synode beschlossen und soll nun auch in allen Kirchengemeinden umgesetzt werden. Dazu wird eine Steuerungsgruppe eingesetzt, damit die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt werden.

Hertneck: "Schockierende Zahlen"

Als Max Müller die voraussichtlichen Zahlen des Pfarrplanes und die Tabelle vorgestellt hatte, die zeigte, wo es in der Zukunft zu Kürzungen in den Kirchengemeinden kommen wird, dachten manche Synodale vielleicht: Sie sehen nicht richtig. Denn es sollen in der gesamten Landeskirche bis 2030 28,5 Prozent der Pfarrstellen wegfallen. Für Waiblingen bedeutet das, dass wahrscheinlich 9,5 Stellen gestrichen werden. Dazu wählte Dekan Timmo Hertneck denn auch drastische Worte: „Die Zahlen sind schockierend und eine Revolution des Systems.“ Die Zahlen können sich zwar noch in die eine oder andere Richtung bewegen, aber klar sei: In allen Gemeindeverbünden wird es Einschnitte geben.

Viele Austritte, weniger Theologen-Nachwuchs

Die Gründe für diese Revolution sind lange bekannt: Auf der einen Seite verlassen die Menschen die Kirche, auf der anderen Seite gehen viele Pfarrer und Pfarrerinnen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Gleichzeitig kommen immer weniger junge Theologen nach. Kirchengemeinderat Werner Kunz aus Hohenacker brachte es wohl für viele Mitglieder der Synode und der Kirchengemeinden auf den Punkt: Es sei frustrierend und tue unendlich weh. Vor allem, weil man sich in den letzten Jahren unter Mühen dazu aufgemacht habe, neue Gemeindestrukturen aufzubauen. Dekan Timmo Hertneck forderte dennoch dazu auf, den Stier bei den Hörnern zu packen und Gemeinde ganz neu zu denken. „Wir haben eine Zukunft als Kirche Jesu Christi. Wir haben etwas zu gestalten. Wir werden es hinkriegen“, versuchte er den Mitgliedern der Synode Mut zu machen.

Der Antrag, den Zeitplan für den Pfarrplan entscheidend zu straffen, wurde von der Synode abgelehnt. Die Kirchengemeinden bräuchten die Zeit, um sich mit dieser „revolutionären“ Situation erst einmal zu befassen.

Der Kirchenbezirk Waiblingen

Dem evangelischen Kirchenbezirk Waiblingen gehören etwa 62.000 evangelische Christinnen und Christen an. Folgende Kirchengemeinden finden sich in seinem Gebiet: Beinstein, Berglen, Birkmannsweiler-Höfen-Baach, Bittenfeld, Endersbach, Fellbach, Großheppach, Hegnach, Hertmannsweiler/Bürk, Hohenacker, Kernen, Korb, Leutenbach, Neustadt, Schmiden-Oeffingen, Schwaikheim, Strümpfelbach, Waiblingen, Weiler zum Stein-Nellmersbach, Winnenden. Dekan des Kirchenbezirks ist Pfarrer Timmo Hertneck. Vorsitzender der Bezirkssynode Max Müller aus Schwaikheim. 

Das Parlament des Kirchenbezirks Waiblingen (Bezirkssynode) hat sich zu seiner Herbstsitzung getroffen. Neben der Vorstellung des neuen Konzepts „Diakonat“ und dem Haushalt, erschien auf der Tagesordnung nach der Pause der Stresspunkt Nummer 1 für alle Bezirkssynodalen: der sogenannte „Pfarrplan“. Und der hat es mit geplanten Stellenkürzungen diesmal wirklich in sich.

Die Diakone aus dem Kirchenbezirk haben die Synode mit einem Gottesdienst begonnen. Thema war die Jahreslosung zum

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