Waiblingen

Kirschbaumversteigerung in Rommelshausen

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Leckere Kirschen, zum Versteigern gut. Eine junge Mutter hat sich schon entschieden: Sie lässt ihr Kind pflücken. © Jamuna Siehler

Kernen-Rommelshausen. Die leckeren Kirschen in Nachbars Garten reizen ganz besonders, wenn der Zutritt verboten ist. Für die gemeindeeigenen Kirschbäume, deren Ernte jetzt wieder versteigert wurde, gilt das nicht: Jeder darf aufs Grundstück. Und jeder darf mitbieten. 19 Bäume kamen jetzt unter den Hammer. Sie erbrachten der Auktionarin Franziska Bräuchle vom Liegenschaftsamt einen schönen Erlös von 108 Euro.

Video: Kirschenversteigerung

Beim Ersteigern eines heiß begehrten Objekts wie dem kleinen, üppig beladenen Kirschbaum Nummer 21 heißt es, cool bleiben. Abwarten, was die Mitbewerber bieten, und beim Preispoker rechtzeitig aussteigen. Wer sich treiben lässt, dem ergeht es wie der Dame, die am Dienstagabend bei der Auktion auf dem Kirschbaumgrundstück der Gemeinde Kernen für ihr Bäumchen 26 Euro hinblätterte. Den Höchstwert des Abends. Im Vorjahr bezahlte ein Bieter fünf Euro. Die Frau, die auf jedes Gebot ihres Rivalen trotzig eins draufgelegt hatte, guckte angesichts des Endbetrags dann doch etwas perplex. Im Durchschnitt bezahlen Bieter pro Baum sechs Euro, manche auch nur 50 Cent. „Ich habe dem anderen den Baum nicht gegönnt“, gesteht die Frau. „Der Baum ist ja so schön klein, das Pflücken macht uns Spaß. Das sind wunderschöne Süßkirschen.“ Preiswert allemal.

Dieses Mal tragen nur 19 Bäume reife Früchte

Wie vor einem Jahr haben sich Stammbieter und blutige Anfänger auf der Kirschbaumparzelle versammelt. Sie taxieren das Angebot: knorrige Hochstämme, junge Kleinkronige voll gelber Süßkirschen, die noch ein paar Tage reifen müssen. Franziska Bräuchle vom Kernener Liegenschaftsamt steht mit Schreibblock aufmerksam auf der Wiese, moderiert und notiert die Höchstgebote. „Schön, dass Sie trotz Fußball gekommen sind“, sagt sie zu Beginn. Klar, passionierte Profis, die seit Jahren mitsteigern, lassen sich von einem Deutschland-Spiel nicht abhalten. Knapp 30 Bäume stehen auf der gemähten Parzelle. 19 tragen derzeit rote und gelbe Früchtla, auf die alle so sehr erpicht sind. Junge Paare ohne und mit Kindern darunter, Familien, Einzelkämpfer, die ihre Wunschbäume strategisch aussuchen. Da prangt ein junger Kirschbaum, die Früchte zum Greifen nah, neben einem großen mit weiter Krone. „Ich will, dass meine zwei Bäume direkt nebeneinander stehen“, sagt ein junger Vater, „die sind nicht teuer. Das passt schon.“

Den alten Storren gleich zu Beginn mit seinen frühen, dunkelroten Süßkirschen, die schon wieder schrumpeln, lassen die Bieter links liegen. Beim nächsten geht es in 50-Cent-Schritten nach oben. In den Zweigen hängen noch gelbe Früchte, eine späte Sorte offenbar, die bei dem warmen Wetter bald reif sein sollte. „Fünf Euro“, nennt Franziska Bräuchle, die Akte untern Arm geklemmt, das letzte Gebot. „Fünf Euro fünfzig. Sechs Euro. Dann ist der für sechs Euro verkauft“, sagt sie.

Milos Susak, der früher in Kernen wohnte, dann mit der Familie nach Stuttgart zog, bietet seit fast 20 Jahren mit. Er zieht eine förmliche Einladung des Rathauses aus der Tasche. Seit Jahren hat er’s nur auf einen Baum abgesehen, der auch heuer wieder prallvoll hängt. Wer kann das alles essen? „Die sind zum Verschenken, nicht zum Essen“, sagt er und lacht, „die werden an Freunde vergeben.“ Milos Susak schätzt, dass das gelbe Steinobst nächste Woche reif zum Pflücken ist. Seine Frau warnt, den Tag vor dem Abend zu loben: „Letztes Jahr hat es nach der Auktion zwei Tage geregnet. Dann war alles voller Würmer.“

Milovan Milisavjevic aus Stetten ersteigert Nummer 12 nebenan für 11.50 Euro, ein Schnäppchenpreis. „Die sind zum Essen gut, weil nicht so süß“, sagt er und schmunzelt mit Kennermiene. Die Auktion ist nach gut einer Stunde vorbei. Da steigt eine Frau aus Rommelshausen, das grüne Damenfahrrad unter ihrem Erntebaum geparkt, flugs hinauf und zupft eine Plastiktüte voll großer, dunkelroter Herzkirschen. „Wir teilen den Baum mit einer anderen Familie“, sagt sie vom Baum herunter. „Am Freitag ist Kindergeburtstag der Schulfreundin meiner Tochter. Die will mit ihrer Familie herkommen und hier ernten.“ Kletterspaß ist da inbegriffen.

Erlös 2016: 108 Euro

Die Erträge variieren von Jahr zu Jahr. Dieses Jahr kletterte der Erlös auf 108 Euro für nur 19 Bäume, nachdem die Versteigerung 2015 50,50 Euro eingebracht hatte. Im Jahr 2011 spielte die Auktion noch mehr ein: 120 Euro.