Waiblingen

Kita-Öffnung mit Hindernissen: Wie viele Erzieherinnen gehören zu einer Risikogruppe?

Notfallbetreuung
Bei den Rahmenbedingungen des Landes für die Kitas fällt der Durchblick schwer. © Benjamin Büttner

Bis Ende Juni sollten Kitas und Grundschulen wieder vollständig öffnen, das hat die baden-württembergische Landesregierung, namentlich Ministerin Susanne Eisenmann, schon Ende Mai angekündigt. Wie genau diese vollständige Öffnung vonstattengehen soll, darüber herrscht allerdings weiter Unklarheit. Denn dafür braucht es ausreichend Platz und Personal – aber rund ein Fünftel der Erzieherinnen an städtischen Kitas gehören, was das Coronavirus anbelangt, zu den Risikogruppen.

Besonders schwierig gestaltet sich die Personalsituation an vier großen Kinderhäusern, welche die Stadt Waiblingen betreibt. Dort gehören nach Angaben der Ersten Bürgermeisterin Christiane Dürr sogar etwa 30 Prozent der Erzieherinnen zu einer Risikogruppe – an den kleineren Kitas sind es lediglich etwa 15 Prozent. Wer zur Risikogruppe gehört oder nicht, dafür hat die Stadtverwaltung ein festgelegtes Verfahren, das Alter und mögliche Vorerkrankungen berücksichtigt. Wer eine einschlägige Vorerkrankung hat, die das Arbeiten vor Ort mit Kindern als nicht ratsam erscheinen lässt, legt ein ärztliches Attest vor. Die Möglichkeit, trotz Vorerkrankung in der Kita zu arbeiten, nehmen Erzieherinnen aber auch wahr – vorausgesetzt, der Arzt gibt dafür grünes Licht. „Unsere Mitarbeiterinnen gehen wahnsinnig gerne wieder in die Einrichtungen.“ Das Vermissen basiere auf Gegenseitigkeit: Die Kinder vermissen ihre Freunde und die Erzieherinnen - und diese wiederum die Kinder. Klar ist aber auch: „Wir können und müssen unsere Mitarbeiterinnen schützen.“

Abstandsregeln aufheben? „Das Virus ist ja nicht weg“

Dennoch erscheint der Ersten Bürgermeisterin eine vollständige Öffnung der Kitas bis Ende des Monats aus heutiger Sicht nicht möglich. Schon in normalen Zeiten handelt es sich beim pädagogischen Fachpersonal um einen Mangelberuf. Wie sollte also eine vollständige Öffnung mit einem Fünftel weniger Personal funktionieren? Dazu gelten im derzeitigen eingeschränkten Betrieb Hygiene- und Abstandsregeln. So dürfen statt 20 nur zehn Kinder gleichzeitig eine Gruppe besuchen, eine Kita darf nur zu 50 Prozent ausgelastet sein. Sollten wieder mehr Kinder als zuletzt in die Kitas kommen, wären mehr Räume notwendig – woher sollen die kommen? Dass die Abstandsregeln zum 1. Juli einfach aufgehoben werden, kann sich Christiane Dürr ebenfalls kaum vorstellen. „Das Virus ist ja nicht weg.“

Einzig denkbarer Weg scheinen eingeschränkte Öffnungszeiten zu sein. Dann müsste aber immer noch gewährleistet sein, dass die Krankenschwester in der Spätschicht eine (Not-)Betreuung für ihr Kind bekommen kann. Und von „vollständiger“ Öffnung könnte keine Rede mehr sein. Dass mehr versprochen wird, als sich überhaupt einhalten lässt, haben die Träger schon bei der Ankündigung der Ministerin für den derzeitigen „eingeschränkten Regelbetrieb“ erlebt. Allein schon das Wort „Regelbetrieb“ schüre Erwartungen und Hoffnungen, die nur enttäuscht werden könnten. Denn von „Regelbetrieb“ kann aus Sicht der Stadt Waiblingen keine Rede sein. Christiane Dürr spricht stattdessen von „eingeschränktem Betrieb“.

Viele Eltern verzichten ganz

Tatsächlich besuchen derzeit von den 2500 Kindern, die vor der Corona-Pandemie die Waiblinger Kitas besuchten, nur 500 die Notbetreuung beziehungsweise erweiterte Notbetreuung. Zusätzlich kann jedes Kind an einem festen Wochentag seine Einrichtung besuchen. Zwei Drittel der Familien nehmen dieses Angebot in Anspruch – das andere Drittel verzichtet ganz. Unterm Strich sind damit die gebotenen 50 Prozent Auslastung schon erreicht. Die Erste Bürgermeisterin bittet um Verständnis: „Wir wissen um die Belastung für die Familien, uns blutet das Herz.“ Gleichwohl gäben die Kapazitäten nicht mehr her.

Öffnung der Schulen

Ganz ähnlich wie an den städtischen Kitas stellt sich die Situation bei der ebenfalls städtischen Ganztagsbetreuung an den Schulen dar, wo derzeit auch noch die Kooperationspartner wie Vereine ausfallen. Immerhin konnten die Familien während einer Woche der zweiwöchigen Pfingstferien eine Ferienbetreuung buchen. An den Grundschulen wird von kommender Woche an der Präsenzunterricht ausgeweitet: Im Wechsel dürfen eine Woche die Erst- und Drittklässler, in der Woche darauf die Zweit- und Viertklässler die Schule besuchen. Aber: Am Montag, 15. Juni, gönnen sich die Waiblinger Schulen erst noch einen beweglichen Ferientag.

Für die weitere Öffnung der Kitas und Schulen erwartet der Städtetag am 16. Juni nähere Ansagen der Landesregierung. Die Waiblinger Bürgermeisterin hofft diesmal auf klare Rahmenbedingungen und fordert, dass die Träger künftig mehr in die Entwicklung der Konzepte eingebunden werden sollen. Bisher sei das während der Corona-Krise fast gar nicht der Fall gewesen.

Bis Ende Juni sollten Kitas und Grundschulen wieder vollständig öffnen, das hat die baden-württembergische Landesregierung, namentlich Ministerin Susanne Eisenmann, schon Ende Mai angekündigt. Wie genau diese vollständige Öffnung vonstattengehen soll, darüber herrscht allerdings weiter Unklarheit. Denn dafür braucht es ausreichend Platz und Personal – aber rund ein Fünftel der Erzieherinnen an städtischen Kitas gehören, was das Coronavirus anbelangt, zu den Risikogruppen.

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