Waiblingen

Kita-Eltern kritisieren die Stadt Waiblingen - und stehen hinter Erzieher-Streik

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Die städtische Kita „Im Burgmäuerle“ in Hegnach. © ZVW/Benjamin Büttner

„Wir stehen hinter unseren Erziehern“: Die Eltern der Waldgruppe der Hegnacher Kita „Im Burgmäuerle“ haben kein Problem mit dem erneuten Streikaufruf von Verdi, sondern mit der angespannten Personallage in den Kitas in Waiblingen – und darum haben sie am Freitag vorm Rathaus ihren Protest artikuliert. Die Kita „Im Burgmäuerle“, zu der auch ihre Gruppe zählt, verlassen neun Fachkräfte – und das wirkt sich auch auf die Waldgruppe mit ihren 20 Plätzen aus.

Enge Personaldecke wirkt sich auch auf die Hegnacher Waldgruppe aus

Vater Wolfgang Keim ist einer von sechs Eltern, die an diesem Vormittag vor dem Waiblinger Rathaus das Gespräch mit dem neuen Ersten Bürgermeister Ian Schölzel gesucht haben, der derzeit als allgemeiner Stellvertreter des Oberbürgermeisters auch Stadtoberhaupt ist, bis Sebastian Wolf voraussichtlich am 1. Mai offiziell die Nachfolge von Andreas Hesky antreten kann.

Wolfgang Keim wohnt in Waiblingen und hat sich bewusst für die Hegnacher Waldgruppe entschieden. „Wir fahren jeden Tag mit dem Fahrrad dorthin.“ Wenn eine hauptamtliche pädagogische Kraft in der Waldgruppe ausfällt, führt das laut Wolfgang Keim in der Regel dazu, dass die Waldgruppe an diesem Tag nicht öffnen kann.

Gekürzte Öffnungszeiten der Kita „Im Burgmäuerle“ betreffen Waldgruppe nicht

Für Wolfgang Keim und die anderen Eltern, die an diesem Freitag vor dem Rathaus ihren Unmut kundgetan haben, sind das Hauptproblem die unbesetzten Stellen. Von den gekürzten Öffnungszeiten der Kita „Im Burgmäuerle“ sind sie zwar nicht betroffen, da die Waldgruppe nur von 7.30 bis 13.30 Uhr geöffnet hat – allerdings spüren sie natürlich die dünne Personaldecke. Es gibt jetzt zwar eine neue Leitung und seit 1. März auch eine neue Stellvertretung, aber noch sind längst nicht alle Stellen besetzt.

Nun ist das Hauptargument vieler Kommunen derzeit, dass es allgemein schwer sei, Personal für die Kitas zu bekommen. Das lässt Wolfgang Keim aber nicht gelten. „Das ist mir einfach zu billig zu sagen: Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Städten.“ Aus Sicht der Eltern der Waldgruppe sollte sich die Stadt überlegen, wie sie als Arbeitgeber attraktiver werde – und das sei nicht nur eine finanzielle Frage. „Wir wünschen uns, dass die Stadt mehr tut.“

Wolfgang Keim aus Waiblingen: „Das sind wir unseren Kindern schuldig“

Wolfgang Keim weiß, dass Ian Schölzel als Erster Bürgermeister erst seit einigen Tagen im Amt ist und deshalb für die aktuelle Lage nicht verantwortlich ist. Auch fand er es toll, dass er mit den anderen Eltern so schnell einen Gesprächstermin bekam. Allerdings wünscht sich Wolfgang Keim, dass Waiblingen einen Aktionsplan aufstellt, wie die Zahl der offenen Stellen im Kita-Bereich reduziert werden kann. Diese, das sei ihm in Gesprächen mit Erzieherinnen und Erziehern gesagt worden, stiegen seit Jahren an. An sich seien viele Erzieher motiviert, gerade wenn sie frisch anfingen. Wenn aber die Arbeitsbelastung ständig hoch sei, weil viele Stellen unbesetzt seien, führe das dazu, dass die Leute irgendwann kündigen würden. Dadurch steigt die Zahl der unbesetzten Stellen wieder – ein Teufelskreis. Wolfgang Keim findet, dass die Stadt Waiblingen den Anspruch haben sollte, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. „Das sind wir unseren Kindern schuldig.“

Dass der Streik, den Verdi für nächste Woche für die Kitas angekündigt hat, die Lage noch mehr zuspitzt, ist den Eltern natürlich bewusst. Allerdings stellen Wolfgang Keim und seine Mitstreiter klar, dass sie es verstehen können, dass die Erzieher streiken. Es gebe einen Grund, nämlich die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Ariane Raad, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi Baden-Württemberg, sagte am Freitag, dass sie noch keine Angaben dazu machen kann, wann genau die Kitas im Rems-Murr-Kreis bestreikt werden sollen.

Für den Ersten Bürgermeister Ian Schölzel und den Fachbereich Bildung und Erziehung war der Austausch wichtig

Dem Ersten Bürgermeister Schölzel und dem Fachbereich Bildung und Erziehung war es sehr wichtig, die kurzfristige Gesprächsanfrage wahrzunehmen, um direkt mit den Eltern und Elternvertretungen in den Austausch zu kommen. Freia Rausch, stellvertretende Leiterin der Abteilung Kindertageseinrichtungen, betont, dass die Stadt vielfältige Fort- und Weiterbildungsangebote biete, dazu ein betriebliches Gesundheitsmanagement, umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten der pädagogischen Arbeit, unterschiedliche konzeptionelle Einrichtungsprofile und fachliche Unterstützung durch eine pädagogische Fachstelle sowie einen heilpädagogischen Fachdienst. „Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden in den städtischen Kindertageseinrichtungen Stellen für Unterstützungskräfte aufgestockt und Krankheitsvertretungen zur Unterstützung der Fachkräfte eingesetzt. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.“ Darüber hinaus würden die Teams in den Kitas vermehrt durch Supervision und Coaching begleitet.

Stadt Waiblingen: In der Kita „Im Burgmäuerle“ fängt immerhin eine Fachkraft zum 1. Mai neu an

Die Waldgruppe in Hegnach ist laut der Stadt komplett besetzt. Die bekannte Personalsituation in der Kita „Im Burgmäuerle“ ermöglicht laut Freia Rausch derzeit keine Kompensation, wenn aus der Waldkindergartengruppe, zum Beispiel bei einem Streik, mehrere Fachkräfte gleichzeitig ausfallen. Aus dem Bewerbungsverfahren Mitte Februar konnte die Stadt für die Kita „Im Burgmäuerle“ immerhin eine Fachkraftstelle zum 1. Mai besetzen. „Die bisher eingesetzten Vertretungskräfte werden ihren Einsatz in der Einrichtung fortführen und eine weitere Vertretungskraft konnte schon am 17. März in der Kita eingesetzt werden.“ Zudem laufen weiter die Bewerbungsverfahren – und auch eigene Azubis sollen übernommen werden.

„Trägerspezifische innovative Projekte Baden-Württemberg“: Stadt macht mit

„Das Thema Personal ist der Stadt ein wichtiges Anliegen“, betont Freia Rausch – und verweist darauf, dass Waiblingen ein tarifgebundener Arbeitgeber sei. Der Fachbereich Bildung und Erziehung habe sich zudem bewusst für die Teilnahme am Projekt „Trägerspezifische innovative Projekte Baden-Württemberg“ (TiP) entschieden, um das Thema Personalgewinnung noch stärker in den Fokus zu rücken.

Ziel des Projekts sei unter anderem eine Steigerung der Qualität in der Personalentwicklung. „Beim Thema Fachkräftemangel ist jedoch ausdrücklich auch die Politik gefragt“, stellt Freia Rausch klar – und zwar bei der Schaffung von mehr Ausbildungs- und Studienplätzen sowie vor allem bei neuen Quereinsteigermodellen.

„Wir stehen hinter unseren Erziehern“: Die Eltern der Waldgruppe der Hegnacher Kita „Im Burgmäuerle“ haben kein Problem mit dem erneuten Streikaufruf von Verdi, sondern mit der angespannten Personallage in den Kitas in Waiblingen – und darum haben sie am Freitag vorm Rathaus ihren Protest artikuliert. Die Kita „Im Burgmäuerle“, zu der auch ihre Gruppe zählt, verlassen neun Fachkräfte – und das wirkt sich auch auf die Waldgruppe mit ihren 20 Plätzen aus.

Enge Personaldecke wirkt sich

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