Waiblingen

Kita-Streik in Waiblingen: Eltern zeigen nur bedingt Verständnis

Kita-Streik am 27.04.
Acht Einrichtungen sind in Waiblingen am Mittwoch, 27. April komplett geschlossen. © Alexandra Palmizi

Acht Kindergärten und Kindertagesstätten sind an diesem Mittwoch, 27. April, in Waiblingen komplett geschlossen. Grund dafür ist ein erneuter Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi für den Sozial- und Erziehungsdienst. Viele weitere bieten eine eingeschränkte Betreuung oder sogar nur eine Notbetreuung an, wie die Stadtverwaltung am Montag mitteilte. Nur in wenigen Einrichtungen findet der Normalbetrieb statt.

„Ich kann die Gründe, die zum Streik führen, in einer gewissen Weise nachvollziehen“, sagt die zweifache Mutter Corina Häusser. Auf der anderen Seite sei es nach der Corona-Pandemie wieder etwas, das auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werde, was sie so nicht in Ordnung findet.

Ihr dreijähriger Sohn wird gerade im Waldkindergarten Hegnach eingewöhnt. Zuvor wurde er bei einer Tagesmutter betreut, sie selbst arbeite bereits 16 Stunden pro Woche und habe sich für die Zeit der Eingewöhnung vom Arbeitgeber freistellen lassen. „Ich kann es mir beruflich nicht leisten, wenn sich die Eingewöhnung zu sehr in die Länge zieht“, sagt sie. Während der Eingewöhnung lernen Kinder die neue Einrichtung und Erzieher kennen, wobei sie mit jedem Tag etwas mehr Zeit in der neuen Umgebung verbringen. Auf die Unterstützung der Großeltern könne Corina Häusser nicht zurückgreifen. „Ich finde, dass die Stadt Waiblingen mehr machen sollte, um als Arbeitgeber attraktiver zu werden“, sagt sie. Etwa könnte dies durch mehr arbeitsbegleitende Angebote geschehen, „mehr Personal und dadurch mehr Entlastung“. Mehr Gehalt sei nicht unbedingt die Lösung.

Manuel Mamic: Nur bedingt Verständnis für den Streik

Der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Manuel Mamic zeigt nur bedingt Verständnis für den Streik. „Die Leidtragenden sind die Kinder und die arbeitenden Eltern, die sich den Tag extra freinehmen müssen“, sagt er. In der Vergangenheit habe er bereits das Gespräch mit der Stadt Waiblingen gesucht mit der Frage, was getan werden kann oder muss, dass Erzieher ihrem Arbeitgeber treu bleiben. Im Vergleich zu anderen Kommunen oder gar bundesweit betrachtet, würden Betreuer oder Mitarbeiter im Sozial- und Erziehungsdienst in Waiblingen nicht schlecht verdienen, weiß Mamic.

Laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit verdienen Erzieher im bundesweiten Mittel abhängig von der Größe der Einrichtung und den Berufsjahren ein monatliches Bruttogehalt von rund 3900 Euro, in Baden-Württemberg sind es sogar 4116 Euro brutto. Im Vergleich dazu verdienen Erzieher in Thüringen 3498 Euro (Mittleres monatliches Bruttoentgelt 'Median' für Vollzeitbeschäftigte).

In der Vergangenheit habe sich viel im Berufsfeld und der Berufsausbildung für Erzieher verändert, betont Mamic und nennt Beispiele wie die Sprachförderung oder Heilerziehungspfleger, die das Team unterstützen. Auch die Ausbildung habe sich stark verändert.

Gleichzeitig sei auch das Aufgabenfeld gewachsen. Dazuhin geben Eltern immer mehr Aufgaben in Sachen Erziehung oder frühkindliche Bildung an die Einrichtungen ab. Die Corona-Pandemie habe sicher ihr Übriges getan, was zur Überlastung von Mitarbeitern geführt habe. Die Frage sei, wie man Erzieher unterstützen könne, meint er.

„Bei allem Verständnis für den Streik aber, wie soll ich das den Kindern erklären, dass sie schon wieder nicht in den Kindergarten gehen dürfen nach den vielen Schließtagen während der Corona-Pandemie und den vergangenen Streik-Tagen?“, fragt eine 29-jährige Mutter dreier Kinder. Sie wohnt mit ihrer Familie in Bittenfeld. Sie selbst befinde sich noch in Elternzeit. Die Betreuung ihrer Jungs ist für den einen Streiktag gesichert. Dennoch habe sie von anderen Eltern gehört, wie schwer es sei, Kinder und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. „Manche stehen an diesem Mittwoch wieder vor einem Problem!“, so die 29-Jährige.

Deshalb ruft die Gewerkschaft Verdi erneut zum Streik auf

Grund für den erneuten Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi sei das Ergebnis der zweiten Verhandlungsrunde, nach welchem es laut Verdi kein Angebot der Arbeitgeber gebe. „Die Kernforderungen der Gewerkschaften zielen auf eine finanzielle Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe durch bessere Eingruppierung und spürbare Entlastungen im Arbeitsalltag. Eine bessere Eingruppierung von Erzieher/-innen und Kinderpfleger/-innen hat die Präsidentin der Kommunalen Arbeitgeber-Verbände Karin Welge und Oberbürgermeisterin von Gelsenkirchen aber erneut zurückgewiesen“, so Verdi. „Diese Beschäftigten seien jetzt schon besser bezahlt als vergleichbare Beschäftigte in Ausbildungsberufen“, laute die Begründung von Welge laut Verdi.

In der zweiten Verhandlungsrunde ging es um Kita-Leitungen, Sozialarbeite/-innen und Sozialpädagog/-innen, die Beschäftigten in der Behindertenhilfe sowie Entlastung für alle Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst. „Denn die Belastung ist nicht nur durch die Pandemie extrem hoch. Die Bezahlung wird dem anspruchsvollen Beruf nicht gerecht – und das nicht erst seit zwei Jahren“, betont die Gewerkschaft.

Wenn hier nicht gegengesteuert werde, werden viele Beschäftigte den Beruf verlassen. Der ohnehin bestehende Fachkräftemangel würde weiter verschärft werden. Schon jetzt fehlen Hunderttausende Fachkräfte im Sozial- und Erziehungsdienst. Ein zusätzlicher Belastungsfaktor bei ohnehin herausfordernden Tätigkeiten.

Die dritte Verhandlungsrunde findet am 16. und 17. Mai statt.

Acht Kindergärten und Kindertagesstätten sind an diesem Mittwoch, 27. April, in Waiblingen komplett geschlossen. Grund dafür ist ein erneuter Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi für den Sozial- und Erziehungsdienst. Viele weitere bieten eine eingeschränkte Betreuung oder sogar nur eine Notbetreuung an, wie die Stadtverwaltung am Montag mitteilte. Nur in wenigen Einrichtungen findet der Normalbetrieb statt.

„Ich kann die Gründe, die zum Streik führen, in einer gewissen Weise

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