Waiblingen

Kitas und Schulen in Waiblingen: Wie sicher erkennen Schnelltests Omikron?

Schnelltest Schüler
Nasale Abstrichtests erkennen Omikron nicht so gut wie Rachentests – sind aber leichter zu handhaben. © ZVW/Benjamin Büttner

In der Kita, die vom Kind eines Redaktionsmitglieds besucht wird, waren vor einigen Wochen reihenweise Lolli-Schnelltests negativ, aber trotzdem hatten Kinder Corona-Symptome – und bei einem PCR-Test wurde dann bestätigt, dass es Corona ist. Folge davon ist nun, dass dort die Lolli-Schnelltests gar nicht mehr benutzt werden.

Es steht längst fest, dass Omikron durch viele Schnelltests nicht mehr so gut nachweisbar ist wie die Delta-Variante. Unsere Redaktion hat bei der Stadt Waiblingen nachgefragt, welche Konsequenzen sie daraus bei den Schnelltests für Kitas und Schulen gezogen hat – und welche Tests sie eigentlich einsetzt.

Aktuell 160 aktive Corona-Fälle bei Schülern

Noch sorgt dort die Omikronwelle für hohe Infektionszahlen. In den Waiblinger Schulen in städtischer Trägerschaft gibt es derzeit 160 aktive Corona-Fälle bei Schülern und 18 aktive Corona-Fälle bei Mitarbeitern. Allerdings waren die Zahlen für die Schüler Anfang Februar deutlich höher: Damals waren 288 Schüler infiziert. In den städtischen Kindertageseinrichtungen gibt es aktuell 22 aktive Corona-Fälle bei Kindern und 16 aktive Corona-Fälle bei Mitarbeitern. Zum Vergleich: Anfang Februar befanden sich 26 Kinder aufgrund von Corona-Infektionen in Quarantäne.

Für die Schulen braucht die Stadt im Schnitt 18.000 Schnelltests pro Woche

Für die Waiblinger Schulen in Trägerschaft der Stadt werden im Schnitt rund 18.000 Schnelltests pro Woche gebraucht, für städtische Kindertageseinrichtungen rund 4000 Schnelltests pro Woche. Maßgeblich für die Auswahl der Selbsttests sind für die Stadt Waiblingen die aktuellen Ergebnisse des Paul Ehrlich-Instituts (PEI) sowie die Qualitätsanforderungen des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg. „Dabei wird explizit auf eine möglichst hohe Sensitivität geachtet“, teilt die Stadtverwaltung mit. Weitere Kriterien seien eine hohe Spezifität sowie der möglichst einfache Gebrauch der Tests, um Anwendungsfehler weitestgehend auszuschließen. Es kommen dabei nasale Abstrichtests und Speicheltests unterschiedlicher Hersteller zum Einsatz.

Omikron soll nach derzeitigem Stand durch Rachentests in einem früheren Stadium der Infektion nachweisbar sein. Die Stadtverwaltung betont allerdings auf Nachfrage, keine speziell für einen Rachenabstrich ausgewiesenen Selbsttests in Kitas und Schulen einzusetzen. Rachentests haben in der Anwendung durchaus ihre Tücken: Wer eine Probe entnimmt, muss den Abstrich von der Rachenhinterwand holen. Wer dies nur bei der Wange macht, setzt den Rachentest nicht richtig um. Andere Schnelltests sind da in der Handhabung leichter.

Sozialministerium hat beim Test-Kauf für Schulen und Kitas hohe Anforderungen

Welche Qualitätsanforderungen das genau sind, nach denen sich auch die Stadt Waiblingen richtet, erklärt Pascal Murmann, stellvertretender Pressesprecher des baden-württembergischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration. Das Land hat nach seinen Angaben in seinen Vergabeverfahren von Anfang an verlangt, dass die Tests mindestens 95 Prozent der Infizierten erkennen (Sensitivität) und bei der Spezifität mindestens 98 Prozent erreichen müssen.

Das Paul-Ehrlich-Institut habe in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) Mindestkriterien für Antigen-Tests festgelegt, die entsprechende Tests erfüllen müssen. „Diese Mindestkriterien liegen hinsichtlich der Sensitivität lediglich bei mehr als 80 Prozent und hinsichtlich der Spezifität bei mehr als 97 Prozent.“ Heißt: Die Schnelltests, die das Sozialministerium bisher für Kitas und Schulen im Land geordert hat, erfüllen weit mehr als nur die Mindestkriterien des Paul-Ehrlich-Instituts – vor allem bei der Sensitivität.

Pascal Murmann vom Sozialministerium: Kein Corona-Test bringt 100 Prozent sichere Ergebnisse

Sobald weitere Erkenntnisse zur Wirksamkeit gegenüber Omikron vorliegen, will das Sozialministerium laut Sprecher Pascal Murmannn dies wieder mit konservativer Bewertung bei der Beschaffung von Schnelltests einbeziehen. Klar ist aber: „Vielleicht muss man auch generell noch einmal deutlich machen, dass kein Corona-Test dieser Welt zu 100 Prozent sichere Ergebnisse bringt.“ Jeder Test könne zudem falsche Ergebnisse produzieren, wenn dieser nicht richtig ausgeführt wird – ganz gleich, ob seine Sensitivität 95, 96 oder 97 Prozent betrage. „Die Alternative für das Land wäre schlicht, gar nicht zu testen, allerdings wollen wir das zunächst weiter tun, um eine zusätzliche Sicherheitsbarriere zu schaffen.“

Am Ende könne man die Pandemie aber auch nicht „wegtesten“, sondern es helfe nur Impfen. „Auch für Kinder und Jugendliche gibt es von der Ständigen Impfkommission eine Impfempfehlung.“

Omikron durch Rachentests früher nachweisbar 

Dass Omikron wohl durch Rachentests früher nachweisbar ist, bestreitet Pressesprecher Pascal Murmannn gar nicht. Man kenne die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu. „Die ganz praktische Frage wäre am Ende, wie viele Kinder und Jugendliche in der Schule sich selbstständig ein Stäbchen in den Rachenraum einführen wollen.“

In der Kita, die vom Kind eines Redaktionsmitglieds besucht wird, waren vor einigen Wochen reihenweise Lolli-Schnelltests negativ, aber trotzdem hatten Kinder Corona-Symptome – und bei einem PCR-Test wurde dann bestätigt, dass es Corona ist. Folge davon ist nun, dass dort die Lolli-Schnelltests gar nicht mehr benutzt werden.

Es steht längst fest, dass Omikron durch viele Schnelltests nicht mehr so gut nachweisbar ist wie die Delta-Variante. Unsere Redaktion hat bei der Stadt

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