Waiblingen

Klares Nein zum „Skywalk“

Skywalk
Gegner und Befürworter des Aussichtsstegs verfolgten im Rathaus in Rommelshausen live die Auszählung der Stimmen. © Thomas Schlegel

Kernen. Deutlich haben sich die Bürger in Kernen vom umstrittenen Aussichtssteg „Skywalk“ verabschiedet. Mit „Ja“ votierten 28,31 Prozent der Wähler und stimmten damit gegen den Bau. 12,02 Prozent sagten „Nein“, sie hätten sich den Steg gewünscht. Damit ist der Gemeinderatsbeschluss aufgehoben, der „Skywalk“ wird nicht gebaut.

Das deutliche Ergebnis überrascht alle. „Das Bauchgefühl hat gestimmt, aber man weiß es eben nie im Vorfeld“, kommentiert Steg-Gegner Americo Jorge das Ergebnis. Für Martin Silber, einen der Mitinitiatoren des Bürgerbegehrens, zeigt die hohe Wahlbeteiligung und die deutliche Abkehr von den Stegplänen, dass es gut war, die Entscheidung über ein Projekt dieses Ausmaßes auf eine breite Basis zu stellen. „Unser Gespür war richtig, dass es umstritten ist in der Bevölkerung“, meint er. Es sei nicht um den Steg als solchen gegangen: „Der ist schön geplant, aber nicht an dem Ort.“

Die Mitiniatoren verfolgen die Zwischenergebnisse gebannt

Margret Thumm-Jorge, eine der Mitinitiatoren des Bürgerentscheids, verfolgt gebannt, die Arme überkreuzt, die Zwischenergebnisse. Die grünen Balken der Steg-Gegner schlagen in allen zwölf Wahllokalen höher aus als die roten derer, die den „Skywalk“ begrüßt hätten. „Die Tendenz ist eindeutig auf unserer Seite, aber wir brauchen die 20 Prozent“, äußert sie sich noch verhalten. Sie entfernt sich kurz, um zu telefonieren. „Eine Mitinitiatorin singt heute Abend im Chor, ihr musste ich kurz das Zwischenergebnis ausrichten, damit sie ganz beruhigt singen kann.“

Auch Margret Thumm-Jorge wirkt erleichtert, als definitiv feststeht, dass der Steg nicht kommt: „Wir haben eineinhalb Jahre gekämpft, wir haben gewonnen, der Kampf ist vorbei, wir bedanken uns bei allen Wählern“, sagt sie und zitiert Churchill: „Demokratie ist die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen.“ Wolfgang Neher bedauert, dass die Diskussionen manch „unnötige Konflikte“ in die Gemeinde gebracht hätten, zeigt sich aber in seiner Auffassung bestätigt: „Wenn man nicht aufs Volk hört, kriegt man so ein Vorhaben nicht durch.“ Er gewinnt dem eindeutigen Votum etwas Positives ab: „Ein neues Denken hat sich durchgesetzt.“

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Es ist gespenstisch still, während die ersten Zahlen und Balkendiagramme über den Bildschirm flimmern. Bürgermeister Stefan Altenberger verfolgt mit ernster Miene die Zwischenergebnisse. Bei Bekanntwerden des vorläufigen Ergebnisses macht er keinen Hehl aus seiner Enttäuschung, kommentiert es diplomatisch: „Ich bin überzeugt, dass es eine tolle Attraktion gewesen wäre, aber die Welt geht davon nicht unter.“ Der Steg an einem anderen Standort komme nicht infrage. „Das Thema ist vom Tisch.“

Bedauern bei den Befürwortern

Bedauern auch bei Horst Schaal, Beigeordneter der Gemeinde. „Wir haben dafür gekämpft, weil es eine Bereicherung gewesen wäre, ganz persönlich bin ich maßlos enttäuscht, aber man muss es akzeptieren.“ Als möglichen Grund für die breite Mehrheit der Steggegner führt er „zum Teil mangelndes Interesse“ ins Feld. „Es ist immer einfacher, Gegner zu mobilisieren, viele Bürger haben sich gar nicht in das Thema vertieft.“ Leid tut es ihm für das mit der Planung beauftragte Architekturbüro Schlaich, Bergermann und Partner: „Sie sind mit Freude die Aufgabe angegangen und haben für den Papierkorb gearbeitet.“ In den nächsten Tagen werde zunächst tief durchgeatmet. „Ich hoffe, dass jetzt die anderen Projekte der Gartenschau angegangen werden können und auf kommunaler Ebene die Motivation für die Gartenschau keinen Knick bekommt.“
 

Das Quorum wurde erreicht
12 513 Kernener waren beim Bürgerentscheid über den Aussichtssteg am Naturdenkmal Sieben Linden stimmberechtigt. 5061 Wahlberechtigte haben ihre Stimmen abgegeben, davon 1080 per Briefwahl. Die Wahlbeteiligung lag somit bei 40,45 Prozent.
Mit Ja gestimmt haben 3543 Kernener – sich also gegen den Bau des „Skywalks“ ausgesprochen. Für den Steg haben 1505 gestimmt.
Das nötige Quorum von 20 Prozent der Wahlberechtigten wurde somit erreicht.
Der Bürgerentscheid hat die Gemeinde insgesamt rund 20 000 Euro gekostet. Die genaue Summe will die Verwaltung in den kommenden Tagen bekanntgeben.