Waiblingen

Klimawandel: Neue Bäume im Waiblinger Wald sollen Dürren trotzen

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Freiwillige Helfer bei der Aktion von „Waiblingen klimaneutral“ und dem Stadtförster. © Ralph Steinemann Pressefoto

Früher standen hier Fichten, dann kam der Borkenkäfer und beschädigte die Bäume an dieser Stelle im Waiblinger Stadtwald so stark, dass eine Lichtung entstand. Nun haben Freiwillige unter Anleitung des Stadtförsters neue Bäume gepflanzt, etwa Douglasien und Tulpenbäume. Sie sollen auch mit künftigen Dürren, die wegen des Klimawandels immer wahrscheinlicher werden, besser zurechtkommen.

An die 30 Erwachsene und ein gutes Dutzend Kinder vom Kindergarten- bis ins Teenageralter waren auf einer Waldlichtung in den Brühleichen in Bittenfeld. Revierförster Andreas Münz zeigte ihnen, wie sie - akkurat in Reihen angeordnet - Löcher in den Waldboden graben und in diese Baumsetzlinge versenken: Douglasien, Tulpenbäume, Elsbeeren und Wildkirschen. Die Jungbäume wurden mit Wuchshüllen geschützt, damit sie im kommenden Winter nicht von Rehen gefressen werden.

Springkraut verhinderte natürliche Regeneration

Als sich die Initiative „Waiblingen klimaneutral“ mit der Anfrage an ihn wandte, ob er nicht einen Arbeitseinsatz für sie habe, bei dem man etwas für den notleidenden Wald tun könne, habe er das Angebot gern angenommen, berichtete Revierförster Münz. Die Lichtung, auf der die Bäume gepflanzt wurden, sei vor vier Jahren entstanden, als die Fichten, die dort standen, dem Borkenkäfer zum Opfer fielen. Daraufhin mussten sie gefällt werden.

Die eigentlich angestrebte natürliche Regeneration durch den Wald selbst habe Springkraut verhindert. Dieser Neophyt, also eine nicht heimische Pflanze, die sich hier angesiedelt hat, sei wohl aus einem der nahen Gartengrundstücke eingetragen worden, habe „jeden anderen Bewuchs niedergehalten“. Deshalb habe man die Lichtung bepflanzen müssen, so Münz. Auch nach dem Einpflanzen müsse das Springkraut noch zwei, drei Jahre gemäht werden, damit es die jungen Bäume nicht überwuchere. Mit dem Angebot der Initiative habe sich die Chance eröffnet, hier einen kleinen „Versuchswald“ anzulegen, in dem man miterleben könne, welche der vier Baumarten am besten mit den sich verändernden Lebensbedingungen der Klimakatastrophe zurechtkommen werde.

Revierförster Münz setzt Hoffnungen in den Tulpenbaum

Auf den ursprünglich in den USA beheimateten Tulpenbaum setze man dabei große Hoffnung. Er werde seit ungefähr 100 Jahren in der Rheinebene angebaut und habe dort vielversprechende Ergebnisse gebracht. In den USA nehme er in der Möbelindustrie die Rolle wahr, die hierzulande die Buche besetze. Und gerade die Altholzbuche habe in jüngster Vergangenheit in Tiefholzlagen besonders Probleme und Anlass zur Sorge bereitet; schließlich bestehe der Waiblinger Stadtwald zu einem Drittel aus Buchen.

„Je besser es den Bäumen geht, desto besser geht es auch uns Menschen“, begründete ein Waiblinger Paar sein Mitwirken an der Pflanzaktion. Die beiden sind über 60, bewirtschaften selbst ein Stückle - und sind der Meinung, dass man angesichts der trotz Klimawandels ungebremsten Versiegelung von Freiflächen gar nicht genug tun könne für die Natur. Zudem besitze Waiblingen eh nur wenig Wald, den gelte es fürsorglich zu hegen und zu pflegen. Eine Ansicht, der auch Bruno Fischer zustimmte. Er besitze selbst Wald und habe vor sechs Jahren die ersten Douglasien gepflanzt, die sich sehr gut entwickelten und seitdem drei Meter gewachsen seien. Zudem habe er angefangen, seine Stieleichen durch Traubeneichen zu ersetzen. Darin sieht Fischer einen vielversprechenden neuen Weg.

„Die Natur ist bunt und vielfältig“, so Patrizia Stammherr. Die Mitarbeiterin des Bittenfelder Waldkindergartens war mit ihrem Kind und einer Freundin aus Kernen zu der Pflanzaktion gekommen. „Schließlich sind wir Waldmenschen, wir leben im und mit dem Wald.“ Für Kinder sei es eine tolle Chance, sich einmal nicht nur im Naturraum zu bewegen, sondern auch zu erfahren, wie er genutzt werden kann. Sabine Zeiner von „Waiblingen klimaneutral“ freute sich über die große Teilnehmerzahl. Die Initiative arbeite eng mit Revierförster Münz zusammen. Es sei schön, dass sie nun beim Anlegen des „Versuchswaldes“ mitwirken konnte.

Früher standen hier Fichten, dann kam der Borkenkäfer und beschädigte die Bäume an dieser Stelle im Waiblinger Stadtwald so stark, dass eine Lichtung entstand. Nun haben Freiwillige unter Anleitung des Stadtförsters neue Bäume gepflanzt, etwa Douglasien und Tulpenbäume. Sie sollen auch mit künftigen Dürren, die wegen des Klimawandels immer wahrscheinlicher werden, besser zurechtkommen.

An die 30 Erwachsene und ein gutes Dutzend Kinder vom Kindergarten- bis ins Teenageralter waren auf

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