Waiblingen

Klug und tough: Weinstädter Wissenschaftlerin läuft Ironman

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Ein Leben auf der Überholspur: Nach „Nature“ und „Science“ hat Jennifer Zenker (35) nun auch in „Cell“ eine wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht – und damit nun in allen der drei weltweit einflussreichsten wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Nebenbei trainiert die in Weinstadt aufgewachsene Biologin für die Ironman-70.3-Weltmeisterschaft, die im September in Südafrika stattfindet. Danach wird sie von Singapur nach Australien umziehen und an einer Uni in Melbourne Leiterin ihrer eigenen Forschungsgruppe werden. © Laura Edenberger
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Das Bild zeigt einen lebendigen Embryo, bestehend aus 16 Zellen, bei dem die Zellen computer-technisch segmentiert wurden (türkis). Der Reißverschluss soll darstellen, was das Forscherteam entdeckt hat, nämlich dass der Embryo zu diesem Zeitpunkt versiegelt wird.
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Beim Ironman 70.3 in Bahrain.

Weinstadt/Singapur. „Cell“, „Nature“ und „Science“ heißen die drei weltweit einflussreichsten Fachzeitschriften für Naturwissenschaftler – und Jennifer Zenker hat nun in allen publiziert. Auch sonst geht ihre Karriere steil nach oben: Von Ende 2018 an leitet die aus Weinstadt stammende Biologin in Melbourne eine eigene Forschungsgruppe – in einem der größten Zentren für regenerative Medizin und Stammzellenforschung.

„Davon habe ich immer geträumt, aber nie gedacht, dass es wahr werden könnte“: Mit ihrer neuen Stelle als Forschungsgruppenleiterin an der australischen Monash University klettert Jennifer Zenker im Wissenschaftsbetrieb weiter die Karriereleiter nach oben. Sie wird dort in der Abteilung „Australian Regenerative Medicine Institute“ (ARMI) arbeiten, zunächst mit einem kleinen Team von etwa drei Mitarbeitern. Und dann hängt es von ihrem Erfolg ab, ob die Zahl ihrer Leute wächst. Je mehr Geld sie für ihre Forschung einwerben kann, umso steiler wird es in den nächsten Jahren nach oben gehen. Wichtig dafür sind unter anderem auch die Veröffentlichungen in den einflussreichsten Fachzeitschriften für Naturwissenschaftler. Wie bedeutend diese sind, wird über den sogenannten Impact Factor gemessen – und drei Publikationen spielen dabei ganz oben mit. „Science“, „Nature“ und „Cell“. In letzterer Fachzeitschrift hat Jennifer Zenker im März nun zum ersten Mal veröffentlicht – und zwar über den molekularen Mechanismus im frühen Mausembryo.

Mausembryo über mehrere Tage unter dem Mikroskop verfolgt

Jennifer Zenker hat an ihrer Arbeitsstelle in Singapur untersucht, wie sich der Embryo innerhalb der ersten Woche nach der Befruchtung selbst versiegelt, um einen unter Druck stehenden, flüssigkeitsgefüllten Hohlraum zu bilden. Darin befinden sich laut der 35-jährigen Forscherin die embryonalen Stammzellen.

Entscheidend für diese Entdeckung war nach Angaben der Biologin erneut die Mikroskoparbeit. „Wir können den lebendigen Mausembryo über mehrere Tage live unter dem Mikroskop verfolgen, während dieser sich weiterentwickelt, genauso als wäre er noch im Mutterleib.“ Zusätzlich konnte Jennifer Zenker mit ihren Kollegen spezielle Zellstrukturen einzeln farblich markieren und somit deren Veränderung in Echtzeit erforschen.

Resultate könnten bei künstlicher Befruchtung helfen

Die Ergebnisse könnten einen Beitrag dazu leisten, um zum Beispiel Methoden der künstlichen Befruchtung zu verbessern. So wäre es laut Jennifer Zenker möglich, dass Mediziner leichter erkennen, ob der ausgewählte Embryo in der ersten Woche eine gute Wahrscheinlichkeit hat, sich im Mutterleib zu entwickeln oder nicht. Für den Erfolg einer künstlichen Befruchtung wäre das ein Fortschritt. Denkbar ist auch, dass Jennifer Zenkers Resultate aus der Grundlagenforschung einen Beitrag dazu leisten, Krebs besser behandeln zu können.

Im Herbst hat Jennifer Zenker ihre Arbeit bei „Cell“ eingereicht. Das läuft dann immer so ab, dass ein Redakteur der Fachzeitschrift die Arbeit an drei ausgewiesene Experten weiterleitet. Diese haben dann in der Regel vier bis sechs Wochen Zeit, um eine Rückmeldung zu geben. Drei Szenarien sind dann möglich: Die Arbeit fällt durch, sie wird sofort angenommen oder die Experten finden sie gut, verlangen aber Nachbesserungen, zum Beispiel zusätzliche Experimente. Letzteres geschieht am häufigsten – und so war es auch bei Jennifer Zenker. Ende Dezember musste sie noch nacharbeiten, Anfang Februar reichte sie dann alles erneut bei „Cell“ ein – und am 22. März ist der Artikel schließlich erschienen.

Beim Sport kann die 35-Jährige abschalten

Ihren Ausgleich zur Arbeit findet Jennifer Zenker nicht bei Büchern oder vor dem Fernseher, sondern beim Sport – und zwar bei der Vorbereitung auf den nächsten Ironman. „Ein, zwei Stunden trainieren, das füllt einen total auf.“ Zusätzlich engagiert sich die 35-Jährige seit Anfang des Jahres in ihrer jetzigen Wahlheimat Singapur noch als Schwimmtrainerin – und zwar auch wieder für Triathleten, also für Leute, die wie sie permanent ihre körperlichen Leistungsgrenzen ausloten. Was andere auslaugen würde, braucht Jennifer Zenker, um sich wohlzufühlen. „Es macht sehr viel Spaß.“

Ende 2018 neuer Job in Australien

Im September wird Jennifer Zenker selbst wieder an einer Weltmeisterschaft teilnehmen – und danach steht dann die nächste Herausforderung an: ihr neuer Job in Australien.

Nach unserem ersten Bericht über die 35-Jährige von Anfang September 2017 haben sich viele Freunde und Bekannte bei ihr gemeldet, und auch ihr einstiger Biologielehrer vom Weinstädter Remstal-Gymnasium. „Sogar die Eltern von meinen Schulkameraden haben mich erkannt“, erzählt die Forscherin. Eins ist klar: Unsere Zeitung wird über Jennifer Zenker weiter berichten – sei es nun über ihre Erfolge in der Wissenschaft oder im Sport.


Wieder bei Ironman

Beruflich startet Jennifer Zenker gerade voll durch – und trotzdem wird sie im September bei der WM für den Ironman 70.3 in Südafrika dabei sein. Möglich wurde dies durch ihren Gesamtsieg bei den Mittlerer-Osten-Meisterschaften in Bahrain Ende 2017.

Ironman 70.3 ist eine Triathlonrennserie, deren Name sich aus der Summe der Einzelstrecken von 70,3 Meilen (113 Kilometer) ableitet. Teilnehmer müssen 1,9 Kilometer schwimmen, 21,1 Kilometer laufen und 90 Kilometer Einzelzeitfahren ohne Windschattenfahren (Drafting) absolvieren.