Waiblingen

Knöllchen-Rundgang in der Fronackerstraße

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Mit dem iPhone gibt Bernd Luithardt die Daten ins System ein und macht Fotos. Die Autofahrer bekommen einen Zugang zur Internetseite „knoellchen.info“, auf der sie ihren Verstoß nachvollziehen und bezahlen können. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Das Zonen-Haltverbot (siehe das Schild in Bernd Luithardts Rücken) sorgt für Konflikte. © ALEXANDRA PALMIZI

Waiblingen. Parkplatzsuche in der Fronackerstraße ist kein Vergnügen. Wird ein Stellplatz frei, stößt praktisch sofort der Nächste mit seinem Auto rein. Entsprechend viel Arbeit hat hier der städtische Ordnungsdienst. Warum die Ausrede „Ich hatte kein Kleingeld“ nicht gilt, erfuhren wir bei einer Kontrolltour mit Bernd Luithardt.

Am Stadtgraben, gleich ums Eck bei der „Helmut und Helmut“-Tankstelle, steht so ein Verkehrsschild. Hier beginnt die Parkverbotszone, zu der auch die Fronackerstraße gehört. Das Parken ist nur in den gekennzeichneten Flächen erlaubt und nur mit Parkschein. Die gleichen Schilder gibt’s zum Beispiel in Waiblingen-Süd am Danziger Platz. Hier wie dort hat Bernd Luithardt den Eindruck: „60 bis 65 Prozent der Autofahrer kennen das Schild nicht.“ Womit der Mann vom kommunalen Ordnungsdienst meint, dass sie behaupten, es nicht zu kennen oder nicht gesehen zu haben. Eine Ausrede, die naheliegt, wenn jemand seinen Parkschein nicht gezogen hat – die aber nicht zieht. „Die Zonen-Schilder sind eigentlich gut sichtbar, oder?“, meint der Kontrolleur. Das ist aber nur eine von vielen Standard-Antworten, die er bei seinen Touren zu hören bekommt. Die Zonen-Schilder wurden eingeführt, um den vielfach kritisierten „Schilderwald“ einzudämmen.

Ohne Ausweis auf den Behinderten-Parkplätzen

Eine andere lautet: „Ich hatte kein Kleingeld dabei.“ Das Problem: Quasi als erste Maßnahme zu seinem Amtsantritt hat Neu-OB Andreas Hesky die Brötchen-Taste eingeführt. Die erste halbe Stunde Parken ist in Waiblingen umsonst. In der Zeit kann man viel erledigen, weiß Bernd Luithardt. Eben Brötchen holen, Blumen kaufen oder Geld abheben. Und wenn sich beim ADAC mal wieder eine lange Schlange gebildet hat, dann könne man das ja vorher sehen und müsse halt entsprechend bezahlen. Der Oberbürgermeister übernahm den Chefsessel im Rathaus übrigens im Jahr 2006. Aber die Sache mit der Brötchen-Taste scheint sich noch nicht überall herumgesprochen zu haben. Oder wird ignoriert. So finden wir bei unserer kleinen Tour mehrere Autos ohne Parkschein. Kostenpunkt: 15 Euro. Aber es gibt schlimmere Probleme in der Fronackerstraße.

Vor dem Sanitätshaus Gunser befinden sich zwei Behinderten-Parkplätze. Zwei Autos stehen drauf – ohne Ausweis. Nachdem Bernd Luithardt mit seinem iPhone erst Fotos gemacht, dann das Kennzeichen und die weiteren Daten eingetippt hat, als er gerade das Knöllchen an den Scheibenwischer steckt, kommt eine junge Frau herbeigeeilt und sagt noch beim Einsteigen, ohne Murren: „Sie waren aber schnell!“ Nimmt das Knöllchen und weg ist sie. Eine ältere Dame kommt zum Auto daneben und protestiert, sie könne schlecht gehen. Außer dem Bußgeldbescheid bekommt sie noch den Hinweis, sich einen Ausweis zu besorgen. Nur beim Behinderten-Parkplatz, nicht immer zeigt sich der Vollzugsdienstmann so streng. Am Parkplatz hinter dem Fotogeschäft Sauter-Kienzle lässt er fünfe gerade sein, als eine Frau zwei Schritt vor ihm einsteigt und freundlich gesteht. Sich menschlich zeigen gehört zum Job dazu: „Man darf kein Griesgram sein.“

Wutenbrannte geblitze Autofahrer

Angepflaumt wird er während der Arbeit öfter mal. Aber richtig eskaliert sind diese Situationen nie. Körperliche Angriffe musste Bernd Luithardt in 17 Jahren nie hinnehmen, was auch an seiner durchaus eindrucksvollen Statur liegen mag. Etwas bedrohlich fühlte es sich aber schon an, als er mit Kollegen am Ortsausgang Hegnach in Richtung Remseck mit dem mobilen Blitzer Geschwindigkeiten kontrollierte, wo heute die Säulen diese Arbeit machen. Nachts drehten manche geblitzten Autofahrer beim Kieswerk um und kehrten wutentbrannt zurück, schimpften, klopften aus der Dunkelheit gegen den Bus der Diensthabenden. Also: Scheiben unten lassen, die Leute sich erst einmal austoben lassen. Nach einer Weile, als es ruhiger wurde, konnten sie die Fenster öffnen: „So, jetzt können wir reden.“

Keine Stellflächen für den Lieferverkehr

Zurück auf die Fronackerstraße: Ein Entsorgungs-Transporter parkt auf der Fahrbahn. „Der muss Frittierfett abholen“, weiß Bernd Luithardt, „aber wo soll er stehen?“ Es fehlt an Standflächen für die Lieferanten - und die regulären Parkplätze sind dauerbelegt. Die Autos kurven einspurig an dem Parkenden vorbei. Ähnlich läuft’s, wenn die Paketboten stehen. Der Lieferverkehr darf das, wenn der Fahrer in der Nähe ist. Doch leicht bilden sich Engstellen. Ungleich schwieriger wird’s an Sommerabenden, wenn auch noch die Gäste der Bars auf der Fahrbahn parken - sie wiederum dürfen das nicht. So verlegte Bernd Luithardt einige Male die Spätschicht in die Fronackerstraße. Arbeit gab’s genug.


Häufige Verstöße und was sie kosten

Hier die häufigsten Verstöße im Jahr 2018, die bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs vom städtischen Vollzugsdienst geahndet wurden.

3858 Fälle: Parken im Bereich eines Parkscheinautomaten ohne gültigen Parkschein: Kostenpunkt: zehn Euro.

2118 Fälle: unzulässiges Parken im eingeschränkten Haltverbot – 15 Euro.

1601 Fälle: unzulässiges Parken im eingeschränkten Haltverbot für eine Zone – 15 Euro.

1422 Fälle: Parken ohne Parkscheibe – zehn Euro.

1139 Fälle: Parken auf dem Gehweg – 20 Euro.

749 Fälle: Parken im absoluten Haltverbot - 15 Euro.

690 Fälle: Überschreitung der auf dem Parkschein angegebenen Parkzeit – zehn Euro.

612 Fälle: Parken im eingeschränkten Haltverbot mit Zusatz „Bewohner mit Parkausweis frei“ ohne Parkausweis oder nicht gut lesbar – 15 Euro.

588 Fälle: verbotswidriges Parken in einem verkehrsberuhigten Bereich außerhalb gekennzeichneter Flächen – zehn Euro.

296 Fälle: Parken in einem Verkehrsbereich, der speziell durch Zeichen gesperrt war - 30 Euro.

222 Fälle: Parken in einem Fußgängerbereich - 30 Euro.

52 Fälle: Fahren in der Fußgängerzone – 20 Euro.