Waiblingen

Knackpunkt Hegnach: Der Radschnellweg RS 8 Ludwigsburg/Waiblingen

Pedelec
Wusch! Auf dem Radschnellweg soll's zügig schnurren. © Gabriel Habermann

Mehr als 2000 Radfahrer am Tag sollen eines Tages auf dem neu zu bauenden Radschnellweg RS 8 zwischen Ludwigsburg und Waiblingen unterwegs sein. Gedacht ist nicht an gemütliches Freizeitradeln, sondern an Pendler, die umweltfreundlich und schnell von A nach B kommen wollen. Die Trassenführung birgt so einige Tücken und wurde bis zur Verabschiedung durch den Gemeinderat entsprechend kontrovers diskutiert, insbesondere im Blick auf den Abschnitt bei Hegnach.

Mit einem extravaganten Vorschlag für die Neckarstraße, die täglich von bis zu 20 000 motorisierten Fahrzeugen genutzt wird, wartete die Alternative Liste um Alfonso Fazio auf: Der Radverkehr könnte ungestört über eine Hochtrasse geführt werden, während darunter die Autos und Lastwagen rauschen. In der einen oder anderen chinesischen Großstadt sind solche Radwege Realität. In Hegnach freilich wird erst einmal nichts daraus: Anders als ein konventioneller, asphaltierter Radweg erfordere eine „abgehobene Stadtfahrradbahn“, so argumentiert die Stadtverwaltung, einen sehr hohen Ressourcen-Einsatz von Baustahl und Beton und verursache damit neben hohen Kosten auch einen entsprechend hohen CO2-Ausstoß (graue Energie) und hohe Kosten. Also keine besonders ökologische und nachhaltige Idee.

Fahrrad-Hochtrasse: Kein Platz für Auffahrrampen

Und wohl auch keine praktikable: Um einen solchen Radweg über der Neckarstraße zu errichten, wären am Beginn und am Ende des Streckenabschnitts sowie an allen Anknüpfungspunkten Rampen erforderlich, um den Höhenunterschied von mindestens fünf Metern – viereinhalb Meter Lichtraumprofil bei Lkw – zu überwinden.

Angesichts der beengten räumlichen Verhältnisse wären die notwendigen Flächen für solche Rampen innerorts nicht vorhanden – die „abgehobene Stadtfahrradbahn“ könnte in Hegnach selbst kaum angefahren werden. Bestenfalls wäre an der Einmündung der Oeffinger Straße in die Neckarstraße ausreichend Raum für eine Anschlussrampe vorhanden. Zwar lärmen Fahrräder im Gegensatz zu den Autos nicht, die reinste Freude wäre die Hochtrasse trotzdem nicht für die Anwohner: Ein langgezogenes, sechs Meter hohes Bauwerk über der Neckarstraße würde nicht nur die angrenzende Bebauung, sondern auch das Ortsbild erheblich beeinträchtigen und „nicht dem städtebaulichen Anspruch für die Entwicklung der Ortschaft Hegnach entsprechen“, argumentiert der Fachbereich Stadtplanung weiter. Noch dazu sei in vielen Bereichen nicht einmal genug Platz für Stützpfeiler vorhanden.

Entlang der Landesstraße

Die Hochtrasse kommt nicht, stattdessen beschloss die Mehrheit des Gemeinderats eine überwiegend ebenerdige Trasse: Die auf Waiblinger Markung rund zwei Kilometer lange Trasse führt aus Richtung Neckarrems kommend zunächst entlang der Landesstraße L 1142. Ob sie westlich oder östlich der L 1142 verläuft, ist noch zu klären. Geprüft werden muss auch noch, ob und wo die Landesstraße überquert wird. Der Radschnellweg RS 8 verläuft dann weiter nach Süden entlang des Lärmschutzwalls und des Wohngebiets. An der Oeffinger Straße wird eine Bedarfsampel installiert – und „perspektivisch“ eine Unterführung als kreuzungsfreie Trassenführung. Entlang des Hegnacher Gewerbegebiets wird ein zwischen vier und 6,50 Meter breiter, rund 600 Meter langer Radschnellweg neu gebaut. Trassenvarianten durch das Gewerbegebiet wurden diskutiert und letztlich verworfen. Vor allem, weil Konflikte mit den Nutzern und Gefahren durch Kreuzungen vorprogrammiert erscheinen.

Weiter soll der Radschnellweg von Hegnach in Richtung Waiblingen westlich der Landesstraße L 1142 verlaufen, und zwar auf der alten Hegnacher Straße, die eine direkte Verbindung darstelle und deren Breite größtenteils bereits heute den Anforderungen eines Radschnellwegs genüge, so die Stadtverwaltung. Insbesondere die stark frequentierten Einmündungen der Zufahrten nach Kleinhegnach – und von dort über die Klinglestalstraße weiterführend nach Neustadt – würden bei einer Trassenführung östlich der Landesstraße über die Hegnacher Höhe zu Konflikten führen.

Eine Unterführung und eine Überführung

Weiter geht’s in Richtung Bahnhof Waiblingen: Unmittelbar vor dem Knotenpunkt der L 1142 mit der Westtangente beim Blumenhof Benzing soll der Radschnellweg mittels einer Unterführung „konfliktfrei“ unter der Landesstraße verlaufen – und dann weiter westlich der Bahntrasse. Die Kreuzung der Schmidener Straße würde über eine Überführung ebenfalls „konfliktfrei“ im Sinne eines möglichst sicheren Fortkommens der Radpendler erfolgen. Bei der Bahnbrücke trifft der RS 8 dann auf die Dammstraße. Diese gilt es anzupassen, damit der Radschnellweg bis zum Bahnhof führt.

Der Aufbau des Radschnellwegenetzes wird noch Jahre in Anspruch nehmen. In Zusammenhang damit ist aber auch eine Sanierungsmaßnahme zu sehen, welche die Stadt noch für dieses Jahr plant. Auf dem Feld- und Radweg „Am Holzweg“ zwischen der Westumfahrung, Schmidener Feld sowie der Verlängerung der Max-Eyth-Straße und der Bahnlinie soll der Belag erneuert werden. Der Zustand des Weges macht Radpendlern zwischen Fellbach beziehungsweise Stuttgart auf der einen und Waiblingen auf der anderen Seite schon länger zu schaffen. Für rund 300 000 Euro sollen der Unterbau erneuert, die Asphaltschichten erstellt und der Weg verbreitert werden.

Zwar hat der Gemeinderat der Stadt Waiblingen nun die Trassenführung des Radschnellwegs RS 8 beschlossen. Das bedeutet freilich nicht, dass er nun unmittelbar gebaut würde. Die Planungen werden nun durch die Stadtverwaltung konkretisiert und dann beim Land zur Förderung eingereicht. Nach Aufnahme in das Förderprogramm sind die Entwurfs- und Genehmigungsplanung zu erstellen und die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Das heißt, die Stadt ist dann wieder am Zug und muss die Bebauungspläne entsprechend ausarbeiten.

Mehr als 2000 Radfahrer am Tag sollen eines Tages auf dem neu zu bauenden Radschnellweg RS 8 zwischen Ludwigsburg und Waiblingen unterwegs sein. Gedacht ist nicht an gemütliches Freizeitradeln, sondern an Pendler, die umweltfreundlich und schnell von A nach B kommen wollen. Die Trassenführung birgt so einige Tücken und wurde bis zur Verabschiedung durch den Gemeinderat entsprechend kontrovers diskutiert, insbesondere im Blick auf den Abschnitt bei Hegnach.

Mit einem extravaganten

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