Waiblingen

Kommt ein günstiger Stadttarif für Bus und Bahn?

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Symbolfoto. © Joachim Mogck

Weinstadt. Wer innerhalb von Weinstadt mit dem Bus oder der Bahn fährt, soll nach dem Willen des Gemeinderats bald weniger zahlen. Auf Antrag der SPD hat das Gremium in seiner jüngsten Sitzung der Stadtverwaltung den Auftrag gegeben, mit dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart zu verhandeln. Solche Tickets gibt es schon in Waiblingen, Schorndorf, Urbach und Fellbach.

„Wirkung und Umsetzung unklar, Verwaltungsaufwand sehr hoch“: Mit diesen Worten in der Sitzungsvorlage hat die Stadtverwaltung dem Gemeinderat empfohlen, ein Stadtticket für Weinstadt abzulehnen. Beantragt hatte es zuvor die SPD-Fraktion: Sie forderte die Rathausspitze auf, mit dem VVS in Verhandlungen zu treten und im Haushalt 2019 einen Pauschalbetrag von 20 000 Euro bereitzustellen. „Das Weinstadt-Ticket ist nicht revolutionär. Viele Städte im VVS-Gebiet bieten so etwas teilweise schon seit vielen Jahren an. Von daher können wir die ablehnende Haltung der Verwaltung an dieser Stelle nicht nachvollziehen“, betonte SPD-Fraktionschef Julian Künkele in seiner Haushaltsrede.

In 16 Kommunen im VVS-Gebiet gibt es nach Auskunft der VVS-Pressestelle mittlerweile Zuschussregelungen, seien es vergünstigte Einzel- oder Vierertickets. Im Rems-Murr-Kreis bezuschussen Urbach, Waiblingen, Schorndorf und Fellbach die Vierertickets. Preiswerte Tagestickets bieten Herrenberg und Ludwigsburg für Fahrten innerhalb des jeweiligen Stadtgebiets an. Die Mehrkosten dafür schultert die jeweilige Stadt – und genauso soll es in Weinstadt auch laufen.

Erwachsene müssten für Einzelfahrt nur noch 1,88 Euro zahlen

Die SPD hat dabei in ihrem Antrag durchgerechnet, wie viel Geld Erwachsene und Kinder in ihrem Modell bei Bus- und Bahnfahrten innerhalb des Stadtgebiets sparen würden. Wer von Schnait nach Benzach fahren will und sich dafür ein Einzelticket kauft, muss derzeit für die Einzelfahrt als Erwachsener 2,50 Euro zahlen. Die Route gilt nicht mehr als Kurzstrecke, weshalb keine preiswertere Einzelfahrt für 1,40 Euro möglich ist. Wer ein Viererticket kauft, zahlt dafür jetzt 9,50 Euro und spart somit bei jeder Einzelfahrt zwölf Cent. Würde es dagegen ein Weinstadt-Ticket geben, müsste jeder Erwachsene für die einzelne Fahrt nur noch 1,88 Euro berappen. Gekauft werden muss dann in diesem Fall stets ein Viererticket für 7,50 Euro. Bei Kindern sind nur 3,50 Euro fällig, wodurch die einzelne Fahrt lediglich 88 Cent kostet. Auch das ist deutlich preiswerter als jene 1,30 Euro, die Kinder im Moment für eine Einzelfahrt in Weinstadt ausgeben müssen.

 

„Das ist ein richtiger Ansatz“

Für ihren Vorstoß ernteten die Sozialdemokraten in der jüngsten Gemeinderatssitzung viel Zustimmung. „Das ist ein richtiger Ansatz“, lobte der GOL-Fraktionsvorsitzende Manfred Siglinger. Stadträtin Karin Gaiser (CDU) sah es ähnlich. „Ich kann das nur unterstreichen.“ Lediglich in einem Punkt passte die SPD-Fraktion ihren Antrag an die Wünsche der Stadtverwaltung an. Sie verzichtete auf die Forderung, für das Weinstadt-Ticket 20 000 Euro im Haushalt 2019 bereitzustellen. Oberbürgermeister Michael Scharmann stellte klar, dass es nicht notwendig sei, da Verhandlungen auch so geführt werden könnten.

Der VVS strebt auf Nachfrage unserer Zeitung an, dass Stadttickets in der Region künftig dem Ludwigsburger Modell entsprechen. Eingeführt wurde dieses am 1. August 2018. Im Unterschied zu den Stadttickets in Herrenberg und Marbach werden dort keine ermäßigten Einzeltickets verkauft, sondern Tagestickets: Ein Einzelkunde zahlt dafür drei Euro, eine Gruppe von bis zu fünf Personen sechs Euro. Das Projekt ist nach Auskunft der VVS-Internetseite bis Ende 2019 befristet. Nachahmer gibt es bereits: Esslingen will das Modell vom 1. April an übernehmen. Gültig ist das Ludwigsburger Stadtticket einen ganzen Tag lang, bis 7 Uhr in der Früh am Folgetag. Möglich sind beliebig viele Fahrten im gesamten Stadtgebiet, inklusive allen Teilorten, sowohl mit dem Bus als auch mit der S-Bahn.

Welche Kosten auf Weinstadt zukommen, hängt laut Pia Scholz von der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des VVS von der Einwohnerzahl, dem Anteil am Öffentlichen Personennahverkehr sowie anderen Faktoren ab. „Die Stadt Ludwigsburg leistet beispielsweise einen Ausgleichsbetrag von rund 650 000 Euro. Wenn Plochingen ein Stadtticket einführt, würde das die Stadt rund 40 000 Euro kosten.“

Parkplatzgebühren

Mit großer Mehrheit stimmte der Gemeinderat jüngst auch für den GOL-Antrag, im Haushalt 7000 Euro für ein Gebührenkonzept für Parkplätze in den Ortsmitten und an den Bahnhöfen bereitzustellen. „Die knappen Parkflächen müssen optimal genutzt und Fehlnutzungen durch Gebührendruck verringert werden“, betonte GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger.