Waiblingen

"Komplett entsetzt": Eltern aus Waiblingen lehnen Corona-Impfung für Kinder ab

Masern-Impfpflicht
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Seit Montag können prinzipiell auch Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gegen Corona geimpft werden – auch wenn in Baden-Württemberg laut Sozialministerium vorerst nur Kinder mit erhöhtem Risiko angemeldet werden können, weil eine entsprechende Empfehlung der Stiko noch aussteht. Jedoch schrecken viele Eltern davor zurück, ihre Kinder zum Impfen anzumelden. Das hat zumindest ein Aufruf ergeben, den unsere Redaktion mit Hilfe des Verteilers des Gesamt-Elternbeirates der Waiblinger Schulen getätigt hat.

„Wir sind impfkritisch, aber keine Gegner“, schreibt uns zum Beispiel Yvonne Kalbhenn, Mutter eines 14-jährigen Jungen. Ihr Sohn sei gesund, er habe alle bisher üblichen Impfungen erhalten. Dabei hätten sie sich als Eltern nach den Empfehlungen ihres Hausarztes gerichtet. Jeder Mensch sei eben anders und reagiere verschieden auf bestimmte Stoffe, Lebensmittel oder Wirkstoffe. „Die Menschen kennen ihren Körper am besten oder haben Ärzte, denen sie vertrauen, die die Patientengeschichte kennen. Nun gibt aber der Staat vor, was gut und richtig ist“, kritisiert sie.

Es gibt keine Langzeitstudien

Die Familie will deshalb erst einmal auf die Impfung verzichten: „Wir glauben, dass eine Infektion weniger kritisch ist, als der Impfstoff. Es gibt keine Langzeitstudien. Dies würden wir in jedem Fall abwarten wollen.“ Dass sich auch Ärzte noch nicht einig sind, wenn es um die Corona-Impfung für Kinder geht, verunsichere zusätzlich.

Yvonne Kalbhenn hat die Befürchtung, dass künftig nur noch gegen Corona Geimpfte gesellschaftlich respektiert werden – und die, die sich dagegen entscheiden, womöglich sogar diffamiert werden. „Wir waren immer stolz darauf, in einem freien und liberalen Land leben zu dürfen. Aktuell haben wir das Gefühl, in einem Land der Angst und der Zwänge zu leben, in dem kritische oder andere Meinungen nicht mehr akzeptiert werden.“

Wenn es um Corona geht, ist der Druck in der Schule groß

Auch die Mutter einer Waiblinger Schülerin lehnt die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen ab. Sie möchte lieber anonym bleiben - zum Schutz ihrer Tochter. Der Druck, der an den Schulen herrsche, wenn es um Corona geht, sei auch so schon groß genug.

„Mich entsetzt das komplett, dass Kinder geimpft werden sollen“, so die Mutter. Einen so neuen Impfstoff Heranwachsenden zu verabreichen, findet sie unverantwortlich. Darüber habe sie auch mit ihrer Kinderärztin gesprochen, die definitiv alles andere als eine Impfgegnerin oder gar eine Querdenkerin sei. Diese sei ebenfalls dagegen, Kinder gegen Corona zu impfen.

Erwachsene sollten die Kinder schützen, nicht anders herum

Die Erwachsenen, gerade auch Lehrer und Erzieher, sollten sich impfen lassen, nicht die Kinder, findet die Mutter. „Meine Tochter hatte Corona. Und nach fast zwei Monaten hat sie noch immer einen sehr hohen Anteil an Antikörpern, so dass Impfen für sie nicht nur nicht nötig, sondern auch erst mal bedenklich wäre.“ Außer einem halben Tag mit Fieber habe das Mädchen keinerlei Symptome gehabt.

Sie ist überzeugt: Hätten sie und ihr Mann, die zu der Zeit ebenfalls krank waren, sich nicht testen lassen, hätte keiner gemerkt, dass ihre Tochter Corona hatte. Die Mutter hofft sehr, dass es zu keiner Impfpflicht für Jugendliche kommen wird.

Nachteile für nicht geimpfte Jugendliche?

„Es sollten die Eltern selbst entscheiden dürfen, ohne dass das Kind dann dadurch Nachteile erfährt wie keine Teilnahme am Präsenzunterricht etc.“, sagt auch Evelyn Hald. Sie hat drei Kinder zwischen 15 und 17 Jahren. Das Risiko für Impfnebenwirkungen und die fehlende Langzeitprognose stehen ihrer Meinung nach in keiner Relation zu den doch überwiegend sehr leichten oder symptomlosen Verläufen von Covid-19 bei Kindern und Jugendlichen.

„Unsere schulpflichtigen Kinder nehmen die momentanen Maßnahmen in der Schule wie Masketragen, Selbsttest und so weiter gerne hin: Hauptsache, sie können wieder in die Schule gehen.“ Weiter sollten die Maßnahmen an den Schulen aber auch nicht gehen, findet sie.

Kind mit Vorerkrankung ist schon einmal geimpft

Evelyn Hald ist keine grundsätzliche Impfgegnerin, sieht das Thema aber durchaus kritisch und möchte sich selbst auch noch nicht impfen lassen. Sie testet sich lieber regelmäßig. Trotzdem hat ihr 17-Jähriger vor kurzem die erste Impfung erhalten: Die Ausbildung zum Erzieher steht an, außerdem sind Vorerkrankungen da. „Ich verstehe und toleriere die Angst vieler Menschen und ihre damit verbundene Einstellung zum Impfen“, sagt sie.

Dass sich viele Menschen aber nur impfen lassen, um wieder gewisse Freiheiten zu bekommen, beunruhigt sie. Doch noch erschreckender findet sie etwas anderes: „Dass man gerade beim Thema Corona scheinbar nichts hinterfragen darf, ohne dass man deshalb gleich als ‘Querdenker’ abgestempelt wird oder auf extremes Unverständnis stößt. Schade, dass sich die Gesellschaft so teilt. Das macht mich fassungslos.“

Die Kinder trifft es am härtesten

Dieses Gefühl der Machtlosigkeit kennt auch Stephanie Romano gut. Ihre 14-jährige Tochter möchte sie auch nicht impfen lassen. Dass ausgerechnet für Kinder in der Pandemie besonders strenge Regeln gelten, macht sie wütend und traurig. „Tests, Masken und Abstand sind das Letzte, was ein Kind zur Entwicklung braucht. Überall sind Tests inzidenzabhängig, nur mal wieder bei den Kindern nicht“, ärgert sie sich.

Die Impfung für ab Zwölfjährige ist für sie nur eine weitere Maßnahme, die den Kindern das Gefühl gibt, eine potenzielle Gefahr für andere zu sein, statt sie in dieser schwierigen Zeit zu entlasten.

Noch eine weitere Waiblinger Mutter, die zum Schutz ihres 14-jährigen Sohnes ebenfalls anonym bleiben möchte, spricht sich gegen die Impfung aus. Sie glaubt, dass es für viele Eltern eben eine bequeme Lösung ist, die Kinder impfen zu lassen, damit diese wieder uneingeschränkt in die Schule dürfen und betreut sind.

Kranke Kinder zuhause lassen

Um Ansteckungsketten zu unterbrechen, sei es aber insgesamt einfach wichtig, kranke Kinder auch wirklich zu Hause zu lassen und sie zu pflegen. Auch wenn sie selbst als berufstätige und für lange Zeit alleinerziehende Mutter weiß, dass es nicht immer einfach ist, dem Arbeitgeber die Situation zu erklären.

Gesunde Jugendliche hätten immerhin den großen Vorteil, bei Covid-19 mit einem leichten Verlauf rechnen zu können – und so eine ganz natürliche Immunität gegen das Virus aufbauen zu können, hofft die Mutter. Das sei erstrebenswerter und sicherer als jede künstliche Impfung, bei der noch kaum etwas darüber bekannt sei, wie sie sich auf den Körper eines pubertierenden Jugendlichen auswirke. Zumal eine Impfung ja auch kein 100-prozentiger Schutz sei. Wenn ihre Kinder vorerkrankt wären, sähe die ganze Sache natürlich ein bisschen anders aus, gesteht sie ein.

Angst vor Folgeerkrankung MIS-C

In dieser speziellen Situation ist Gamze Erol: Sie will ihre 14-jährige Tochter unbedingt impfen lassen, bei ihrem ein Jahr jüngeren Sohn möchte sie gerne noch die künftigen Entwicklungen abwarten. „Da meine Tochter mit acht Jahren einen intensivmedizinischen Krankenhausaufenthalt infolge einer bakteriellen und viralen Infektion mit Entzündung des Herzens hatte, bin ich seit Pandemiebeginn sehr besorgt um sie“, schreibt die Mutter. Besonders vor der Krankheit MIS-C, einer Entzündung der Organe, die bei Kindern in einigen Fällen mehrere Wochen nach einer Infektion mit Corona aufgetreten ist, hat sie Angst. „Ich möchte daher, dass meine Tochter auf jeden Fall geimpft wird, um eventuelle schwere Verläufe und erneute Entzündungen des Herzens zu vermeiden.“

Seit Montag können prinzipiell auch Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gegen Corona geimpft werden – auch wenn in Baden-Württemberg laut Sozialministerium vorerst nur Kinder mit erhöhtem Risiko angemeldet werden können, weil eine entsprechende Empfehlung der Stiko noch aussteht. Jedoch schrecken viele Eltern davor zurück, ihre Kinder zum Impfen anzumelden. Das hat zumindest ein Aufruf ergeben, den unsere Redaktion mit Hilfe des Verteilers des Gesamt-Elternbeirates der Waiblinger Schulen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper