Waiblingen

Kompromiss bei Streit um Wohnbau

Bürgerversammlung
Ein Bittenfelder Bürger meldet sich zu Wort. © Palmizi / ZVW

Waiblingen-Bittenfeld. Als Zumutung empfinden einige Anwohner den Plan der Stadt noch immer, bei der Schillerschule ein Haus mit bis zu sechs geförderten Mietwohnungen zu bauen. Dennoch zeichnete sich bei der Bürgerinfoveranstaltung am Dienstag ein Kompromiss ab, mit dem Schule, Elternvertreter und viele Bürger leben können: Das Haus soll nicht direkt neben der Schule gebaut, sondern Richtung Freibad verschoben werden, so dass der Spielplatz unangetastet bleibt.

Was nicht unangetastet bleibt, sind die Parkplätze beim Freibad, und das finden manche Anwohner absolut inakzeptabel. 15 Parkplätze werden voraussichtlich wegfallen, wenn das Haus gebaut wird. In den Sommermonaten seien aber schon jetzt keine Parkplätze zu finden, häufig würden Ausfahrten zugeparkt, monierten Anlieger. „Wie wollen Sie die Parkplatzsituation in Griff kriegen?“, wollte einer wissen. „Was machen Sie wegen der Parkplätze?“, fragte ein anderer. Eine Frau warnte gar davor, die künftigen Bewohner könnten niemals in Frieden leben, weil der Frust der Parkplatzsuchenden zu groß sein werde: „Wie oft hört man, dass Wohnungen angezündet werden...?“ Nach dieser Aussage war’s kurz still im Musiksaal der Schillerschule, und Baubürgermeisterin Birgit Priebe bekannte, jetzt echt sprachlos zu sein: „Das“, sagte sie dann, „wäre ein Zeichen, das so schrecklich wäre, dass sich jeder schämen müsste.“ Eine Bittenfelderin sprang ihr zur Seite: „Wir alle müssen soziale Verantwortung übernehmen. Wir würden schreien, wenn wir eine Wohnung bräuchten. Angst haben zu müssen, dass die angezündet wird, erschreckt mich bis ins Mark.“

„Wir machen kein Haus für Flüchtlinge“

Zuvor hatte die Baubürgermeisterin nochmals über das Bauvorhaben an der Schulstraße berichtet. Die Stadt beabsichtige, dort „einen ganz normalen Wohnungsbau unterzubringen, mit ganz normalen Menschen“. Entgegen anderslautenden Gerüchten solle sich das Gebäude städtebaulich einfügen, die Wohnungen sollten Menschen mit Wohnberechtigungsschein zur Verfügung stehen. Und das seien viele: „Den erhält heute eine vierköpfige Familie mit einem Jahresbruttoeinkommen von 65 000 Euro“, sagte Priebe. Ein Haus für Familien, Alleinstehende und Alleinerziehende solle es werden, mit einer guten sozialen Durchmischung. Derzeit sind bei der Stadt laut Priebe 150 bis 200 Wohnungssuchende gemeldet. „Wir machen kein Haus für Flüchtlinge“, versicherte sie. „Diese Angst kann ich Ihnen nehmen.“

Vorschlag das Haus auf einem Acker zu bauen

Er habe gehört, das Haus werde „voll mit Flüchtlingen“, beharrte dennoch einer der Zuhörer. Und schlug vor, das Haus auf einem Acker zwischen Bittenfeld und Hochberg zu bauen. Da könne das Gebäude dann auch größer werden. „Ich kann auf einem Acker keinen Wohnungsbau machen, und wir bauen keine Flüchtlingsunterkunft“, erklärte die Baubürgermeisterin noch einmal. Eine Zuhörerin wies das Ansinnen klar zurück: Sie sei bestürzt von dem Vorschlag, die Menschen aus dem Ort rausdrängen zu wollen: „Da sprechen Sie nicht für die meisten Bittenfelder, die sind sehr offen.“ Die Stadt müsse in ihren Anstrengungen unterstützt werden, weil mit mehr sozialem Wohnungsbau auch die Mieten günstiger wären. Völlig daneben fand sie das Vorgehen der Gegner: „Bei uns im Dorf haben Kinder Unterschriften gegen das Haus gesammelt. Ich finde es schlimm, dass Bittenfelder ihre Kinder missbrauchen.“

Was ist mit den Wohnungen an der Haupstraße?

Es sei wichtig, sozialen Wohnungsbau zu integrieren, so eine Zuhörerin. „Ich zweifele aber, ob das der richtige Standort ist.“ An der Hauptstraße stünden doch viele Wohnungen leer. Die seien in Privatbesitz, antworte Birgit Priebe: „Wenn Sie Eigentümer kennen, sprechen Sie sie an.“ Schlaumeiern, die seit 30 Jahren nichts an ihrem Haus gemacht haben, werde die Stadt aber nicht das Gebäude sanieren. Eine Frau sorgte sich wegen des Spielplatzstreifens, der einem ersten Entwurf zufolge beim Bau wegfallen würde. „Die Kinder sollen sich doch bewegen, einen sicheren Platz zum Spielen haben“, sagte sie und plädierte deshalb für die vom Ortschaftsrat ins Spiel gebrachte Variante: bei dieser soll das Gebäude in den rückwärtigen Bereich des Grundstücks Richtung Freibad verschoben werden und das Schulgelände unangetastet bleiben. Dies sei ein guter Kompromiss. Auch Schulleiterin Heike Wida sprach sich dafür aus. „Diese Variante gefällt mir am besten. Sie ist am weitesten von der Schule weg.“

Keine Alternativen

Alternativen gibt es nach Aussagen Priebes nicht. Das habe der Suchlauf der Stadt gezeigt. Beim Vereinsgelände werde der Platz von der DLRG benötigt, bei den Mühlweingärten gebe es wasserrechtliche Bedenken. Nur an der Schulstraße und im alten Rathaus seien geförderte Wohnungen möglich. Auch Letzteres gefällt nicht jedem: Er finde es übel, ein öffentliches Gebäude wie dieses für sozialen Wohnungsbau zu missbrauchen, kritisierte ein Zuhörer. Die Baubürgermeisterin versuchte, zu beruhigen: Für das alte Rathaus sei die Denkmalbehörde eingeschaltet, zudem habe der städtische Fachbereichsleiter Michael Gunser ein Faible für alte Bausubstanz: „Das wird sensibel gemacht.“