Waiblingen

Koordinatorin von "Waiblingen liefert" sagt: "Corona verstärkt die Einsamkeit"

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Besonders Menschen, die alleine leben, haben es jetzt schwer. (Symboldbild) © Engin_Akyurt/Pixabay

Auch während der zweiten Corona-Welle jetzt im Herbst will die Initiative „Waiblingen liefert“ unter der Leitung der evangelischen Kirchengemeinde Waiblingen allen helfen, die nicht selber aus dem Haus können – sei es wegen Quarantäne oder einem gebrochenen Bein. Diakonin Hanna Fischer koordiniert das Projekt seit der ersten Stunde an. In den vergangenen Monaten hat sie allerdings gemerkt, dass den Menschen in dieser Krise oft etwas ganz anderes fehlt als Lebensmittel.

Denn jetzt, während des Teil-Lockdowns, fragen längst nicht mehr so viele Waiblinger bei „Waiblingen liefert“ an wie in der ersten Hochphase der Pandemie im Frühjahr. „Die meisten haben sich inzwischen anderweitig vernetzt“, glaubt die Diakonin. Sprich: Die Menschen, die wegen Corona nicht selbst einkaufen gehen, haben jetzt Familienmitglieder, Freunde oder auch Verwandte, die ihnen damit helfen, und müssen nicht mehr auf ein ehrenamtliches Hilfsangebot ihrer Kirchengemeinde zurückgreifen.

Viele private Netzwerke haben sich gebildet

„Das ist auch gut so: Der Grundgedanke hinter 'Waiblingen hilft' war schließlich immer, Menschen füreinander zu sensibilisieren“, sagt die Initiatorin. Die rund 100 Ehrenamtlichen haben aber trotzdem noch zu tun: Gerade bei plötzlichen Quarantäne-Fällen ist schließlich meistens kein solches Familien-Netzwerk vorhanden. „Wir helfen aber auch, wenn die Situation, aus der heraus jemand nicht selber rausgehen kann, nichts mit Corona zu tun hat.“ Zum Beispiel, wenn sich jemand, der alleine lebt, das Bein gebrochen hat.

Bei den Alleinlebenden wirkt sich jetzt vor allem die Kontaktbeschränkung immer mehr aus, glaubt Hanna Fischer: „Je länger die Einschränkungen anhalten, desto mehr zermürbt es die Menschen.“ Immer wieder bekomme sie von Pfarrerinnen und Pfarrern aus ihrem Bezirk von solchen Fällen erzählt. Auch ihr sind in letzter Zeit viele Menschen begegnet, die ganz offensichtlich unter dem Alleinsein leiden.

Das eindrücklichste Erlebnis sei wohl der Telefonanruf eines jungen Mannes gewesen. „Ich weiß gar nicht, wie er an diesen Kontakt kam“, erzählt die Diakonin. Er rief nicht an, weil er seine Einkäufe nicht selbst erledigen konnte. Sondern, weil er ganz offensichtlich sehr einsam war. „Er hatte gerade ein Studium angefangen, sagte, ich hab' ein kleines Zimmer in Waiblingen, aber im Studium läuft alles online ab – es sei schwierig, reinzukommen, Freunde zu finden.“

Niemand spricht gerne übers Einsamsein

Einsamkeit ist kein einfaches Thema, viele Menschen sprechen nicht gerne darüber. Dass jemand so offen die Initiative ergreift wie dieser Student, hat Hanna Fischer noch nicht oft erlebt: „Es wird selten so direkt benannt.“ Doch oft schwingt es in persönlichen Gesprächen zwischen den Zeilen mit, ist bei vielen Menschen anscheinend allgegenwärtig. „Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass Einsamkeit ein Thema ist, das schon lange vorhanden ist und sich jetzt durch Corona nur verstärkt“, sagt Hanna Fischer. Zu denken, dass davon nur bestimmte Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel alte Menschen, so stark betroffen sind, sei falsch: „Das zieht sich durch alle Schichten.“ Egal ob jung oder alt, wohlhabend oder knapp bei Kasse. Auch Geflüchtete seien oft betroffen. Singles, Studenten, Neuzugezogene trifft es jetzt wegen der Corona-Beschränkungen besonders. „Auch Menschen, die jemanden verloren haben, fühlen diesen Verlust jetzt im Herbst unter Umständen noch stärker als sonst.“ Immerhin stehen mehre Trauer- und Gedenktage ins Haus.

Schon länger überlegt die Diakonin, wie dieser Einsamkeit etwas entgegengesetzt werden könne. Sie befürchtet, dass diese zweite Corona-Zeit jetzt im Herbst und Winter für viele Menschen viel schwerer zu ertragen sein wird als die im Frühjahr. „Es wird jeden Abend früher Dunkel, morgens ist es oft neblig, es ist kalt. Das ist ein großer Unterschied zur ersten Corona-Zeit.“ Damals habe sich schließlich alles auf den Sommer hinbewegt, das Wetter war gut, die Leute konnten draußen an der Sonne sein. „Für die meisten war es doch ein halbwegs normaler Sommer. Sie sind vielleicht sogar in den Urlaub gefahren – wenn auch nicht unbedingt dahin, wo sie eigentlich hinfahren wollten“,vermutet Hanna Fischer. Jetzt ist die Situation eine ganz andere.

Ein kleiner Lichter-Gruß soll nur der Anfang sein

Die evangelischen Kirchengemeinden sollen ihren Teil beitragen, damit die Gemeindemitglieder die Chance bekommen, aus diesem Allein-Sein auszubrechen. Für coronakonforme Seelsorge hat die Diakonin schon einige Ideen: So könnte sie sich zum Beispiel eine Art Telefon-Patenschaft vorstellen – für jeden, der sich gerne mit jemandem unterhalten möchte. „Sobald dann alles wieder ein bisschen lockerer ist, wären auch Treffen in kleineren Gruppen eine Möglichkeit.“

Als Allererstes soll aber eine kleine Geste ein bisschen mehr Licht und weihnachtliche Stimmung bringen: Die Diakonin hat dafür die „Lichtzeichen-Aktion“ – quasi die kleine Schwester von „Waiblingen liefert“ – ins Leben gerufen. Zusammen mit dem Verlag Iris Förster und der Druckerei Seybold hat sie eine Lichtertüte entworfen: innen ein elektrisches Teelicht, auf der Vorderseite ein Engelmotiv auf warm-gelbem Hintergrund. Einen Prototyp hat sie schon da, allerdings könne sich das Motiv noch geringfügig verändern, erklärt sie.

Ab Anfang Dezember sollen die kleinen Lichter-Grüße an die verschiedenen evangelischen Kirchengemeinden verteilt werden. Wie die Lichter zu den Menschen finden, regelt jede Gemeinde individuell.

Kontakt für „Waiblingen liefert“ und die „Lichtzeichen-Aktion“:

Unter 07151/5020440 oder per E-Mail an post@waiblingen-liefert.de.

Auch während der zweiten Corona-Welle jetzt im Herbst will die Initiative „Waiblingen liefert“ unter der Leitung der evangelischen Kirchengemeinde Waiblingen allen helfen, die nicht selber aus dem Haus können – sei es wegen Quarantäne oder einem gebrochenen Bein. Diakonin Hanna Fischer koordiniert das Projekt seit der ersten Stunde an. In den vergangenen Monaten hat sie allerdings gemerkt, dass den Menschen in dieser Krise oft etwas ganz anderes fehlt als Lebensmittel.

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