Waiblingen

Korber Bürger machen Druck

Widerstand gegen Tierkrematorium_0
Einige Korber Bürger sind dagegen, dass in diesem Haus (Boschstraße 16) ein Tierkrematorium entsteht. © Ralph Steinemann Pressefoto

Korb. Die Pläne für ein Tierkrematorium im Korber Gewerbegebiet „Unteres Gewässer“ erregen die Gemüter. In der jüngsten Gemeinderatssitzung machten aufgebrachte Anwohner erneut ihren Standpunkt klar. Sie befürchten Geruchsbelastung und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in dem Gewerbegebiet, in dem mehrere Gastronomiebetriebe und ein großer Lebensmittelmarkt angesiedelt sind. Die Tieba Tierkrematorium AG plant, die Verbrennungsanlage im Juli oder August in Betrieb zu nehmen.

In der Einwohnerfragestunde, die jeder öffentlichen Gemeinderatssitzung vorausgeht, traten am Dienstagabend in der Alten Kelter mehrere Bürger ans Mikrofon. Unter ihnen war auch Ronald Petermann, Inhaber des Edeka-Supermarkts im Süden von Korb. 453 Unterschriften habe er in nur drei Tagen gegen das Vorhaben gesammelt, so Petermann an Bürgermeister Jochen Müller. Das zeige die große Brisanz des Bauvorhabens. Er verstehe nicht, warum die Gemeinde die Bürger nicht offensiver über die Pläne informiert habe.

Die Verwaltung habe ihre Pflicht mit einer entsprechenden Veröffentlichung im Mitteilungsblatt erfüllt, sagte Bürgermeister Jochen Müller. Nun, da die Bürger ihre Bedenken beim Landratsamt eingereicht hätten, werde unter Umständen ein Erörterungstermin stattfinden, bei dem die Firma Stellung nimmt. Darüber müsse allerdings das Landratsamt entscheiden. Von diesem habe Müller den klaren Hinweis erhalten, dass er keine inhaltlichen Auskünfte zum Thema geben dürfe. Das gelte insbesondere auch für die nichtöffentlichen Beratungen über die Ansiedlung im Gemeinderat.

Bürger: Korb soll Stellung beziehen

Es liegt allerdings die Vermutung nahe, dass der Gemeinderat sich bei der Genehmigung des Tierkrematoriums nicht über die Ausmaße im Klaren war. So ist in der amtlichen Bekanntmachung des Landratsamts von bis zu 10 Tonnen Tierkadavern am Tag die Rede. Ursprünglich war eine deutlich geringere Menge gehandelt worden, wie Jürgen Müller (Freie Bürger) andeutete.

Der Korber Martin Berg, der auf der anderen Seite der Kreisstraße gegenüber dem Gewerbegebiet wohnt, befürchtet, dass auch das dortige Wohngebiet von den Emissionen des Tierkrematoriums betroffen wäre. Er forderte den Gemeinderat auf – wie einst zum Thema Windkraft –, eine öffentliche Stellungnahme abzugeben und nicht nur auf Landratsamt und Regierungspräsidium zu verweisen. Anderseits sei er auch bereit, eine Bürgerinitiative zu gründen und den Protest auszuweiten.

Alternativvorschlag: Gewerbegebiet Riebeisen

Als Alternativstandort schlagen die Anwohner das Gerwebegebiet Riebeisen vor, abseits der Wohnbebauung. Ob es stimme, dass der Firma ein Bauplatz dort nicht genehmigt worden sei, fragte ein Anwohner. Bürgermeister Müller wich aus: „Ich werde in öffentliche Sitzung des Gemeinderats nicht über nichtöffentlich zu behandelnde Grundstücksangelegenheiten informieren.“

Öffentlich behandelt wird das Thema im Gemeinderat voraussichtlich am 21. Mai. Dann wird ein Antrag der CDU/Freien Wähler diskutiert. Diese fordern, „dass die Gemeinde Korb alle Möglichkeiten nutzen soll, um die Errichtung eines Tierkrematoriums (...) im Gewerbegebiet in Korb zu verhindern“. Sie fordern die Gemeinde auf, auf den Investor einzuwirken, „damit dieser auf eine Ansiedlung in Korb verzichtet“.