Waiblingen

Korber Höhe soll neu aufleben

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Das Mikrozentrum wirkt, zum Ärger vieler Stadtteil-Bewohner, vernachlässigt. © Schneider / ZVW

Waiblingen. Viele Jahre galt der Fokus der Stadtentwicklung dem Waiblinger Süden, nun kommt die Korber Höhe wieder stärker in den Blick. Nicht zuletzt wegen der tristen Leerstände im Mikrozentrum. Gerade recht kommt jetzt das soziale Projekt „Quartier 2020 – Gemeinsam auf der Korber Höhe“, das die Generationen verbinden soll.



Die Leerstände im Mikrozentrum führen vor Augen, dass auf der Korber Höhe etwas ins Stocken geraten ist: Nach 40 erfolgreichen Jahren hat die Pionier-Generation des Restaurants Staufer-Kastell mit seinem legendären Wirt Charly Herrmann sowie des Friseurladens von Brigitte Riedl keine beziehungsweise keine dauerhaften Nachfolger gefunden. Ein Phänomen, das unter anderem mit der Altersstruktur im Stadtteil zusammenhängt. Auf solche sozialen und demografischen Herausforderungen reagiert das Sonderprogramm „Quartier 2020“ der Landesregierung Baden-Württemberg, für das die Stadt Waiblingen den Zuschlag erhalten hat und das am 16. März mit einer Zukunftswerkstatt unter möglichst großer Beteiligung der Bürger sowie bewährter Akteure wie Bürgeraktion, Rat und Tat, Kirchen, Schulen, Kitas, Jugendfarm und Forum Nord starten soll.

Option: Forum Nord ins Mikrozentrum verlegen

30 000 Euro kommen vom Land, ein ähnlicher Betrag von der Stadt. Die angestrebte breite Bürgerbeteiligung soll für Akzeptanz sorgen, inhaltlich möchten die Projektverantwortlichen daher nicht zu weit vorgreifen. Nur so viel deuten Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr und Fachbereichsleiter Markus Raible an: Das Miteinander der Generationen soll gestärkt werden. Entstehen sollen kleine Projekte, die Vernetzung und lebendige Nachbarschaft fördern. Ein Augenmerk soll bei der älteren Generation liegen, zumal es auf der Korber Höhe, anders als im Süden oder in den Ortschaften, laut Raible keine stationären Angebote gibt und ambulante Dienste aus der Kernstadt anfahren. Möglichst lange in der vertrauten Umgebung leben zu können, lautet das Ziel. Unter dem Motto „neue Gesprächsmöglichkeiten schaffen“ wird außerdem über eine Verlegung des Forums Nord ins Mikrozentrum nachgedacht. Eine Art Lotsenstelle für Fragen und Hilfen deutete Patricia Rehbein-Bönisch, Leiterin des Forums Nord, auf Nachfragen der Stadträte im Ausschuss für Bildung, Soziales und Verwaltung als eine weitere Option an.

Von Pollern: Mikrozentrum wirkt aktuell „verlottert“

Obwohl es sich eigentlich um ein soziales Quartiersprojekt handelt, betonten die Stadträte den Zusammenhang mit der baulichen Situation und der (Nicht-) Belegung der Geschäfte im Mikrozentrum. Zu lange habe der Fokus auf Waiblingen-Süd gelegen, monierte Ingo von Pollern (CDU), das Mikrozentrum wirke aktuell „verlottert“. Ähnlich forderten Peter Beck (SPD) und Daniel Bok („Grünt“), den Blick auf das ganze Mikrozentrum hin zu öffnen. Grundsätzlich könne es sich lohnen, alle Quartiere regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen. Potenzial habe die Korber Höhe zweifellos. Für die DFB-Fraktion hieß Siegfried Bubeck den Perspektivwechsel zur Korber Höhe gut und riet, genau auf den Bedarf der Bürger zu hören. Wegen des Generationswechsels komme das Projekt zum jetzigen Zeitpunkt „absolut passend“, äußerte Dagmar Metzger (ALi) ihre Zustimmung.

Wie Bürgermeisterin Christiane Dürr versicherte, arbeite die Wirtschaftsförderung gemeinsam mit den Eigentümern mit „Hochdruck“ an einer Nachfolge-Lösung für das Mikrozentrum – „aber sie können sich die Mieter nicht backen“. Zumindest das äußere Erscheinungsbild könnten sie allerdings schon verbessern, sagte die frühere Stadträtin Sabine Raetzel in der Bürgerfragestunde. Aber zwei Jahre nach der Schließung hingen immer noch die Plakate des ehemaligen russischen Ladens an den Scheiben, vor dem Staufer-Kastell verdorrten die Pflanzen. Ihre Anregung: schöne, großformatige Bilder aufhängen.