Waiblingen

Korber Köpfe: Putztrupp entfernt Schmierereien

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Ein Anstrich soll helfen, dass die Schmierereien verblassen. © Ramona Adolf
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Penisse, Smileys und Hakenkreuze wurden auf das Exponat "Klangheimlich" aufgesprüht. © Ramona Adolf
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Die Schriftzüge verschmieren. Vollständig lösen lässt ich die Farbe mit Terpentin aber nicht. © Ramona Adolf

Korb. Nachdem Unbekannte zwischen Sonntag und Montag Kunstwerke der Freiluft-Ausstellung „Köpfe am Korber Kopf“ mit Graffiti besudelt hatten, ist am Donnerstag ein neunköpfiger Putztrupp ausgerückt, um zumindest zwei der Arbeiten von den Schmierereien zu befreien.

Beißender Terpentingeruch hängt in der Luft. Mit Lappen, Küchenschwämmen und Schmirgelpapier rücken der Künstler Jo Nagel aus Althütte und freiwillige Helfer aus Korb den Graffiti-Schmierereien zu Leibe, die Unbekannte zwischen Sonntag und Montag an den „Köpfen am Korber Kopf“ hinterlassen haben. Zwei Ausstellungsstücke will der Putztrupp wieder herrichten: „Klangheimlich“ am Standort Acht und „Hand in Hand auf neuen Wegen“ am Standort Vier. Wie mit den weiteren Arbeiten verfahren wird, müssen die jeweiligen Künstler noch entscheiden.

Hakenkreuze, Penis-Symbole, Smileys

Terpentin allein wird jedenfalls nicht reichen, um die beiden Kunstwerke wiederherzustellen. Die Farbe löst sich nicht vollständig von ihnen. Beim Exponat „Klangheimlich“, einer Holzhütte mit klingenden Elementen, verschmieren die Schriftzüge einfach. Die Kunstprofilklasse 10 des Staufer-Gymnasiums Waiblingen hatte das Objekt im vergangenen Schuljahr für die Ausstellung „Köpfe am Korber Kopf“ gezimmert; seit dem Wochenende prangen darauf Hakenkreuze, Penis-Symbole, Smileys und Ähnliches. Die zugehörige Bärenfigur kann gar nicht erst mit Lösemittel behandelt werden. Sie wurde aus der Hütte herausgezogen, das genähte Bärenfell wurde teilweise abgerissen und eine Sonne auf einen herabhängenden Zipfel aufgesprüht.

Ärger und Unverständnis bei den Künstlern

„Ohne Hirn, ohne Nachdenken, werden hier Sachen kaputt gemacht“, sagt Nagel mit einer Mischung aus Ärger und Unverständnis. „Das wäre, als würde man jemandem einfach aufs Handy drauftreten.“ Schließlich steckten in den Gegenständen persönliche Erinnerungen, hätten sie auch für die Künstler einen persönlichen Wert, so Nagel. Ganz zu schweigen von dem Mehrwert für Spaziergänger, die sich über die Abwechslung und Denkanstöße freuten.

Immerhin, allem Ärger zum Trotz: Bei der zweiten Arbeit „Hand in Hand auf neuen Wegen“ könnte ein Anstrich helfen. Das Kunstwerk besteht aus Porenbeton; Nagel hat es 2017 in stundenlanger Arbeit mit Mitgliedern des Freundeskreis Asyl, syrischen und irakischen Flüchtlingen hergestellt. Die eingearbeiteten Symbole für Hoffnung, Frieden, Sehnsucht sind mit Schriftzügen und Symbolen besprüht worden. Das Lösemittel ließ die schwarzen Zeichen verblassen; eine weiße Deckschicht soll sie vollends verbergen. Ob damit Ruhe einkehrt, bleibt jedoch abzuwarten.


Nicht aufgeben

Ruth Messer, Kuratorin der Ausstellung „Köpfe am Korber Kopf“, steht trotz der gehäuften Vorfälle – dann im August, nun wieder – unverbrüchlich hinter dem Konzept der Nahbarkeit: „Wir geben nicht auf!“