Waiblingen

Kostenexplosion an der Urbanschule

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Korb Urbanschule Thema Gemeinderat
Die Urbanschule in Korb. © ZVW/Danny Galm
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Michaela Branz, die Elternbeiratsvorsitzende, rief in der Bürgerfragestunde dazu auf, angesichts der Kosten „Alternativen“ zu überlegen.

Korb. Die Alarmmeldung zu den Ausschreibungsergebnissen für die Urbanschule bestätigt nicht nur CDU-Fraktionschef Friedrich Zimmerle. Er hatte Baukosten von über zehn Millionen prophezeit. Auch für die Befürworter des Standorts Brucknerstraße rücken die Kosten allmählich auf das Niveau ihres Komplettneubaus. Im Ausschreibungspaket I liegt der Bieterpreis in Höhe von 2,2 Millionen um sage und schreibe 43 Prozent über Plan. Das Rathaus zieht die Notbremse und schreibt neu aus.

In einer sehr lebhaften Ratsdebatte verlangten die Korber Gemeinderäte nicht nur Aufklärung darüber, wie es zu diesem katastrophalen Angebot kommen konnte. Sie hegen auch Misstrauen gegenüber dem von den Architekten und der Gemeindeverwaltung ausgeworfenen Rettungsring.

Das inakzeptable Ausschreibungsergebnis für Paket I des Anbaus (Rohbau, Gerüstbau, Blitzschutz und Aufzug), das bei der günstigeren der zwei Bieterfirmen um circa 660 000 Euro über dem Kostenanschlag 1,54 Millionen Euro liegt, wird jetzt nämlich annulliert und durch eine zweite Ausschreibung im Oktober ersetzt.

Der Gemeinderat gab dazu grünes Licht. Das Rathaus hofft, dass großzügigere Zeitvorgaben für den Baustart für die Firmen, die wegen der heißgelaufenen Konjunktur kurzfristig kaum noch Kapazitäten frei haben, attraktiver sind und so echter Wettbewerb entsteht.

Kostensicherheit bedeutet nicht, dass es auch sicher billiger wird

Wichtiger ist aber, dass in diesem zweiten Durchgang bisher getrennt geplante Ausschreibungen zusammengefasst werden. 77 Prozent der gesamten Bauleistung für den An- und Umbau der Urbanschule werden zu einem Paket geschnürt.

Damit könne, argumentiert das Bauamt, schon zu Beginn der Maßnahme Kostensicherheit geschaffen werden. Würden die Ausschreibungen weiterer Gewerke weiterhin hintereinander gestaffelt, drohte nämlich, dass scheibchenweise wiederholt völlig überzogene Bieterpreise im Rathaus eingehen.

Die Kostenentwicklung wäre nicht beherrschbar. „Wenn das dann schrittweise so weiterginge, können Sie an den Punkt kommen und sagen, wir können uns das nicht mehr leisten“, warnte BM Jochen Müller. Eine Garantie, dass das Ergebnis des großen Pakets billiger ausfällt als das jetzige, sprich deutlich unter dem Preisaufschlag von 43 Prozent liegt, gibt es aber nicht.

Das macht Gemeinderäte stutzig, denn der Baustart verzögert sich nun weiter um rund neun Monate. Der bauleitende Architekt Martin Ott betonte im Gemeinderat: „Die Zusammenfassung von vielen Gewerken schafft für die Gesamtkosten Sicherheit, aber ich bin nicht sicher, dass die auch günstiger sind.“

Wie kam es zu dem Gau der ersten Ausschreibung? Nach dem Anstieg der vom Planungsbüro Löhle, Neubauer & Architekten berechneten Ausgaben für die Urbanschule von sechs auf inzwischen 9,6 Millionen sind die Gemeinderäte misstrauisch geworden. Architekt Matthias Weiss, Mitarbeiter des renommierten Augsburger Büros, musste Gründe liefern.

Überhitzte Baukonjunktur

Die überhitzte Baukonjunktur spiele eine wichtige Rolle. Vor dem Hintergrund gefüllter Auftragsbücher sei für ausgelastete Firmen die Frist zwischen Ausschreibung und Baustart in Korb zu kurz gewesen. Vorgesehen war, die Aufträge Ende Juli zu vergeben und bereits Ende August mit den Bauarbeiten zu beginnen. „Überraschend“ seien die stark überhöhten Preise für das Architektur-Büro aber auch, wenn es die eigenen Erfahrungswerte von Schulbauprojekten im Großraum München zugrunde lege.

Der auf die Gesamtmaßnahme hochgerechnete Angebotspreis 628 Euro/Kbm übersteigt den von der Architektenkammer für allgemeinbildende Schulen im Großraum Stuttgart hochgerechneten Wert 515 Euro/Kbm deutlich. Das Büro Löhle, Neubauer & Architekten hatte 2017 für den Urbanschul-Anbau einen Einheitswert in Höhe von 552 Euro/Kbm kalkuliert.

„Mich hat ein bissle überrascht, dass Sie überrascht waren“, machte CDU-Fraktionschef Frieder Zimmerle seinem Unmut Luft. „Unsere Preise bestätigten sich bei unseren bisherigen Schulbauten. Wir waren überrascht, dass sie hier explodieren“, rechtfertigte sich Matthias Weiss. „Es ist schwer, eine Prognose abzugeben, wo die Preise hinlaufen. Wir legen nach bestem Wissen und Gewissen Preise seriös fest und orientieren uns an Erfahrungswerten.“

Für FB-Fraktionschef Albrecht Ulrich „hat man das im Grunde genommen kommen sehen“. Die ständigen, auch selbst verschuldeten Verzögerungen hätten angesichts der Lage am Baumarkt zu Preisaufschlägen führen müssen. Ihn ärgere zudem, dass die Gemeindeverwaltung eine geplante zweite Ausschreibung noch vor einem Ratsbeschluss öffentlich gemacht habe. „Wir brauchen heute gar nicht mehr abstimmen, weil: Es ist ja schon kommuniziert.“


"Eltern beteiligen"

Elternbeiratsvorsitzende Michaela Branz beklagte zu Beginn der Ratssitzung, dass die Eltern beim täglichen Schulgeschäft (Sonnenschutz) im Rathaus nicht gehört würden. Vor allem nahm sie die Kostenexplosion zum Anlass, für erneutes Nachdenken über bauliche Alternativen zu appellieren.