Waiblingen

Kostenlose FFP2-Masken: Apotheker in Waiblingen kritisieren die Politik - und sagen, wie sie auf den Ansturm durch die Kunden vorbereitet sind

FFP2 Schutzmasken
Barbara Nogrady ist Inhaberin der Waiblinger Bahnhof-Apotheke Dr. Riethmüller. © Benjamin Büttner

Kostenlose FFP2-Masken für Risikogruppen hat die Politik versprochen – und nun soll es sie in ganz Baden-Württemberg geben. Die entsprechende Verordnung zum Anspruch auf Schutzmasken ist mittlerweile in Kraft treten. Damit kann am Dienstag, 15. Dezember, die Ausgabe der Gratis-FFP2-Masken über die Apotheken erfolgen. Die Frage ist: Wie groß wird der Ansturm sein?

Die sogenannten partikelfiltrierenden Halbmasken bieten einen deutlich höheren Schutz vor Corona. Je drei Gratis-Masken sollen bis 6. Januar 2021 Menschen über 60 sowie Risikoschwangere und Personen mit Vorerkrankungen erhalten. Die Apotheker in Waiblingen, mit denen unsere Zeitung gesprochen hat, fühlen sich indes von der Politik überrumpelt. Sie wissen nicht, wie viele Menschen von Dienstag an wegen der Masken kommen – und ob die Vorräte für alle reichen.

Erneut bestellt - wann kommt die Ware?

Barbara Nogrady ist Inhaberin der Bahnhof-Apotheke Dr. Riethmüller in Waiblingen. Sie hat wie viele andere aus der Presse erfahren, dass nun doch die Apotheker für die Verteilung der kostenlosen FFP2-Masken zuständig sind. Sie hatte zwar schon welche auf Vorrat, aber trotzdem hat sie vergangene Woche erneut Masken bestellt. Ob diese zum angegebenen Lieferdatum tatsächlich in ihrer Apotheke ankommen, weiß sie allerdings nicht.

Wunsch: Kunden sollen nicht alle in den ersten Tagen kommen

Barbara Nogrady fragt sich, wie sie die Ausgabe der Masken regeln soll. Schließlich gibt es ja noch Kunden, die mit einem ärztlichen Rezept für ein Medikament kommen. Sollen die in der gleichen Schlange stehen wie jene, die ihre drei Gratis-Masken abholen? Oder soll es zwei Schlangen geben? Erste Anfragen von Kunden hat die Apothekerin bereits vergangene Woche erhalten. Barbara Nogrady bittet nun ihre Kunden darum, nicht alle am erstmöglichen Termin zu kommen, um ihre drei Gratis-Masken zu holen.

Dafür haben die Menschen schließlich auch bis zum 6. Januar 2021 Zeit. Der Apothekerin ist indes auch bewusst, dass nicht wenige Leute die Sorge umtreibt, nichts mehr zu bekommen, wenn sie nicht gleich in den ersten Tagen ihren Anspruch geltend machen.

Apothekerin aus Bittenfeld ärgert sich

Beate Friedrich-Lüchow, Inhaberin der Apotheke Friedrich in Bittenfeld, erzählt, dass sie vergangene Woche gefühlt die Hälfte der Zeit dafür gebraucht habe, die Kunden mit Blick auf die FFP2-Masken zu beruhigen. Am Donnerstagabend nach Dienstschluss habe sie dann die Zeit genutzt, um sich zu informieren. Auch sie hat über die Presse erfahren, was die Apotheken vom 15. Dezember 2020 an leisten sollen. Das Vorgehen der Politik findet sie alles andere als gut geplant. „Wir hängen alle in der Luft.“ Gut hätte sie es gefunden, wenn die Politik erst mal geprüft hätte, ob das alles umsetzbar ist, bevor sie die Menschen informiert.

„Wir haben Menschen und Patienten, mit denen wir umgehen“

Das Problem besteht nach Einschätzung von Beate Friedrich-Lüchow nicht darin, dass es keine FFP2-Masken gibt. „Natürlich habe ich auch Masken bestellt, wie jeder andere auch.“ Entscheidend wird ihrer Ansicht nach sein, ob die Menge auch ausreicht, um auch bei einem möglichen Ansturm alle zu versorgen. Schließlich, sagt die Bittenfelder Apothekerin, betreibe man nicht irgendein Geschäft, bei dem der Kunde eine bloße Nummer sei. „Wir haben Menschen und Patienten, mit denen wir umgehen.“

Kunden wollten Gratis-Masken schon vergangene Woche haben

Kathrin König, Inhaberin der Engel-Apotheke in Waiblingen-Süd, ist mit dem Vorgehen der Politik ebenfalls alles andere als zufrieden. „Es wäre schön gewesen, wir hätten vorher irgendwas gewusst.“ Bereits einige Minuten nachdem Gesundheitsminister Jens Spahn die Nachricht verkündet hat, ist bei Kathrin König der erste Kunde gewesen, der nach FFP2-Masken fragte. Es war ein älterer Herr, der seine drei Gratis-Masken abholen wollte. „Ich bin 72, ich darf das“, habe der Mann gesagt. Als sie darauf hingewiesen habe, dass das alles noch zu früh sei, habe der Mann so getan, als ob sie als Apothekerin ahnungslos sei.

Vorurteile in den sozialen Netzwerken

Wenn Leute in sozialen Netzwerken nun auch noch schreiben, dass die Apotheker jetzt ein Riesengeschäft machen könnten, dann ärgert das Kathrin König. Schließlich muss sie als Apothekerin erst mal in Vorleistung gehen – und dann hoffen, dass sie nicht zu lange auf das Geld vom Staat warten muss. „Ich muss ja das Zeug einkaufen.“ Und noch immer gebe es zudem Leute, die denken würden, dass Apotheker wahnsinnig viel Geld verdienen würden – doch diese Zeiten seien schon lange vorbei.

Gegen Vorlage eines Coupons der Krankenkassen

Kathrin König überlegt nun, wie sie die Ausgabe der FFP2-Masken organisiert. Die ersten drei sollen laut Regierung im Dezember gegen Vorlage eines Altersnachweises ausgegeben werden. Zwölf weitere kostenlose Masken gibt es dann zwischen dem 1. Januar 2021 und dem 15. April 2021 – und zwar gegen Vorlage eines von den Krankenkassen per Post verschickten Coupons.

Beitrag der Apotheker zur Bewältigung der Krise

Kathrin König will nun einen Mitarbeiter für die Ausgabe der FFP2-Masken abstellen. „Der Aufwand dahinter ist nicht zu unterschätzen“, sagt die Inhaberin der Waiblinger Engel-Apotheke. Mit Blick auf die hohen Corona-Zahlen hofft sie, dass die Apotheken ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten können. „Wir sind mit unserem Versorgungsauftrag für die Bevölkerung da.“

Rat von Patrick Pfeifer: Auf das CE-Zeichen achten

Apotheker Patrick Pfeifer richtet in seiner Waiblinger Central-Apotheke einen separaten Bereich ein, wo nur jene Kunden bedient werden, die wegen der FFP2-Masken kommen. Trotzdem hofft auch er, dass nicht alle am ersten Tag ihre Masken haben wollen. Grundsätzlich rät Patrick Pfeifer allen, bei den Masken aufs CE-Zeichen zu achten. Dieses müsse auf jeder Packung und zusätzlich jeder einzelnen Maske zu finden sein. „Nur dann hat man die Sicherheit, dass die Masken geprüft sind von der Prüfstelle.“

Patrick Pfeifer will mit Maskenmobil Kunden ab 2. Januar beliefern

Mit Blick auf 2021 will Patrick Pfeifer etwas dafür tun, damit Kunden nicht extra wegen FFP2-Masken in die Apotheke gehen müssen. Zusammen mit der ebenfalls ihm gehörenden Waiblinger Staufen-Apotheke und der Remspark-Apotheke seiner Mutter Ursula Pfeifer wird er den Leuten einen Lieferservice anbieten. Ein sogenanntes Maskenmobil soll dann auf Bestellung ohne Aufpreis Masken im ganzen Rems-Murr-Kreis ausliefern. Losgehen soll es am 2. Januar 2021.

Patrick Pfeifer merkt nämlich seit dem ersten Lockdown im Frühjahr, dass die Leute sich immer öfter Medikamente liefern lassen, statt sie selbst zu holen. „Der Service wird geschätzt.“

Kostenlose FFP2-Masken für Risikogruppen hat die Politik versprochen – und nun soll es sie in ganz Baden-Württemberg geben. Die entsprechende Verordnung zum Anspruch auf Schutzmasken ist mittlerweile in Kraft treten. Damit kann am Dienstag, 15. Dezember, die Ausgabe der Gratis-FFP2-Masken über die Apotheken erfolgen. Die Frage ist: Wie groß wird der Ansturm sein?

Die sogenannten partikelfiltrierenden Halbmasken bieten einen deutlich höheren Schutz vor Corona. Je drei Gratis-Masken

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