Waiblingen

Kreissparkasse vergibt den Gründerpreis

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Die Gründerpreisträger 2017: Dr. Norman Mechau, Kristian Borkert, Stefan Soehnle, Fikret Bilgeoglu und Jochen Roos mit Laudator Ralph Walter von der Kreissparkasse (von links). © Habermann/ZVW

Waiblingen/Korb. Sogar aus England ist eine eingeflogen: 22 Bewerbungen bekam die Kreissparkasse in diesem Jahr, 22 Neu-Unternehmer haben sich beim Gründerpreis der Kreissparkasse beworben und wollten sich damit den Start in die Selbstständigkeit noch zusätzlich erleichtern. Im Korber Schützenhaus war jetzt die Preisverleihung.

Video: Dr. Norman Mechau ist einer der Gewinner des Gründerpreises.

Der Gründerpreis ist in die 18. Runde gegangen. Und wird von Jahr zu Jahr beliebter. 22 Bewerbungen – und die kamen nicht nur aus dem Rems-Murr-Kreis, sondern auch aus dem Schwarzwald und sogar aus England. Das beweist, dass der Preis beliebt ist, denn Auswärtige haben’s nicht ganz leicht. Ist doch ein Kriterium, um Punkte abzugreifen, die Frage, wie der Rems-Murr-Kreis vom Vorhaben profitieren wird. Doch der Gründerpreis ist eine große Anerkennung für Idee und Umsetzung, zum anderen noch mal eine nette Finanzierung. Der erste Preis ist immerhin mit 4000 Euro dotiert, Viert- und Fünftplatzierte bekommen noch 500 Euro Anerkennung.

Ralph Walter, stellvertretender Vorsitzender des Kreissparkassenvorstands, war bei der Preisverleihung im Biergarten des Korber Schützenhauses noch immer verwundert ob des Themenschwerpunkts, der sich in diesem Jahr beim Gründerpreis durchgesetzt hatte. Es sei, sagte er, noch nie so gewesen und die Kreissparkasse steuere das wirklich nicht. Aber in diesem Jahr habe sich das meiste um die IT gedreht. Computer und intelligente Techniklösungen – die Zukunft kommt auch im Rems-Murr-Kreis an.

Der Traditionalist - Roosplan aus Backnang

Ausnahmen freilich bestätigen die Regel, und der Ausreißer aus dem IT-Trend platzierte sich auf dem dritten Platz und bekam 2000 Euro Preisgeld. Jochen Roos, Landschaftsarchitekt und Stadtplaner aus Backnang, kommt zwar mit absoluter Sicherheit in seinem Arbeitsleben auch nicht mehr ohne Computer aus, doch seine Arbeit widmet sich dem Lebensumfeld der Menschen, der Natur und den Städten. Es geht um Flächennutzungspläne, städtebauliche Entwürfe und Konzepte, Gutachten und Entwicklungsmaßnahmen, um Biotopkartierungen, artenschutzrechtliche Untersuchungen, um kommunale Ökokonten, Umweltbaubegleitung, Umweltverträglichkeitsstudien, Renaturierungsmaßnahmen und stadt- und geländeklimatische Untersuchungen. Aber auch um Straßen, Friedhöfe, Spielplätze, Sportstätten oder Parkplätze. Das Besondere: Jochen Roos führt das komplette Verfahren durch – vom ersten Gedanken bis zum letzten Blumenpflanzen.

Die Spielmacher - Escape Games aus Fellbach

Es ist wie ein Computerspiel in der Wirklichkeit, was Nurhan Afsar und Fikret Bilgeoglu da in Fellbach anbieten: ein geschlossener Raum, eine fast unlösbare Aufgabe, ein Team, das das Rätsel lösen muss. Exit-Games heißt das Ganze, denn nur, wer die Lösung findet, kommt wieder raus. Die Geschichten spielen in einer düsteren Zukunft, in der Todeskandidaten bei einer Reality-Spielshow um ihr Leben spielen können, in der Managerkabine eines Fußballclubs, im Kopf eines Wissenschaftlers, der dem Wahnsinn verfallen ist. Wer’s noch futuristischer mag, kann mit Brille in 3-D-Animationen spielen und zum Beispiel durch ein Gruselhaus laufen. Noch, sagte Fikret Bilgeoglu, habe kein Team ohne die Hilfe des Spieleleiters die Aufgaben geknackt – eine Herausforderung, die der Jury des Gründerpreises den zweiten Preis und 3000 Euro Preisgeld wert war.

Der Schlaudrucker - Peptech aus Kernen

Was die Firma Peptech produziert, sei, sagte Ralph Walter, eine „neuartige Möglichkeit, was zu drucken. Nicht 3-D, was ganz was anderes!“ Dieses ganz andere ist für Norman Mechau, den Chef des 2016 gegründeten Unternehmens, „ganz einfach“, für den Normalmensch „unendlich spannend – ohne es am Ende völlig durchschaut zu haben“. Das jedenfalls fand der Chef der Kreissparkasse. Mechau entwickelt Tinten, die erstens so flexibel sind, dass sie sowohl auf dehnbaren Textilien als auch zum Beispiel auf Luftballons oder auf der menschlichen Haut halten. Zweitens leiten sie Informationen weiter. Mechau produziert quasi gedruckte Computerchips. Seine Tinten können, etwa auf Wanderausrüstung aufgedruckt, die Koordinaten des Vermissten an Rettungsstellen durchgeben. Oder, auf die Haut aufgebracht, mitzählen, ob das lebenswichtige Medikament in den richtigen Abständen eingenommen wird. Die Möglichkeiten scheinen unendlich. „Wir stecken noch in den Kinderschuhen“, sagte Norman Mechau, der sich über den ersten Preis und 4000 Euro freute, „aber es ist eine riesige Tür, die wir geöffnet haben.“

Der Fallenmeider - Kristian Borkert aus Stuttgart

Er ist Rechtsanwalt und beteiligt sich an einer Kanzlei in Stuttgart. Sein Vorhaben jedoch klingt ziemlich einzig- und eigenartig. Kristian Borkert arbeitet mit „Scrum“ oder „Kanban“ oder anderen „agilen Methoden“. Da versteht man nur Bahnhof? Es geht um Recht und Sicherheit in der IT, vor allem beim Outsourcing, also dann, wenn Unternehmen IT-Dienstleistungen nach außen geben. Da braucht’s, erklärt Kristian Borkert, den richtigen Vertrag, sonst kann’s passieren, dass man draufzahlt. Etwa, wenn bestimmte Dienstleistungen erst nicht mitbedacht sind und dann doch gebucht werden sollten. Je flexibler der Vertrag ausgehandelt ist, desto besser für alle Parteien. „Agile Methoden“ nennt Borkert das. Dass außerdem IT-Sicherheit und Datenschutz zu Borkerts Fachgebiet gehören, steht außer Frage. Borkert gewann damit die Anerkennung der Jury und 500 Euro.

Die Weitblicker - 5Analytics aus Köngen

Wenn irgendwann mal irgendein Internet-anbieter durch ein geschicktes Programm ganz genau weiß, dass in den nächsten drei Tagen fünf dringende Bestellungen aus dem Rems-Murr-Kreis einlaufen werden, die besser gestern als heute ausgeliefert werden sollten, wenn dann dieses Unternehmen diese noch nicht gemachten Bestellungen trotzdem schon losschickt, weil sie, wenn sie dann getan sind, quasi stante pede bedient werden können, dann hatte bestimmt 5Analytics seine Finger mit im Spiel. Bei diesem Unternehmen, das zwar in Köngen angesiedelt ist, dessen Operations Director Stefan Soehnle aber aus Murrhardt kommt, dreht sich alles um künstliche Intelligenz im Geschäftsalltag. 5Analytics bietet die passende Software und Beratung an. Gebraucht werden kann das alles inzwischen fast überall. Natürlich im Handel, aber auch in der Industrie, bei Versicherungen, Banken oder im Pharma- und Gesundheitswesen. Blick und Schritt in die Zukunft waren der Jury ebenfalls einen Anerkennungspreis mit 500 Euro wert.


Zum Wohle des Rems-Murr-Kreises

Zwischen 60 und 80 Existenzgründungen begleitet die Kreissparkasse in jedem Jahr.

Mit dem Gründerpreis würdigt die Kreissparkasse nicht nur besondere Ideen, sondern auch die detaillierte Ausarbeitung ihrer Umsetzung. Das Stichwort heißt „Businessplan“.

Ein Kriterium ist aber auch die Frage nach dem Standort: Was bringt das Start- up für den Rems-Murr-Kreis?

Denn Existenzgründer nehmen nicht nur ihre Zukunft selbst in die Hand, sondern schaffen auch Arbeitsplätze und machen damit den Standort Rems-Murr-Kreis attraktiv.

Der neue Kreiswirtschaftsförderer Timo John war ebenfalls bei der Gründerpreisverleihung anwesend.

Er erklärte, er bewundere den Mut der Gründer und wünsche ihnen viel Glück.