Waiblingen

Kultursommer Waiblingen: Open-Air-Festival mit bis zu 2000 Besuchern in der Talaue

Heimattage Waiblingen Marktplatz. Erlebnismesse in der Innenstadt. auf Plätzen und Gassen und auf der Brühlwiese präsentieren si
Bei den Heimattagen 2014 war die Brühlwiese beim Bürgerzentrum voll – und ein wenig wie damals soll es auch beim Kultursommer 2021 werden. © ZVW/Benjamin Büttner

Künstler aus ganz Deutschland sollen beim Kultursommer 2021 in der Talaue in Waiblingen auftreten – und zwar vom 3. bis 12. September. Vorgesehen ist, dass die Brühlwiese beim Bürgerzentrum zu einem Festivalort wird, zu dem bis zu 2000 Besucher kommen können. Zwar hätten hier eigentlich 8000 bis 10 000 Menschen Platz, aber wegen Corona will die Stadt lieber nur eine deutlich reduzierte Gästezahl erlauben. Besucher des Festivals können sich zur Sicherheit einem Schnelltest im benachbarten Bürgerzentrum unterziehen.

Noch nennt Fachbereichsleiter Thomas Vuk keine Namen, da noch nicht alle Gespräche mit Künstlern und deren Agenturen abgeschlossen sind – aber eines versichert er: Es sollen an den insgesamt sieben Veranstaltungstagen deutschlandweit bekannte Künstler aus den Bereichen Pop, Klassik, Tanz und Comedy kommen, gemeinsam mit lokalen und regionalen Künstlern. Das Publikum selbst soll nicht stehen, sondern es sich auf Picknickdecken bequem machen. So können auch die wegen Corona notwendigen Abstände eingehalten werden.

Künstlerischer Nachwuchs tritt auf der Schwaneninsel auf

Auch an den künstlerischen Nachwuchs aus der Region hat die Stadt gedacht. Dieser soll auf der Schwaneninsel auftreten. Bei der Stadtmauer soll es zudem ein Familienprogramm mit Aufführungen und Mitmachaktionen geben. Die Veranstaltungen auf insgesamt drei Bühnen sollen zudem per Livestream im Internet übertragen werden.

Finanzielles Risiko bei steigenden Corona-Zahlen

Falls der Kultursommer wegen wieder steigender Corona-Zahlen doch nicht stattfinden könnte, würde die Stadt Stand jetzt auf einem Teil der Kosten sitzenbleiben. Eine Ausfallabsicherung gibt es laut Thomas Vuk nämlich nicht. Bei den Dienstleistern, etwa für die Technik, existieren vertragliche Regeln für Absagen, bis zu welchem Tag welche Entschädigung bezahlt werden muss. Bei Künstlern sei dies anders, da kann man wegen Corona laut Thomas Vuk entsprechende Regeln treffen.

Mit Kosten von 815 000 Euro rechnet die Stadtverwaltung, Fördergeld gibt es indes nicht. Dabei wollten Waiblingen, Backnang und Schorndorf eigentlich ein interkommunales Event organisieren – und der Rems-Murr-Kreis hatte sich unter dem Motto „Kultursommer an Rems und Murr“ um einen Zuschuss der Bundeskulturstiftung beworben. Die Initiative war zwar ohne Erfolg – aber alle drei Städte wollen den Kultursommer auch ohne Fördergeld veranstalten. Ursprünglich wollten zunächst Weinstadt und Winnenden mit Backnang einen Kultursommer ausrichten – doch beide Kommunen sprangen wieder ab.

Winnenden und Weinstadt sprangen im April wieder ab

Warum Winnenden beim Kultursommer nicht mitmacht, erklärt OB Hartmut Holzwarth mit der im April noch sehr hohen kreisweiten Inzidenz von über 200. „Wir mussten uns unter diesem Eindruck innerhalb von wenigen Tagen entscheiden, ohne zu wissen, was wird.“ Bei einem Ausfall der Veranstaltung wegen Corona wären laut Holzwarth trotz Zuschuss hohe Eigenmittel in Höhe von mehreren 10 000 Euro riskiert worden für die Veranstaltungsplanung und -absicherung.

Stand Freitagvormittag liegt die Inzidenz in Winnenden noch bei 110 – „und damit leider viel höher als im Rest des Kreises.“ Ein Kultursommer wäre laut Holzwarth somit auch aus heutiger Sicht – auch mit einem Bundeszuschuss – zumindest problematisch geworden. „Von daher war es rückblickend richtig, sich zurückzuhalten, obwohl es keine wirklich verlässlichen Entscheidungsgrundlagen gab.“

Weinstädter OB Scharmann: Absage hatte nichts mit fehlender Förderung zu tun

Die Entscheidung, den Antrag auf Förderung für den Kultursommer 2021 nicht zu stellen, hat Oberbürgermeister Michael Scharmann in Abstimmung mit seinem Winnender Amtskollegen im April 2021 getroffen. Laut der Weinstädter Pressesprecherin Claudia Leihenseder war zum damaligen Zeitpunkt nicht abzusehen, welche Art von Veranstaltungen im Sommer tatsächlich stattfinden können und gerade auch im Hinblick auf das Pandemiegeschehen zu vertreten sind. Sie zitiert den OB mit folgenden Worten: „Aufgrund dieser unsicheren Planungsgrundlage war die Entscheidung damals richtig – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Dazu stehe ich.“ Diese Entscheidung sei selbstverständlich noch vor der des Bundes gekommen, den Rems-Murr-Kreis nicht mit einer Förderung zu bedenken. Das Weinstädter Veranstaltungsprogramm mit der Sunset Lounge oder dem Stiftshof-Open-Air im Juli wird aus Scharmanns Sicht die Veranstaltungen in den Nachbarkommunen gut ergänzen.

Geld von der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung 

Waiblingen erhält für den nun eigenständig organisierten Kultursommer von der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung immerhin 100 000 Euro. Dazu sollen jene 200 000 Euro verwendet werden, die ursprünglich für das Altstadtfest 2021 vorgesehen waren. Dieses war wegen Corona im April endgültig abgesagt worden. Der Rest soll durch Sponsoren und Eintrittsgelder finanziert werden.

FDP-Stadträtin Julia Goll machte sich in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Kultur und Sport indes Sorgen, dass durch zu hohe Ticketpreise vor allem jüngere Besucher davon abgehalten werden  zu kommen. Sie hatte gehört, dass der Eintritt rund 50 Euro betragen soll. Zum genauen Preisniveau wollte sich Thomas Vuk, Fachbereichsleiter Kultur und Sport, noch nicht äußern – allerdings hält er die Bedenken für unbegründet. „Wir sind eher im niedrigen Bereich.“

FDP-Stadträtin Julia Goll plädiert für vergünstigte Tickets für junge Leute

Da für den Kultursommer auch national bekannte Künstler engagiert werden sollen, geht es aus Sicht von Thomas Vuk nicht, solch ein Ticket für 20 Euro anzubieten. Auf diese Weise würden Künstler in Waiblingen zu einem Preis auftreten, der weit unter Marktniveau liegen würde. Julia Goll bat dann darum, zu prüfen, ob nicht wenigstens vergünstigte Karten für junge Leute möglich wären, schließlich erhalte Waiblingen auch Geld von der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung. „Wir nehmen den Gedanken mit“, sagte Oberbürgermeister Andreas Hesky daraufhin.

Wunsch nach viel Mehrweggeschirr

Stadträtin Julia Papadopoulos (Grünt/Tierschutzpartei) ist es wichtig, dass beim Kultursommer so viel Mehrweggeschirr wie möglich genutzt wird. Auch wünscht sie sich, dass die Vereine bewirten dürfen. Fachbereichsleiter Thomas Vuk stellte daraufhin klar, dass die Vereine auf jeden Fall zum Zug kommen sollen, sofern die Corona-Lage eine Bewirtung erlaubt. „Wir haben da tolle, verlässliche Partner.“

Bei Regen fällt alles aus

Volker Escher (FW/DFB) wollte dann noch wissen, was die Stadt eigentlich macht, wenn es bei Veranstaltungen des Kultursommers regnet. „Ins Büze können wir ja nicht mit so vielen Leuten.“ Thomas Vuk stellte daraufhin klar, dass bei Regen keine Ausweichmöglichkeit existiert. „Es gibt keinen Plan B.“

Der Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Sport war vom Konzept letztlich angetan und stimmte geschlossen dafür. Nun muss formal nur noch der Waiblinger Gemeinderat in seiner Sitzung am 17. Juni sein Votum abgeben. Stadtrat Wolfgang Bechtle (CDU/FW) freute sich, dass insbesondere der Nachwuchs bei dem Festival eine Chance erhält. Mit Blick auf die Kosten warb er dafür, nicht zu sehr auf die Einnahmen zu schauen. „Kultur ist meistens nicht kostendeckend.“

Künstler aus ganz Deutschland sollen beim Kultursommer 2021 in der Talaue in Waiblingen auftreten – und zwar vom 3. bis 12. September. Vorgesehen ist, dass die Brühlwiese beim Bürgerzentrum zu einem Festivalort wird, zu dem bis zu 2000 Besucher kommen können. Zwar hätten hier eigentlich 8000 bis 10 000 Menschen Platz, aber wegen Corona will die Stadt lieber nur eine deutlich reduzierte Gästezahl erlauben. Besucher des Festivals können sich zur Sicherheit einem Schnelltest im benachbarten

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