Waiblingen

Kunstgespräch im Plauderton

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Kunstgespräch im Plauderton: Der Schorndorfer Künstler Rüdiger Penzkofer (rechts) stellt sich den Fragen von Pfarrer Peter Haigis (links). © Habermann / ZVW

Kernen-Stetten. Der Übergang von dem, was zu sehen ist, und dem, was erlebt wird: Das ist das verbindende Element von Rüdiger Penzkofers Kunstwerken. Der Schorndorfer hat seine Installation „Wohin“ zur Stettener Ausstellung „himmelleicht – erdenschwer“ beigetragen. Am Dienstag plauschte er bei einem Künstlergespräch mit Pfarrer Peter Haigis.

Video: Künstlergespräch mit dem Titel "Das geht auch vorüber" in der evangelischen Kirche Stetten.

„Wohin“ heißt die Installation. Und, ja, wohin damit? Diese Frage stellt sich immer wieder bei den 40 leichten, schwingenden Vierbeinern, die der Schorndorfer Künstler Rüdiger Penzkofer zur Ausstellung „himmelleicht – erdenschwer“ beigesteuert hat. Denn bewegt sollen sie werden, die Konstrukte aus Draht, Nylonfaden und bunten Acryllacken. Vorsichtig, wie ein Tanzpartner, damit sie nicht zu Boden fallen.

Bewegung, Veränderung, die Unmöglichkeit, einen vergangenen Zustand exakt wiederherzustellen: Das sind zentrale Themen in Penzkofers Installation. Entsprechend wählte er den Titel des Künstlergesprächs, zu dem er sich am Dienstagabend in der Stettener St.-Veits-Kirche einfand: „Auch das geht vorüber“. Und entsprechend wichtig ist es ihm, dass die Drahtkonstrukte durch den Ausstellungsraum wandern.

Betrachter soll „gedanklich tanzen“, mit Assoziationen spielen

In dem lockeren, gemütlich geplauderten Kunstgespräch, das Penzkofer mit Pfarrer Peter Haigis führt, zeigen sich einige Facetten seiner Sicht auf Kunst.

So zum Beispiel sein Verständnis des Begriffs „Kunstwerk“ als etwas, zu dem Tuchfühlung aufgenommen werden kann. „Kunst ist nicht das Werk, sondern das, was darum herum passiert“, erklärt er. Es gehe nicht darum, im Stile eines Kunstkritikers ein Werk zu umrunden. „Der Betrachter muss sich dazwischen bewegen“, sich selbst in Beziehung zum Objekt setzen.

Im Fall der Installation „Wohin“ hieß das 2013, als er sie erstmals aufbaute, dass die Gestelle feststehend in einem Flur verteilt waren. Wer an den Konstrukten vorbei in die angrenzenden Zimmer ging, versetzte sie in Schwingung, musste sich rücksichtsvoll einen Weg durch das Gewirr der Drahtbeine suchen. Und nur um diese Bewegung und um die daran anknüpfenden Assoziationen geht es: „Hier gibt’s nichts Verborgenes. Nur dieses gedankliche Tanzen.“

Zeit und Wandel sind wiederkehrende Motive

Ein weiteres Thema, mit dem sich Penzkofer gerne und oft beschäftigt, ist Erinnerung. Der Titel „Auch das geht vorüber“ passt insofern zu seinem Schaffen als Ganzes. Zeit und Wandel sind wiederkehrende Motive. Ebenso die Unzuverlässigkeit der Erinnerung: „Ich komme nie an den Punkt, an dem ich sagen kann: Genau so war es.“ Das soll beispielsweise eine Installation veranschaulichen, die aus 7391 Bierdeckeln besteht. Sie wurden mit Zeitungsbilder bedruckt – kleine Ausschnitte von größeren Geschichten, Fetzen von Erinnerungen. Für ein aktuelles Projekt sammelt Penzkofer alte Fotoalben. „Das findet man alles im Internet. Geschichte ist recht käuflich.“

Ebenso leicht erhältlich wie Penzkofers Arbeitsmaterialien: zum Beispiel Draht, Pappe, Gummi, Linoleum. Alltägliche Werkstoffe. Denn nicht das Objekt steht im Zentrum, sondern das, was es im Betrachter auslöst, seine Gedanken und Assoziationen.

Rahmenprogramm

Am Dienstag, 22. November, ist der Kohlstettener Helmut Anton Zirkelbach von 19.30 Uhr an zum Künstlergespräch geladen.

Sein Beitrag zur Ausstellung „himmelleicht – erdenschwer“ inszeniert das Aus der Tailfinger Textilindustrie als Totentanz.

Am Sonntag, 27. November, endet die Ausstellung in der Stettener St.-Veits-Kirche mit einer Finissage.