Waiblingen

Ladensterben, Verkehr, Wohnungsnot: So lief der Bürgertreff in Waiblingen

NeujahrWN
OB Sebastian Wolf (links) im Gespräch mit WKZ-Redakteur Andreas Kölbl. © Gaby Schneider

Bürgertreff einmal anders: Bei seinem ersten Neujahrsempfang in Waiblingen hielt Oberbürgermeister Sebastian Wolf keine Rede, sondern ließ sich auf der Bühne interviewen. Ladensterben in der Innenstadt, Wohnungsnot, Energiewende, Verkehrsstau rund um den Postplatz, Flüchtlingsunterbringung und natürlich die Energiewende – das waren die wesentlichen Themen. So erfuhren die Besucherinnen und Besucher unter anderem, dass die Windkraft-Messungen auf der Buocher Höhe zur Planung möglicher Windräder begonnen haben und warum die Stadt vom Vorhaben, auf dem Wasen-Parkplatz eine Photovoltaik-Anlage zu errichten, überraschend wieder abgerückt ist.

Familie Wolf wohnt jetzt in Waiblingen

Der OB antwortete spontan und locker auf die Fragen des Leiters der Lokalredaktion Waiblingen, Andreas Kölbl. Und die Gäste konnten spüren, dass er angekommen ist in seinem Amt als Rathauschef in Waiblingen.

Was übrigens auch für seine Familie gilt: Über den Jahreswechsel sind die Wolfs in ein Haus in Waiblingen umgezogen. Bisher hatte der Oberbürgermeister eine Mietwohnung in der Stadt, während seine Frau Tanja mit den Kindern noch in Ehingen wohnte, wo er bis Frühjahr 2022 noch Erster Bürgermeister war.

Der OB "verwest" immer noch

Bis die Gerichte endgültig über Thomas Hornauers Widerspruch gegen die OB-Wahl entschieden haben, bleibt Sebastian Wolf formal „Amtsverweser“. Diese „wunderbare Wortschöpfung der deutschen Bürokratie“ habe ihm in den vergangenen Monaten einige Frotzeleien eingebracht, erzählte er. „Am Telefon wurde ich regelmäßig mit ,Guten Tag, Herr Verweser' oder mit ,Verwesen Sie noch?' begrüßt.“

Sebastian Wolf: "Nicht immer glücklich" über die Zeitung

Auch weil die offizielle Amtseinsetzung wohl bald folgt, wagte der Oberbürgermeister gemeinsam mit der Waiblinger Kreiszeitung das kleine Experiment mit dem Live-Interview. Die Fragen kannte er dabei vorher nicht. Politik und auch Kommunalpolitik, so Wolf, müssten ihr Handeln immer wieder erklären. „Und wir haben in den letzten Jahren an vielen Stellen gesehen, wie wichtig und wertvoll eine unabhängige Presse ist und was in den Ländern geschieht, in denen Journalisten nicht mehr frei berichten können.“ Trotz dieser Wertschätzung für die freien Medien räumte er ein, als Oberbürgermeister „nicht immer glücklich“ zu sein über das, was er morgens in der Zeitung lesen müsse.

Bei den Besuchern kam das Experiment jedenfalls sehr gut an, sowohl bei ganz „normalen“ Gästen als auch quer durch alle politischen Lager.

Dies, obwohl es durchaus um strittige Themen ging. Beispiel Wohnungsnot: Sebastian Wolf umriss das Paradox, das sich aus der Umfrage zum Stadtentwicklungsplan ergab: Eine klare Mehrheit ist dafür, dass mehr Wohnraum geschaffen wird – aber kaum jemand möchte Neubauten vor der eigenen Haustür. Dennoch: Um innerstädtische Nachverdichtung komme die Stadt nicht herum, trotz der Pläne für rund 220 Wohnungen an der Stauferstraße.

Umstritten: Baugebiet Söhrenbergweg in Neustadt

Aufhorchen ließen auf Nachhaken von Andreas Kölbl seine Worte zum umstrittenen Neubaugebiet Söhrenbergweg in Neustadt: Nachdem sich bei der Bürgerbeteiligung ein klarer Dissens zwischen Bebauen und Nicht-Bebauen gezeigt hat, war es um das Vorhaben still geworden. „Wir waren im vergangenen Jahr aber nicht untätig“, beteuerte der Rathauschef. Weitere Verfahrensschritte wie etwa ein Verkehrsgutachten würden vorbereitet, und im ersten Quartal soll der Gemeinderat über das weitere Vorgehen entscheiden. Eigentlich gab's noch aus Amtsvorgänger Andreas Heskys Zeit den Plan, strittige Punkte in einer Arbeitsgruppe weiterzudiskutieren.

Leerstände in der Innenstadt: Brauerei als Alternative?

Das Ladensterben in der Innenstadt macht vielen Menschen Sorgen. Doch der Einfluss der Stadt ist begrenzt. Erste Adresse seien die Vermieter, meint Sebastian Wolf. Sie müssten sich überlegen, an wen sie vermieten und was sich langfristig bewähren könnte. Wirklich noch ein Friseur, noch ein türkischer Imbiss? Gleichzeitig dürfe man sich auch keinen Illusionen hingeben: Waiblingen stecke wie viele andere Städte in einem Transformationsprozess, der besonders den Einzelhandel betreffe. Auch die Step-Umfrage habe belegt, dass Ältere großen Wert auf den örtlichen Einzehandel legten, während Jüngere ganz stark online einkaufen. Eine Studie soll zwar Einflussmöglichkeiten der Stadt ermitteln, doch der OB betonte zugleich: Städte verändern sich immer. So habe es vor mehr als 100 Jahren in Waiblingen noch zig Brauereien gegeben – und heute keine mehr. „Das wäre eigentlich auch mal eine gute Idee“, ergänzte der WKZ-Redakteur. Tatsächlich gelten neben Gastronomie auch Manufakturen mit Vorzeige-Charakter als ein Trend bei Nachfolgelösungen für örtlichen Einzelhandel.

Der tägliche Stau am Postplatz

Wer schon einmal gegen 17.30 Uhr versucht hat, aus Richtung Bahnhofstraße über den Postplatz und die AOK-Kreuzung in Richtung Hallenbad zu fahren, der spürt: Die Verkehrsinfrastruktur ist auf Kante genäht. Muss die Verkehrswende her, müssen wir weg vom Auto? Sicher gebe es Verbesserungsbedarf etwa bei den Radwegen, meint Sebastian Wolf. Letztlich brauche es aber eine Mischung. Waiblingen verfüge eine recht guten öffentlichen Nahverkehr – „wenn die Bahnen fahren“. Die Menschen müssten noch mehr animiert werde, das Angebot zu nutzen, etwa durch das 49-Euro-Ticket. Arbeitgeber stünden ebenfalls in der Verantwortung, ihren Mitarbeitern den ÖPNV schmackhaft zu machen. Letztlich liege an alllen Einzelnen. „Die Mobilitätswende muss in den Köpfen stattfinden.“

Mit Spannung wird erwartet, wie sich die neuen Pförtnerampeln an der B 14 auswirken werden, die den Schleichverkehr der verstauten Bundesstraße aus der Stadt verbannen sollen. Andererseits hat sich Waiblingen für das Förderprogramm „Urbane Räume“ des Landes beworben, um für die Verkehrssituation am Postplatz, die nicht nur wegen der Baustelle des Landratsamts problematisch ist, zu finden.

Bürgertreff einmal anders: Bei seinem ersten Neujahrsempfang in Waiblingen hielt Oberbürgermeister Sebastian Wolf keine Rede, sondern ließ sich auf der Bühne interviewen. Ladensterben in der Innenstadt, Wohnungsnot, Energiewende, Verkehrsstau rund um den Postplatz, Flüchtlingsunterbringung und natürlich die Energiewende – das waren die wesentlichen Themen. So erfuhren die Besucherinnen und Besucher unter anderem, dass die Windkraft-Messungen auf der Buocher Höhe zur Planung möglicher

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