Waiblingen

Landfrauen feiern 50. Geburtstag und schenken Hegnach eine Bank

Landfrauen Hegnach
Ein lauschiges Plätzchen haben sich die Hegnacher Landfrauen für die Bank ausgesucht. Bei der feierlichen Übergabe waren einige Gründungsmitglieder, aktive Landfrauen, darunter Vorsitzende Cornelia Olp (Vierte von rechts), sowie Ortsvorsteher Markus Motschenbacher mit dabei. © Gabriel Habermann

Wer Geburtstag hat, bekommt ein Geschenk – zumindest ist es normalerweise so. Die Landfrauen Hegnach haben in diesem Jahr den Spieß kurzerhand umgekehrt und als Jubilar der Ortschaft Hegnach eine Sitzbank gespendet. Sie steht seit geraumer Zeit von Waiblingen kommend vor Hegnach an einem Feldwegrand unweit der Aussiedlerhöfe mit Fernblick aufs Umland.

Vorsitzende Cornelia Olp, die den Posten seit 2017 innehat, hält eine Notiz in der Hand, die sie von einem Vereinsmitglied erhalten hatte. Es ist ein Zeugnis der Anfangszeit, der Zeit, als es die Landfrauen in Hegnach noch gar nicht gab. Mit dieser Notiz wurde zu einer Weihnachtsfeier im Jahr 1970 eingeladen. Der Abend, zu dem jeder sein Kaffeegedeck selbst mitbringen musste, sollte ein neuer Anfang des Hegnacher Landfrauenvereins sein, ist dort zu lesen. Im März 1971 haben sich die Hegnacher Landfrauen schließlich gegründet. Das ist nun 50 Jahre her.

Nach der Gründung gab es dann erst einmal eine Verschnaufpause. Das Programm der Landfrauen konzentrierte sich auf die Wintermonate, da viele der Mitglieder auf dem eigenen Hof oder Stückle eingespannt waren, weiß Cornelia Olp. Das erste Programm startete Ende November 1971 und war sogleich ein buntes Potpourri aus Bildungsvorträgen wie etwa zum Thema Herz und Kreislauf mit einem Mediziner als Referenten oder zum Thema Rauschgift und Drogen. Ebenso gab es Wissenswertes über Kosmetik oder moderne Bodenpflege. Ein Bastelabend sowie eine Besichtigung der Firma Birkel in Weinstadt etwa rundeten das Programm ab.

Einige Mitglieder sind seit der Gründung 1971 dabei

Mittlerweile zählt der Verein 109 Mitglieder, weiß Cornelia Olp, die 2017 den Vorsitz von Gerda Peterka übernommen hatte. Acht Frauen aus den Anfangstagen sind ebenso darunter. „Unter den Fördermitgliedern sind auch einige Männer“, sagt sie und lächelt. Auch ein paar jüngere Frauen seien dabei, wenn auch der Altersdurchschnitt bei rund 70 Jahren liege, schätzt die Vorsitzende. Dennoch tue sich der Verein schwer, andere Zielgruppen anzusprechen, Jüngere für die Anliegen der Landfrauen zu begeistern. Bisherige Aktionen, etwa ein Kurs zur schnellen Küche, verliefen, ohne die gewünschten Früchte zu tragen. Grund dafür könnte sein, dass die Landfrauen bei der Vielfalt an Vereinen und Aktivitäten Schwierigkeiten hätten, sich zu behaupten, so Olp. Gleichzeitig kämpfen die Landfrauen mit dem Ruf eines verstaubten Images.

Dabei sind die Frauen im Ortsverein so aktiv wie eh und je. Sie engagieren, bilden sich und tauschen sich über aktuelle Themen aus, wie es einst der Grundgedanke war.

Die Geschichte der Landfrauen reicht bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück. Damals schon war die Idee, dass sich Frauen zum Zweck der ländlich-hauswirtschaftlichen und kulturellen Weiterbildung in Vereinen organisieren sollen. Frauen wurde damit in Bereichen Bildung ermöglicht, wozu sie sonst nicht so einfach Zugang gehabt hätten.

Die Landfrauen, wie es sie heute hierzulande gibt, wurden 1948 ins Leben gerufen. In den Nachkriegsjahren entstanden bereits einige Ortsvereine wie etwa 1946 in Alfdorf oder 1947 in Ludwigsburg. Heute zählt der Landfrauenverband Württemberg-Baden rund 53 000 Mitglieder und 616 Landfrauen-Vereine. Deutschlandweit gibt es 22 Landesverbände.

Für Brustkrebsvorsorge und Mütterrente eingesetzt

Im Jahr 2000 starteten die Landfrauen eine Qualitätsoffensive Brustkrebs, die ein Spendenprojekt für ein Brustkrebstelefon beinhaltete. 2011 stellten sie die Forderung eines Mammografie-Screenings für Frauen ab dem Alter von 70 Jahren. Dass für Frauen ab 40 eine sonografische Untersuchung erfolgt, dafür setzten sich ebenfalls die Landfrauen ein.

2012 starteten sie bundesweit eine Unterschriftenaktion und bezogen Stellung zur Lebensleistungsrente mit der Forderung, die Mütterrente für Frauen, die vor 1992 ihr Kind gebaren, anzupassen.

In den Ortsvereinen ist die Ursprungsidee von damals geblieben. Frauen sollen sich über den Verein bilden und organisieren können. Die Ortsvereine schöpfen aus einem großen Pool an Bildungsreferenten, welche die Landesverbände bereithalten. Cornelia Olp hatte für 2021 etwa einen Abend zum Thema „Eine gesunde Stimme bis ins hohe Alter“ vorgesehen oder einen Vortrag zum Thema „Digitaler Nachlass“. Die meisten Programmpunkte mussten aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. So auch die wöchentlichen Besuche im Alexander-Stift, Besichtigungen oder Tagesausflüge. Ausschließlich die Ausfahrt in den Spreewald konnte stattfinden. Seit geraumer Zeit treffen sich Montag morgens die Landfrauen auch wieder zur Gymnastik in der Burgschule-Turnhalle. Für den Kurs "Lila Linientanz", der sonst freitags stattfindet, suchen sie aktuell nach einem neuen Trainer.

Für das kommende Jahr wünscht sich Cornelia Olp, dass das Programm wieder mit Leben gefüllt werden kann wie in den Jahren vor der Pandemie. Und sofern es die Situation zulässt, wäre auch eine angemessene Feier zum Jubiläum schön, ist sich die Vorsitzende sicher. Informationen hierzu wie auch zum Programm der Landfrauen Hegnach sind auf deren Internetseite nachzulesen, die Cornelia Olp mit Beginn ihrer Tätigkeit als Vorsitzende ins Leben gerufen hatte und auch regelmäßig mit aktuellen Informationen bestückt: www.landfrauen-hegnach.de.

Wer Geburtstag hat, bekommt ein Geschenk – zumindest ist es normalerweise so. Die Landfrauen Hegnach haben in diesem Jahr den Spieß kurzerhand umgekehrt und als Jubilar der Ortschaft Hegnach eine Sitzbank gespendet. Sie steht seit geraumer Zeit von Waiblingen kommend vor Hegnach an einem Feldwegrand unweit der Aussiedlerhöfe mit Fernblick aufs Umland.

Vorsitzende Cornelia Olp, die den Posten seit 2017 innehat, hält eine Notiz in der Hand, die sie von einem Vereinsmitglied erhalten

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