Waiblingen

Landratsamt an zwei Standorten

Luftbild Postareal
Das Postareal an der Mayennerstraße und am oberen Bildrand das Grundstück an der Rötestraße in Waiblingen: Auf diesen beiden Grundstücken könnte eine Zweigstelle des Landratsamtes gebaut werden, nachdem die heutigen Gebäude am Alten Postplatz saniert sind. © Kreisbau

Waiblingen. Das Landratsamt ist derzeit auf elf Standorte in der Stadt verteilt. Wenn es nach den Kreisräten geht, dann wird die Kreisverwaltung an zwei Standorten in Waiblingen konzentriert: am Alten Postplatz und auf dem Postareal an der Mayenner Straße und Rötestraße gegenüber der Agentur für Arbeit. Das ehemalige Krankenhausgelände wird frei für den Wohnungsbau.

Video: Das ehemalige Krankenhausgelände von oben. (Archiv)

Der Landkreis muss für die Sanierungen des alten Landratsamtes und die Neubauten in der Mayenner- und Rötestraße gewaltig in die Tasche greifen – doch die ist bekanntlich leer. Drei Varianten stehen zur Debatte. Sie sind zwar über die nächsten 50 Jahre gerechnet fast gleich teuer, sie kosten nämlich fast eine halbe Milliarde Euro. Die Präferenz von Landrat Dr. Richard Sigel liegt auf einer Konzentration der Kreisverwaltung an zwei Standorten. Diese Variante läuft auf eine Sanierung des in die Jahre gekommenen Landratsamtes am Alten Postplatz samt Neubau einer Parkgarage hinaus sowie auf einen Neubau auf dem Postareal. Für diese Postareal-Variante sprechen zwei Punkte.

Variante 4 trägt den städtebaulichen Erwägungen der Stadt Waiblingen Rechnung, macht sofort den Weg frei für Wohnungsbau auf dem Klinikareal und erlaubt eine Neuordnung der Verwaltung an nur zwei Standorten.

„Zurück auf Start!“: Gesamtkonzeption statt Stückwerk

Sie bietet die Möglichkeit einer flexiblen Anpassung des Baukörpers, sollte sich die Belegschaft von heute rund 900 Beschäftigten vergrößern oder verkleinern. Die Gebäude werden Zug um Zug errichtet beziehungsweise saniert.

Zurück auf Start! Dies hatte Landrat Dr. Richard Sigel gleich zu Beginn seiner Amtszeit vor gut einem Jahr angeordnet. Er stoppte die Planungen für ein eher aus der Not geborenes Sozialdezernat auf dem Klinikgelände. Sigel forderte angesichts des Flickenteppichs an eigenen und angemieteten Büros eine Gesamtimmobilienkonzeption der Kreisverwaltung am Standort Waiblingen. Die liegt nun der Öffentlichkeit vor und wurde am Montag im Ausschuss diskutiert, nachdem den Kreisräten bereits vergangene Woche hinter verschlossenen Türen die Konzeption vorgestellt worden war.

Entscheidung des Kreistages am 17. Oktober

Dass auf dem Gelände des früheren Kreiskrankenhauses überhaupt ein Sozialdezernat gebaut werden sollte, war eher eine Notlösung gewesen. Während in Winnenden das neue Klinikum in die Höhe wuchs und das Ende des Kreiskrankenhauses näher rückte, wurde in der Stadt Waiblingen immer dringlicher gefragt, was mit dem Gelände geschehen sollte. Hoffnungen auf ein Hotel zerschlugen sich ebenso wie die für ein Justizzentrum. So wurde der Landkreis selbst aktiv und plante, auf einem Teil des Geländes ein Sozialdezernat zu bauen. Vor allem jedoch brauchten die Rems-Murr-Kliniken dringend den Erlös aus dem Verkauf des Klinikareals für die aus dem Ruder laufenden Kosten für den Klinikumsneubau. Die Kreisbau kaufte die rund 3,5 Hektar. Dass auf dem Klinikareal kein Beamtenpalast entsteht, kommt Oberbürgermeister Andreas Hesky durchaus gelegen. Derzeit ist in der Immobilienbranche nichts so sehr angesagt wie Wohnungsbau. Flächen sind knapp und entsprechend teuer. Als Wohngebiet ist das Klinikgelände ein Sahnestückchen, das nach der Entscheidung des Kreistages am 17. Oktober verteilt werden kann.

Die Postareal-Lösung kostet rund 43 Millionen Euro

Für den Landkreis ergibt sich mit der Variante 4 die Chance, seine Immobilien zukunftsfest zu gestalten. Zu allen drei zur Diskussion stehenden Varianten gehört, die Kernsanierung des Altbaues und der Pagode sowie der Neubau eines Parkhauses. Die Kosten werden auf rund 45 Millionen Euro geschätzt. Die Baukosten eines Sozialdezernats auf dem Klinikareal mit maximal 360 Arbeitsplätzen wird auf 36 Millionen Euro geschätzt. Die Postareal-Lösung kostet hingegen rund 43 Millionen Euro. Über die nächsten 50 Jahre gerechnet, sind die Kosten für alle drei Varianten jedoch ungefähr gleich teuer, nämlich zwischen 448 und 468 Millionen Euro. Wie wenig belastbar solche Langzeit-Prognosen schon nach wenigen Jahren sind, diese Erfahrung hat der Rems-Murr-Kreis bei den Zahlenspielen für den Klinikums-Neubau erlebt.

Die Kasse ist leer

Leisten kann sich der Landkreis Rems-Murr im Grunde keine der drei Varianten. Die Kasse ist leer. Eine weitere Verschuldung des am höchsten verschuldeten Landkreises in Baden-Württemberg kommt nicht infrage, weshalb der Kreis sich diese Immobilien von seinen Gesellschaften bauen lassen will, nämlich von der Abfallwirtschaftsgesellschaft und der Kreisbau. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Kreis verschuldet sich nicht unmittelbar; es könnten die historisch niedrigen Zinsen genutzt werden, und der Kreis als Mutter könnte Mietflächen je nach Bedarf bei seinen Tochtergesellschaften anmieten.

Die anstehenden Haushaltsberatungen werden sich einmal mehr um die Höhe der Kreisumlage drehen, mit der sich der Landkreis seinen Anteil an den Steuereinnahmen der 31 Städte und Gemeinden holt. Auf den schon heute mit 38,5 Prozent Umlagesatz kämen für die beiden Landratsämter in den kommenden Jahren Jahr für Jahr bis zu 0,39 Prozentpunkte obendrauf.

Der Zeitplan

Am Montag ist die Gesamtimmobilienkonzeption der Kreisverwaltung am Standort Waiblingen im Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss diskutiert worden. Die Konzeption für das Postareal ist für den Kreis nachhaltig finanzierbar, stellt eine gut funktionierende Kreisverwaltung langfristig sicher, überzeugt das Gremium und ist konsensfähig und ermöglicht eine schnelle Nutzung des Klinikareals für Wohnbebauung.

Die Zeitschiene bei der Variante 4 könnte so ausschauen: 2018-2019: Neubau eines Parkhauses am Alten Postplatz; 2018-2020: Erster Bauabschnitt auf dem Postareal an der Rötestraße; 2019-2022: Kernsanierung der Pagode am Alten Postplatz in zwei Bauabschnitten; 2023-2024: Kernsanierung des Altbaus am Alten Postplatz; 2023-2025: Zweiter Bauabschnitt auf dem Postareal (Bebauung des heutigen Postgebäudes an der Mayennerstraße).