Waiblingen

Landratsamt-Anbau wird um elf Millionen Euro teurer - unter anderem wegen schlechter Luft

Landratsamt Neubau
Auf dem sanierungsbedürftigen Deck des Parkhauses will der Landkreis ein Verwaltungsgebäude errichten. © Gabriel Habermann

Der Neubau des Landratsamts auf dem Parkdeck kostet elf Millionen Euro mehr als bisher angenommen. Gewissermaßen sind es sogar 19,5 Millionen Euro mehr, denn davon war der Kreistag bei seinem Beschluss 2018 ausgegangen. Ein wesentlicher Grund für die jüngste Kostensteigerung ist die schlechte Luft am Alten Postplatz: Die im Wettbewerbsentwurf vorgesehene dezentrale Lüftung sei wegen mangelhafter Luftqualität am Standort mit der stark befahrenen Straße nicht möglich. Die Luft würde sonst teilweise von der Kreuzung her angesaugt. Die Belüftungsanlage muss komplett neu gedacht und kalkuliert werden. Der Posten kommt auf rund drei Millionen Euro.

Das schwierige Baufeld stellt hohe Herausforderungen: Polizei und Villa Roller sollen, salopp ausgedrückt, nicht in die Baugrube stürzen. Der Zugang zum Polizeieinsatzzentrum und die Treppenanlage von der Alten Rommelshauser Straße her müssen gesichert werden. Ein Fußgängertunnel wird für die Bauzeit erforderlich. Dazu kommen Maßnahmen zur Verbesserung der Bodengründung, zusätzlicher Erdaushub sowie Ausbau von E-Mobilität und Photovoltaik. Dies alles summiert sich auf etwa acht Millionen.

Landrat: Selber bauen ist trotzdem wirtschaftlicher als mieten

Nun also die Kosten-Berechnung statt der Kosten-Schätzung. 54 Millionen Euro für das neue Verwaltungsgebäude. „Da musste ich mich auch kurz hinsetzen und schlucken“, räumt Landrat Richard Sigel ein. Da stellt sich die schmerzende Frage: Stimmt die Immobilienkonzeption des Landkreises? War es falsch, das Krankenhaus-Areal für Wohnbebauung freizugeben? Die Wirtschaftlichkeitsberechnung des Landratsamts spricht dafür, die Pläne weiterzuverfolgen: Selbst zu bauen sei nicht teurer, sondern eher sogar billiger, als das Projekt abzubrechen und Büroflächen anzumieten. Das gilt vor allem auf die längere Sicht der nächsten 50 Jahre.

Lieber Büros anmieten?

Geprüft wurde die Option, Büros anzumieten in der Maybachstraße, neben den Daimler-Hallen auf dem Hess-Areal. Stand heute hat der Landkreis 300 Arbeitsplätze angemietet. „Auch nach Corona werden wir Büroflächen brauchen“, ist Richard Sigel überzeugt. Die Überprüfung kommt zu dem Ergebnis, dass die Vielzahl der unterschiedlichen und guten Argumente für dieses Projekt aus dem Jahr 2018, die von der Vorbildrolle beim Klimaschutz über die Verdichtung und Modernisierung der Verwaltung bis hin zur Wirtschaftlichkeit reichen, trotz der Kostensteigerung weiterhin Bestand haben. Ein Erweiterungsbau ist weiterhin sinnvoll und wäre eine Investition nicht nur in eine zukunftsfähige Kreisverwaltung“, so der Landrat.

Zweiter Standort Rötestraße

In der Vergangenheit, sagt Landrat Richard Sigel, sei die Kreisverwaltung „nach dem Zufallsprinzip“ entstanden. Wo etwas frei wurde, wurde angemietet. Mit dem Ergebnis, auf elf Standorte verteilt zu sein. Priorität sollte die Wohnbebauung „in beste zentraler Lage“ mit 227 Wohnungen auf dem Klinikareal haben. In Zukunft sollen es zwei Standorte sein: am Postplatz und an der Rötestraße//Emil-Münz-Straße. Eine Frage der Wirtschaftlichkeit, aber auch der Sicherheit: Der Sicherheit durch abgetrennte Bereiche wird eine höhere Bedeutung beigemessen. Unter dem Aspekt Klimaschutz wird das Landratsamt mit dem Bestandsgebäude seiner Vorbildrolle nicht gerecht.

Kreisräte wollen überwiegend den Plan weiterverfolgen

Am Standort Rötestraße ist die Baugrube vorbereitet. 2022 soll das unter Regie der Kreisbau neu zu errichtende Verwaltungsgebäude bezogen werden – ebenfalls als kreiseigene Liegenschaft. Als potenzieller Standort untersucht wurde auch das Areal der Post an der Mayenner Straße, doch die Wahl fiel letztlich aufs Parkdeck, der Tiefgarage, die ohnehin einer millionenschweren Kernsanierung bedarf. Unter elf Architekten-Entwürfen für das neue Verwaltungsgebäude hat das Preisgericht mit dem Büro Ackermann und Raff aus Stuttgart einen klaren Sieger gekürt, der sowohl mit Holzbau und Solarfassade als auch städtebaulich überzeugen konnte.

Im zuständigen Ausschuss reagierten die Kreisräte nicht gerade erfreut auf die Kostensteigerung – doch die Mehrheit signalisierte, an den Plänen festhalten zu wollen. Jürgen Hestler (SPD) meldete Zweifel an der Wirtschaftlichkeitsberechnung an, zumal auch nach der Pandemie mit einer höheren Home Office-Quote in allen Branchen zu rechnen sei. Andere Räte, darunter der Waiblinger OB Andreas Hesky, sprachen sich dafür aus, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Der Neubau des Landratsamts auf dem Parkdeck kostet elf Millionen Euro mehr als bisher angenommen. Gewissermaßen sind es sogar 19,5 Millionen Euro mehr, denn davon war der Kreistag bei seinem Beschluss 2018 ausgegangen. Ein wesentlicher Grund für die jüngste Kostensteigerung ist die schlechte Luft am Alten Postplatz: Die im Wettbewerbsentwurf vorgesehene dezentrale Lüftung sei wegen mangelhafter Luftqualität am Standort mit der stark befahrenen Straße nicht möglich. Die Luft würde sonst

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper