Waiblingen

Landwirt warnt vor „Rettet die Bienen“

Landwirt warnt vor „Rettet die Bienen“_0
Landwirtschaft wie hier im Gewann Längwiesen bei Hegnach wäre mit einem „Ja“ beim Volksentscheid nicht mehr möglich, sagt Volker Escher. © ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Ganz klar: Jeder will die Bienen retten. Was aber das Volksbegehren im Erfolgsfall für die Landwirtschaft bedeuten würde, das wissen die meisten nicht. Volker Escher, Stadtrat und Obmann der Waiblinger Bauern, ist sich sicher: Es wäre das Aus für gesunde Lebensmittel aus der Region.

Ab sofort können die Initiatoren des Volksbegehrens „Rettet die Bienen!“ Unterschriften sammeln. Sechs Monate haben sie Zeit, um mindestens 770 000 Unterstützer zu finden. Wenn ihnen das gelingt, kommt der Gesetzentwurf in den Landtag. Lehnt dieser ab, wird daraus ein Volksentscheid. Aber wissen die Wähler überhaupt, was ihr Kreuzchen bei der Abstimmung bedeuten wird? Da hat Volker Escher erhebliche Zweifel – und bläst zur großen Aufklärungskampagne. „Wir müssen jetzt kämpfen“, so sein Appell auch an die Kollegen, „sonst haben wir schon verloren“. Dann sei es um „unsere schöne Landschaft“ geschehen“. Ganz bewusst spricht er sogar von „Enteignung“.

„Das wäre das Aus für die Remstalkellerei“

Ackerbau auf den Flächen entlang des Naturschutzgebiets Unteres Remstal wäre nicht mehr möglich, so seine düstere Zukunftsvision. Nicht im Gewann Längwies beim Hegnacher Friedhof, nicht oberhalb der Hegnacher Mühle und auch nicht westlich des Hartwalds. Überall dort befinden sich Landschaftsschutzgebiete – und in diesen soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verboten werden. Fürs Landschaftsbild noch einschneidender: Betroffen sind theoretisch auch die Weinbauflächen. „Das wäre das Aus für die Remstalkellerei“, sagt Volker Escher. Das Remstal ohne Weinbau? Für die meisten wohl undenkbar. „Wir Landwirte wären dann nur Landschaftspfleger, die zweimal im Jahr Wiesen mähen und Subventionen bekommen.“ In anderen Regionen gibt es weniger Ackerbau in Landschaftsschutzgebieten, im Remstal ist der Anteil recht hoch.

Landwirte fühlen sich als Prügelknaben

„Ich bin für Bienen und Insekten“, betont der 41-jährige Landwirtschaftsmeister. Das Volksbegehren schieße allerdings über das Ziel weit hinaus. Immer müssten Landwirte als Prügelknaben herhalten, dabei habe das Insektensterben ganz andere Ursachen: „Warum redet keiner über Lichtverschmutzung? Wie viele Millionen Insekten sterben jeden Abend an Straßenlaternen!“

Bio-Betriebe spritzen öfter als konventionell arbeitende

Zwar arbeitet Volker Escher konventionell, sei aber schon aus Kostengründen bemüht, so wenig Dünger und Pflanzenschutzmittel wie möglich einzusetzen. Ganz ohne geht es seiner Überzeugung nach nicht. Gegen die Kraut- und Knollenfäule muss ein Kartoffelbauer etwas unternehmen. Leider wüssten die meisten Konsumenten gar nicht, was „bio“ bedeute. Zum Beispiel, dass Biobauern öfter spritzen müssen als konventionell arbeitende Kollegen – nur eben anders. Schwefel oder Kupfer werde schneller vom Regen abgewaschen als synthetische Mittel.

Aber auch „bio“ soll nicht gespritzt werden. Da spricht es aus Sicht des DFB-Stadtrats Bände, dass sich auch Biobauern, Imker und Teile der Grünen gegen das Volksbegehren wenden.

Forderungen wie die, 50 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel einzusetzen und die ökologische Landwirtschaft um 50 Prozent bis zum Jahr 2035 auszubauen, lesen sich zunächst gut. Doch liege es letztlich an den Verbrauchern, welche Art von Landwirtschaft sie wollen. „Vor dem Supermarkt wollen sie bio, vor dem Regal greifen sie dann doch zum günstigeren Produkt“, beschreibt Volker Escher das oft widersprüchliche Verhalten. Oder noch mehr zugespitzt: Im Garten steht der teure Grill der Nobelmarke, drauf liegen die Würstchen aus dem Discounter. Der Salat kommt aus Spanien und die Äpfel aus Südamerika.

Die Biene als Symboltier spricht die Leute auf emotionaler Ebene an. Dennoch hofft der Obmann der Waiblinger Landwirte, dass die Wähler bei einem Volksentscheid nach sachlichen Argumenten entscheiden. Politiker wie Jochen Haußmann, Ulrich Goll und Willi Halder hat er für die nächsten Tage auf den Hof nach Hegnach eingeladen.


Volksbegehren

Wenn die Initiative Unterschriften von einem Zehntel der Wahlberechtigten bekommt, geht der Gesetzentwurf als Volksbegehren an den Landtag.

Lehnt das Parlament ab, wird ein Volksentscheid abgehalten.