Waiblingen

Lange Ferien, kurzer Urlaub: Wie Familien die Betreuung im Sommer meistern

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„Home Office mit Kindern“: Was im Lockdown bei vielen notwendig war, wird es auch in den Ferien wieder. © Kölbl M.

Ferien von Ende Juli bis Anfang September! Super, oder? Die Kinder, die in den vergangenen Jahren so viel zurückstecken mussten, haben es sich verdient. Aber Hand aufs Herz, welche Erwachsenen haben so viel Urlaub? Wie schaffen Eltern den Spagat zwischen Schulferien, Kinderbetreuung und Job? Angebote wie die Spowo des VfL Waiblingen und Stadtranderholungen helfen – aber der Sommer ist lang. Nach Möglichkeit kommen Oma und Opa ins Spiel. Oder läuft’s wieder bei im Corona-Lockdown: Kinder zu Hause, während die Eltern im Home-Office arbeiten? Familien aus Waiblingen und Umgebung schildern uns, wie sie die Brücke über die Betreuungslücke in den Ferien schlagen. Bei manchen scheint’s wie am Schnürchen zu klappen. Andere machen sich Vorwürfe, die Situation nicht besser gewuppt zu bekommen. Aber: Sie sind damit nicht alleine.

Shitstorm fürs Home Office? 

„Bekomme ich jetzt den Shitstorm des Jahrhunderts?“, fragt eine Mutter mit schlechtem Gewissen. Denn sie habe ihre Kinder bei einer Stadtranderholung angemeldet, obwohl sie als Lehrerin für diese Phase „nur“ Home Office zur Unterrichtsvorbereitung geplant habe. Nun kam es anders als gedacht: Wegen Corona-Fällen bei der Betreuung bleiben die Kinder eine Woche doch zu Hause. Später geht’s drei Wochen in den Urlaub und in der letzten Woche muss Mama zur Schule – zum Vorbereiten. „In der Zeit sind meine Kinder mit dabei und teilweise bei Oma und Opa.“ Eine Waiblinger Familie hat ihre Jungs zwei Wochen zum Ausspannen zu Hause, danach sind sie erst mit den Großeltern unterwegs, dann mit der Familie – und zuletzt bei der Spowo.

Mit Kita-Kindern ist es leichter

Mehr Spielraum haben Familien, deren Kinder noch nicht die Schule besuchen. Das ändert sich für ihr erstes Kind aber bald, erzählt eine Mama. Ihr Partner und sie müssen sich dann die Ferien aufteilen. Als Freiberufler bekämen sie das zwar „einigermaßen“ hin – aber mit beruflichen Abstrichen und finanziellen Einbußen. Wenn die Kinder größer sind, will die Familie Ferienbetreuungen in Anspruch nehmen.

„Bei uns läuft das Leben einigermaßen reibungslos ab“, sagt ein Vater, der seit Beginn der Pandemie voll im Home Office arbeitet - und damit „fester Bestandteil der Familie“ geworden sei. Seine Frau arbeitet ebenfalls Vollzeit, teils zu Hause, teils im Büro. In den Sommerferien sind die drei Kinder zwischen acht und zwölf Jahren zu Hause. Vormittags sind digitale Medien angesagt. Sie spielen Playstation, auf den Handys oder schauten Youtube-Filme am Laptop. Am Nachmittag dann die „analoge“ Zeit mit Basteln, Male, Gesellschaftsspielen, Playmobil und Barbies. Leider gebe es am Wohnort Endersbach wenig Plätze, um bei Hitze im Schatten zu toben. Somit werde es oft 17 oder 18 Uhr, bis die Kinder rausgehen und sich bewegen. Nach Feierabend geht der Papa dann auch manchmal mit auf den Sportplatz, um Fußball, Handball oder Basketball zu spielen.

Freiberufler mit finanziellen Einbußen

Freiberufler im Home Office sind jedenfalls flexibler als Berufstätige mit starren Arbeitszeiten und Präsenzpflicht. Ein Vater und eine Mutter von kleinen Kindern teilen sich die Betreuung entsprechend auf. Was zumindest solange gut funktioniert, als die Kleinen noch nicht in der Schule sind. Durch die Erfahrung mit inzwischen erwachsenen Kindern aus erster Ehe weiß der Vater: „Bei Schulkindern kommt es auf eine gute Kernzeiten-Betreuung an.“ Waiblingen ist in Sachen Ferienbetreuung an der Schule relativ gut aufgestellt. Die an der Friedensschule Neustadt zum Beispiel wird von rund 50 Kindern besucht. Während der Sommerferien gibt es nur zwei Wochen Schließzeit.

„Meine Kinder sind zwar Jugendliche“, aber die Betreuung sei immer noch ein Spagat, gesteht eine Mutter. Weil sie arbeiten geht, seien sie vormittags auf sich allein gestellt. Mit praktischen Folgen: „Die Küche sieht dann doch recht benutzt aus.“ Sie versucht das Problem zu lösen, indem sie ein paar Aufgaben delegiert. Gelingt das, bleibt auch mal Zeit für gemeinsame Unternehmungen. Ohne diese hätte sie ein „doofes Gefühl“. Manchmal läuft es, wie es nicht soll: „Sie sind weg, wenn ich komme. Ich habe den Haushalt alleine an der Backe –und als Mama bin ich eine Niete.“

Wenn die Akkus auch im Urlaub nicht voll aufladen können

Bei einer Familie mit zwei Kindern, anderthalb und fünfeinhalb Jahre, davon eins mit einer seltenen Behinderung, gehen viele Urlaubstage für Arztbesuche oder bürokratische Termine rund um das Thema Inklusion drauf. Da beide noch die Kita besuchen, gelingt es, mit Babysittern sowie Home Office mit Kind die Schließzeit zu überbrücken. Für eine Woche haben sich Oma und Opa, die in Bayern wohnen und selbst noch berufstätig sind, zur Kinderbetreuung angemeldet. Bald steht dann für zwei Wochen der erste Familienurlaub seit Corona an. Die Erwartungen an die Ferien sind dennoch heruntergeschraubt, denn: „Die Behinderung macht keine Ferien.“ Auch aus dem Urlaub wird die Familie „nicht mit voll aufgeladenen Akkus zurückkehren“. Beim Gedanken an die Schulzeit mit längeren Ferien wird es der Mutter schlecht, da Ferienangebote oft nicht sehr inklusiv seien. Und wenn doch, dann teuer. Das Angebot sei gering, die Nachfrage hoch.

Ferien von Ende Juli bis Anfang September! Super, oder? Die Kinder, die in den vergangenen Jahren so viel zurückstecken mussten, haben es sich verdient. Aber Hand aufs Herz, welche Erwachsenen haben so viel Urlaub? Wie schaffen Eltern den Spagat zwischen Schulferien, Kinderbetreuung und Job? Angebote wie die Spowo des VfL Waiblingen und Stadtranderholungen helfen – aber der Sommer ist lang. Nach Möglichkeit kommen Oma und Opa ins Spiel. Oder läuft’s wieder bei im Corona-Lockdown: Kinder zu

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